7. Premiere der Silberdisteln
Das war’s? – Von wegen!
Mittwoch, 18. Mai 2016, 08:02 Uhr
Sie haben es wieder getan, und sie werden es wohl immer wieder tun: Die Silberdisteln legen sich mit voller Kraft ins Zeug, das Theater unterm Dach mit ihrer ganz eigenen Kunst zu bereichern. Das siebente Stück studieren sie mittlerweile ein. nnz-Leserin Evelyn Lange hat ihnen einen Besuch abgestattet...
Nach erfolgreicher Faust-Adaption, die die Disteln zusammen mit den Theaterjugendclubbern 2015 auf die große Bühne brachten, greifen sie nun tief in Fitzgerald Kusz‘ Szenensammlung Das war‘s! und fischen das Spannendste heraus, das es gibt: das Leben. Unter Leitung der Chefdramaturgin Anja Eisner nehmen die Laienmimen den ganz alltäglichen Wahnsinn menschlichen Zusammenlebens aufs Korn.
Ich habe mich zur Probe angekündigt und werde begrüßt wie eine alte Bekannte. Schnell sind ein paar Stühle in den Ballettsaal gestellt und die Wasserflaschen ausgepackt. Draußen hat der Sommer den Frühling übersprungen und presst seine heißen Sonnenstrahlen zwischen die Spiegelwände. Weiße Klebestreifen markieren ein Viereck auf dem Boden. Das ist unser Gerüst, erklärt Anja Eisner und zeigt ein Bild mit farbigen Tischen und Stühlen. Die sollen da hinein, aber mit dem Bühnenbildner werde noch getüftelt.
Mimen unter sich, 172 Lebensjahre fachsimpeln (Elsa und Martin) in der Pause
Der Ablauf 1. Teil (eventuell bis Beton) ist heute dran. So steht es im Probenplan. Auch dass Ingrid fehlt. Elisabeth hat sich entschuldigt. Nicht jeder kann jederzeit, das ist eben so. Los geht es mit dem Einmarsch der Gladiatoren. Sie nehmen alle Aufstellung und die Chefin schmettert beherzt den Einmarsch. Gut, das klappt. Winfried tritt auf, er ist der unheimliche Schlitzer, er schlitzt Klamotten und er schlitzt sich in Rage. Die Chefin, die alle nur Anja nennen, man duzt sich hier, bremst ihn: Winfried, du musst ruhiger anfangen und dich steigern. Jetzt kommt Elsa von links, Margot von rechts. Sie sind ein wenig aufgeregt und vergeigen die Pointe. Nochmal das Ganze. Die beiden verhaspeln sich und müssen lachen. Ihr wart schon besser, urteilt Anja Eisner.
Siehste, nun redest du doch übers Wetter, schimpft Margot (re.) mit Elsa
Mit Marlis und der anderen Margot, die einen Kaufzwang hat, ist die Chefin auf Anhieb zufrieden und spart nicht mit Lob. Aber die nächste Nummer läuft irgendwie nicht: Einigen wir uns mal so: Alle haben heute nicht den besten Tag. Nach einem a capella Zwischenmusik-Solo der Regisseurin mimen Renate und Winfried ein Ehepaar, das ausholt zum so sinnlos wie gekonnten Ehegattengeplänkel. Kennt man alles, wissendes Schmunzeln. Applaus. Pause. Hoch soll sie leben, singt es in der Ecke, Silke hatte Geburtstag. Es gibt Pralinen und gute Worte. Derweil fachsimpeln Elsa und Martin. Er ist mit seinen fast 92 Jahren der Älteste und heute gar nicht dran. Dennoch verfolgt er aufmerksam alle Regieanweisungen. Weiter geht’s mit Wolfgang. Der sitzt hinter einem imaginären Sack, der die sterblichen Überreste seine Frau enthält. Du stinkst, konstatiert er mit unbewegter Miene und zahlt der Verblichenen Satz für Satz heim, was sie ihm angetan hat. Ein rabenschwarzes Stück. Bravo, Wolfgang, perfekt. Manchmal bist du zu souverän, merkt Anja Eisner an, bevor Manfred Edith fesselt. Die hat es gut, ihr wird der Mund zugeklebt, kein Text also.
Derweil sich Manfred ob seiner in den Sand gesetzten 2500 Euro für Eheanbahnung aufdröselt, dass ich als Zuschauer hoffe, dass er keinen Herzkasper kriegt. Toll, doch bitte nicht alles in Vollrage. Gut, sagt er, die Schweißperlen glänzen auf seiner Stirn. Hier nimmt niemand etwas übel. Kritik ist die Basis des Erfolgs. Elsa schaut auf die Uhr, die zwei Probenstunden sind bald herum.
Doch Ulli muss wegen der Eiflecken auf dem teuren Bademantel noch den Winfried runterputzen. Szenen einer Ehe. Und jetzt noch die zwei Schlaflosen, die sich gegenseitig des Doch-Schlafens bezichtigen. Geschafft. An dieser Stelle machen wir das nächste Mal weiter, schließt die Regisseurin die Probe, bald ist Premiere. Fröhlich schwatzend verlässt die Truppe das stille Theater. Sie müssen sich nichts beweisen, das macht locker. Lampenfieber? Na klar, das gehört dazu. Ein paar verabschieden mich: Bis zur Premiere. Sie werden es schaffen, auch dieses Mal wieder. Bis zur Premiere.
Premiere ist am 3. Juni 2016 um 19.30 Uhr im Theater unterm Dach (TuD). Karten kann man unter Telefon 03631 - 983452 oder im Internet unter www.theater-nordhausen.de bestellen.
Evelyn Lange
Autor: redNach erfolgreicher Faust-Adaption, die die Disteln zusammen mit den Theaterjugendclubbern 2015 auf die große Bühne brachten, greifen sie nun tief in Fitzgerald Kusz‘ Szenensammlung Das war‘s! und fischen das Spannendste heraus, das es gibt: das Leben. Unter Leitung der Chefdramaturgin Anja Eisner nehmen die Laienmimen den ganz alltäglichen Wahnsinn menschlichen Zusammenlebens aufs Korn.
Ich habe mich zur Probe angekündigt und werde begrüßt wie eine alte Bekannte. Schnell sind ein paar Stühle in den Ballettsaal gestellt und die Wasserflaschen ausgepackt. Draußen hat der Sommer den Frühling übersprungen und presst seine heißen Sonnenstrahlen zwischen die Spiegelwände. Weiße Klebestreifen markieren ein Viereck auf dem Boden. Das ist unser Gerüst, erklärt Anja Eisner und zeigt ein Bild mit farbigen Tischen und Stühlen. Die sollen da hinein, aber mit dem Bühnenbildner werde noch getüftelt.
Mimen unter sich, 172 Lebensjahre fachsimpeln (Elsa und Martin) in der Pause
Der Ablauf 1. Teil (eventuell bis Beton) ist heute dran. So steht es im Probenplan. Auch dass Ingrid fehlt. Elisabeth hat sich entschuldigt. Nicht jeder kann jederzeit, das ist eben so. Los geht es mit dem Einmarsch der Gladiatoren. Sie nehmen alle Aufstellung und die Chefin schmettert beherzt den Einmarsch. Gut, das klappt. Winfried tritt auf, er ist der unheimliche Schlitzer, er schlitzt Klamotten und er schlitzt sich in Rage. Die Chefin, die alle nur Anja nennen, man duzt sich hier, bremst ihn: Winfried, du musst ruhiger anfangen und dich steigern. Jetzt kommt Elsa von links, Margot von rechts. Sie sind ein wenig aufgeregt und vergeigen die Pointe. Nochmal das Ganze. Die beiden verhaspeln sich und müssen lachen. Ihr wart schon besser, urteilt Anja Eisner.
Siehste, nun redest du doch übers Wetter, schimpft Margot (re.) mit Elsa
Mit Marlis und der anderen Margot, die einen Kaufzwang hat, ist die Chefin auf Anhieb zufrieden und spart nicht mit Lob. Aber die nächste Nummer läuft irgendwie nicht: Einigen wir uns mal so: Alle haben heute nicht den besten Tag. Nach einem a capella Zwischenmusik-Solo der Regisseurin mimen Renate und Winfried ein Ehepaar, das ausholt zum so sinnlos wie gekonnten Ehegattengeplänkel. Kennt man alles, wissendes Schmunzeln. Applaus. Pause. Hoch soll sie leben, singt es in der Ecke, Silke hatte Geburtstag. Es gibt Pralinen und gute Worte. Derweil fachsimpeln Elsa und Martin. Er ist mit seinen fast 92 Jahren der Älteste und heute gar nicht dran. Dennoch verfolgt er aufmerksam alle Regieanweisungen. Weiter geht’s mit Wolfgang. Der sitzt hinter einem imaginären Sack, der die sterblichen Überreste seine Frau enthält. Du stinkst, konstatiert er mit unbewegter Miene und zahlt der Verblichenen Satz für Satz heim, was sie ihm angetan hat. Ein rabenschwarzes Stück. Bravo, Wolfgang, perfekt. Manchmal bist du zu souverän, merkt Anja Eisner an, bevor Manfred Edith fesselt. Die hat es gut, ihr wird der Mund zugeklebt, kein Text also.
Derweil sich Manfred ob seiner in den Sand gesetzten 2500 Euro für Eheanbahnung aufdröselt, dass ich als Zuschauer hoffe, dass er keinen Herzkasper kriegt. Toll, doch bitte nicht alles in Vollrage. Gut, sagt er, die Schweißperlen glänzen auf seiner Stirn. Hier nimmt niemand etwas übel. Kritik ist die Basis des Erfolgs. Elsa schaut auf die Uhr, die zwei Probenstunden sind bald herum.
Doch Ulli muss wegen der Eiflecken auf dem teuren Bademantel noch den Winfried runterputzen. Szenen einer Ehe. Und jetzt noch die zwei Schlaflosen, die sich gegenseitig des Doch-Schlafens bezichtigen. Geschafft. An dieser Stelle machen wir das nächste Mal weiter, schließt die Regisseurin die Probe, bald ist Premiere. Fröhlich schwatzend verlässt die Truppe das stille Theater. Sie müssen sich nichts beweisen, das macht locker. Lampenfieber? Na klar, das gehört dazu. Ein paar verabschieden mich: Bis zur Premiere. Sie werden es schaffen, auch dieses Mal wieder. Bis zur Premiere.
Premiere ist am 3. Juni 2016 um 19.30 Uhr im Theater unterm Dach (TuD). Karten kann man unter Telefon 03631 - 983452 oder im Internet unter www.theater-nordhausen.de bestellen.
Evelyn Lange


