nnz-online
Johannis-Kirche in Ellrich

Arbeiten am Mauerwerk sind abgeschlossen

Mittwoch, 20. April 2016, 14:39 Uhr
Auf dem Weg zu einem neuen Glockenturm für die Ellricher Sankt-Johannis-Kirche ist man wieder ein kleines Stück weiter. Was der Förderverein plant, hat die nnz jetzt erfahren…

Kirche in Ellrich (Foto: S. Schedwill) Kirche in Ellrich (Foto: S. Schedwill)
Die Bauplanen sind entfernt, der Blick auf die Westseite der großen Ellricher Marktkirche ist wieder frei: Seit Oktober 2014 wurde an der „Wunde“ des Gotteshauses, den wenigen Überresten des Glockenturmes, kontinuierlich gearbeitet. Ein Pultdach schützt jetzt das mittelalterliche Mauerwerk vor Wind, Wetter und Feuchtigkeit.

In einem zweiten Bauabschnitt wurde der Zementmörtel entfernt, der Anfang der 1990er Jahre zur Sicherung der Steine aufgebracht worden war. Die alte Verfugung schadete dem historischen Mauerwerk, weil sich die Feuchtigkeit staute. Das Mauerwerk wurde trocken gelegt und lose Steine entfernt. Für einen späteren Wiederaufbau des Turmes sind sie zwischengelagert.

Erst kürzlich sind die Arbeiten abgeschlossen geworden. „Am 14. April war Bauabnahme“, sagt Martin Bischoff, erster Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau des Glockenturmes.

Rund 35 000 Euro hat der Verein für die Arbeiten zur Verfügung gestellt, weitere rund 77 000 Euro flossen über Fördermittel. „Mit den Arbeiten wurden die Voraussetzungen geschaffen, um an dieser Stelle den neuen Glockenturm bauen zu können“, erläutert der 69-jährige Vereinschef. 54 Meter hoch, drei Geschosse, zwei Türme – so soll der wiederaufgebaute, freistehende Glockenturm der Kirche aussehen. Eine Kopie des markanten Turmes, der die Silhouette der Stadt über 1000 Jahre prägte, ehe er verfiel und dann Mitte der 1960er Jahre abgerissen wurde.

Damit aus dem Traum auch irgendwann einmal Wirklichkeit wird, will der Verein jetzt wieder verstärkt um Fördermittel werben. „Wir rechnen mit Baukosten von rund 1 Million Euro“, sagt Bischoff. Bei einem Besuch der früheren Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) kürzlich in Ellrich stellten die Vereinsmitglieder das Wiederaufbauprojekt vor. Lieberknecht sicherte den Vereinsmitgliedern ihre Hilfe zu, weitere Fördermitteltöpfe anzuzapfen. Spruchreif sei das zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht, sagt Bischoff.

Vordergründiges Ziel sei es jetzt, so Bischoff, die über fünf Jahre alten Planungsunterlagen wieder auf den Stand der Zeit zu bringen. „Sowohl technisch als auch finanziell muss das Projekt überarbeitet werden“, begründet der Zorger. Die Planung hatte damals ein Sangerhäuser Architekturbüro erstellt. Nach einem Besitzerwechsel, arbeitet der Verein jetzt aber mit dem Erfurter Architekturbüro Smits und Partner zusammen, das bereits die zwei Bauabschnitt an der Westseite der Kirche betreut hat.

So soll es einmal sein... (Foto: privat) So soll es einmal sein... (Foto: privat) Dieses soll die Planung, Bauzeichnungen und Kostenschätzungen überarbeiten. Mit den aktuellen Daten will man dann eine neue Imagebroschüre erstellen, mit der bei Fördergeldgebern für das außergewöhnliche Projekt geworben werden kann. Die regionale Leader-Aktionsgruppe Südharz hat die Förderwürdigkeit dieses Vorhabens bereits bestätigt und will dem Verein 5000 Euro zur Verfügung stellen.
Punkten wollen die aktuell 56 Vereinsmitglieder auch mit ihrem Nutzungskonzept: Der Anbau soll wie das 2008 wieder geweihte Gotteshaus vielfältig, also kirchlich und profan, genutzt werden. Neben Ausstellungsräumen schwebt den Turmbauern auch ein Café vor. „Manch einer kann sich auch ein Glockenspiel vorstellen“, sagt Bischoff. Über eine Aussichtsplattform werde ebenso nachgedacht.

Fest steht: Der Turm würde seine historischen Maße von einer 6 mal 12 Meter großen Grundfläche wieder erhalten. Im Glockenstuhl sollen die über 100 Jahre alten vier Glocken wieder läuten, die noch in der Kirche untergestellt sind. Äußerlich würde sich der neue Turm allerdings von der Kirche abheben, weil er aus Stahlbeton errichtet werden soll. Der Aufbau mit Dolomitgestein, aus dem das Kirchenschiff besteht, sei nicht finanzierbar, sagt Bischoff. Beton sei nicht nur kostengünstiger, sondern auch haltbarer.
Susanne Schedwill
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de