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Protest gegen Zirkus

Zirkus ist kein Spaß für Tiere!

Donnerstag, 14. April 2016, 14:08 Uhr
Auf viele Menschen wirkt der Zirkus eine starke Faszination aus: Es wird über Kunststücke gestaunt und über die Späße der Clowns gelacht. An dieser Form der Unterhaltung wäre nichts auszusetzen, wäre sie frei von Leid und Unterdrückung. Am Samstagabend wird deswegen zur Protestkundgebung aufgerufen...

Doch dies ist nicht der Fall bei Zirkussen, in denen Tiere vorgeführt werden. Sogenannte Zirkustiere haben sich im Gegensatz zu den Menschen nicht freiwillig dazu entschieden, Kunststücke vorzuführen. Sie sind nicht begeistert vom Applaus des Publikums und sehnen sich nicht nach Ruhm und Erfolg als „Star der Manege“. Weder suchen sie nach einer „Zirkusidylle“, noch verstehen sie sich als „Botschafter ihrer Art“, oder versuchen, im Zirkus ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Der Standpunkt, Zirkus sei „Tradition“ und schaffe vor allem für Kinder die Möglichkeit, wilde Tiere aus der Nähe zu sehen, rechtfertigt keine Tierquälerei. Kindern wird im Zirkus ein völlig falsches und verzerrtes Bild von Tieren und deren Bedürfnissen vermittelt. Kein Elefant steht gerne angekettet im Zelt, kein Zebra läuft gerne in der Manege im Kreis und weder Tiger noch Pferd machen gerne Männchen. Diese unnatürlichen und erniedrigenden Handlungen an Tieren zu zeigen, ist pädagogisch fatal, da Kinder dadurch weder das wahre Wesen der Tiere kennenlernen noch zu Respekt und Mitgefühl erzogen werden.

Tiere sollten in einer zivilisierten Gesellschaft nicht mehr zu den Attraktionen in einem Zirkus gehören. Die Zurschaustellung und „Dressur wilder Tiere“ sind altertümliche Relikte, die leider immer noch von vielen Zirkusbetrieben fortgeführt werden. Was dem Besucher meist verborgen bleibt: Die Tiere im Zirkus werden – selbst wenn „rechtlich nichts zu bemängeln“ ist – unter
erbärmlichen Bedingungen gehalten. Die andressierten Kunststückchen, den Zirkusbesuchern gerne als Erfolge „sanfter Dressur“ verkauft, basieren oftmals tatsächlich auf hartem Drill, Futterentzug und Gewaltanwendung. In vielen Ländern sind Vorführungen mit einigen Tierarten aus Tierschutzgründen bereits verboten oder stark eingeschränkt, so etwa in Dänemark, Schweden, England und Österreich.

In mehreren Ländern Südamerikas gilt bereits ein komplettes Tierverbot für Zirkusse. Anders in Deutschland: Obwohl der Bundesrat bereits 2003 zumindest ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gefordert hat, für das sich auch die Bundestierärztekammer seit Jahren ausspricht, ist bis heute keine Regelung in Sicht. Am Existenzschutz für die Zirkusse kann es nicht liegen. Große und erfolgreiche Zirkusbetriebe kommen seit Jahren ohne Tiernummern aus und haben trotzdem – oder sogar gerade deshalb – regelmäßig ausverkaufte Vorstellungen.
Es gibt viele großartige und sehenswerte Zirkusnummern - ohne Tiere.

Käfigfrust statt Lebenslust

Die Tierarten, die man im Zirkus sieht, haben in ihrer natürlichen Umgebung sehr viel Platz zur Verfügung. Sie können den ganzen Tag laufen, springen, klettern, schwimmen oder fliegen, so wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Sie pflegen Kontakte zu ihren Artgenossen, beschäftigen sich mit der Nahrungssuche und betreiben Haut- oder Fellpflege. Haltung im Zirkus dagegen bedeutet für die Tiere lebenslangen Verzicht auf die Ausübung ihrer natürlichen Verhaltensweisen sowie ständige Transporte auf engstem Raum.

Oft treten durch die Gefangenschaft und quälende Langeweile sichtbare schwere Verhaltensstörungen auf, wie etwa das „Weben“ oder ständiges Hin- und Herlaufen der Tiere. Diese stereotypen Bewegungsabläufe sind keine Zeichen der Freude, sondern krankhafte Leerlaufhandlungen als ein sichtbarer Ausdruck dessen, was Gefangenschaft, Einsamkeit, Angst, Stress und Bewegungsmangel für die Tiere bedeutet. Zudem werden die „Zirkustiere“ während der Zirkussaison alle paar Tage in engen Zirkuswagen zu einem neuen Gastspielort gekarrt.

Auch dann, wenn ihnen am Standplatz zeitweise ein Außengehege zur Verfügung gestellt wird und sie nicht im Käfig bleiben müssen oder z.B. im Zelt angekettet werden, bleiben sie auf einen begrenzten Raum eingesperrt. Freilebende Tiere leben in unvergleichlich größeren Lebensräumen. Löwen und Tiger bewegen sich in Revieren von über 40 km².

Domestizierte Tierarten wie Pferde, Ziegen oder Hunde sind zwar auf menschliche Obhut angewiesen, da sie seit Jahrtausenden herangezüchtet wurden, aber dennoch leiden sie unter den Haltungsbedingungen, die im Zirkusbetrieb vorausgesetzt sind. Vor allem die ständigen Transporte und Ortswechsel bedeuten für diese Tiere einen enormen Stress. Im Zirkus werden die sozialen Bedürfnisse der Tiere zudem nur eingeschränkt berücksichtigt.

Tiere, die in Gruppen leben, müssen oft ein Leben in Isolation von Artgenossen führen (z.B. Großflusspferde), vorwiegend allein lebende Tiere in Zwangsgemeinschaften leben (z.B. Tiger).

Das Tierschutzgesetz fordert grundsätzlich für alle Tiere eine „bedürfnis- und verhaltensgerechte Unterbringung und Pflege“. Die Richtlinien für Tierhaltung im Zirkus enthalten allerdings nur minimale Anforderungen und sehen keinesfalls eine „artgerechte Haltung“ vor.

Nach den „Zirkusleitlinien“ ist es erlaubt, zwei Löwen oder Bären in Käfigen von 12 Quadratmetern zu halten. Bei einem Hund in einem Zwinger gleicher Größe würden die meisten Menschen zu Recht von Tierquälerei sprechen – selbst wenn der Hund hin und wieder in ein 50 Quadratmeter „großes“ Außengehege dürfte.
Deshalb unser Apell: Wer Tiere mag, besucht keinen Zirkus, der Tiere zur Schau stellt.
Angela Fricke
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Autor: red

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