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AUS DEM VEREINSHAUS „THOMAS MANN“

Verliebt in Orchideen

Sonntag, 10. April 2016, 12:12 Uhr
Zahlreiche Vereine und Interessengemeinschaften treffen sich im Vereinshaus „Thomas Mann“. In loser Reihenfolge stellen wir einige von ihnen vor. Heute: den Arbeitskreis „Heimische Orchideen“...

Dr. Hans-Jörg Spangenberg (Foto: Kurt Frank) Dr. Hans-Jörg Spangenberg (Foto: Kurt Frank)
Dr. Hans-Jörg Spangenberg setzt sich vehement für den Schutz der heimischen Orchideen ein.

Nordhausen. Dr. Hans-Jörg Spangenberg liebt Orchideen. Sie waren es aber nicht, über die er seine Doktorarbeit schrieb. Sein Thema: Grundwasserfauna im Südharz/Kyffhäuser im Vergleich zur Fauna der Höhlengewässer und Grundwasserfauna. Das Interesse an den Schönheiten und Geheimnissen der Natur war schon im Kindesalter da. Den Naturwissenschaften verschrieb er sein Herz. So ist es bis heute geblieben.

Vielen Menschen ist Spangenberg auch als sympathischer Leiter der Arbeitsgemeinschaft Botanik im Kulturbund bekannt, der er vom 23. März 1976 bis zum 15. Juli 2008 vorstand.

Unsere heimischen Orchideen stellen eine der interessantesten Pflanzenfamilien der Wildflora dar. Sie beeindrucken durch ihre Schönheit, Formen-und Farbenvielfalt. 42 Arten sind im Landkreis nachgewiesen. Verliebte Männer gebrauchen diese herrliche Blume gern als Metapher. Für ihre Frau. Oder Geliebte. Wenn sie schmeicheln:„Du bist so schön wie eine Orchidee.“ Oder: „Du bist meine Orchidee.“

Leider aber ist sie gefährdet, nicht gerade üppig mehr zu finden. Sie ist sehr anspruchsvoll, benötigt Kalktrocken-und Magerrasen. Die Publikation „Orchideen im Landkreis Nordhausen“ gibt Auskunft, wo sie hierzulande heimisch ist: Im Alten Stolberg, der Wind- und Hainleite, am Dün, den Bleicheröder Bergen, am Mühlberg, im Raum Rothesütte, Ilfeld und Auleben.

Bleiches-und Rotes Waldvögelein, Gelber Frauenschuh, Hummel-Ragwurz, Helm-und Purpur Knabenkraut – Dr. Hans-Jörg Spangenberg könnte jede ihrer Art beschreiben. In jedem Bundesland, erzählt der 82-Jährige, gibt es einen Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO). Im Herbst treffen sich die jeweiligen Vorstände in Arnstadt zum Erfahrungsaustausch. Dabei werde auch die Orchidee des Jahres gewählt.2016 ist es die Sommerdrehwurz (Spiranthes aestivalis).

Am 3. Februar 1991 gründete sich der Arbeitskreis in Thüringen, weiß Dr. Spangenberg. Er umfasst mehrere Regionalsektionen. Zur Sektion Nord, die Jahre später mit der Arbeit begann, gehören die Kreise Nordhausen, Kyffhäuser und Eichsfeld. Sie zählt 15 Mitglieder. Den Vorsitz hat Jürgen Reinhardt aus Bad Tennstedt.

Der Schutz dieser eindrucksvollen Bereicherung unserer Landschaft ist das große Anliegen der Orchideenfreunde. Er ist aber nur möglich, wenn ihre Biotope erhalten bleiben. Leider, beklagt Spangenberg, würden durch die Gipsindustrie immer mehr natürliche Lebensräume zerstört. Wer Orchideen in der Natur begegnet, sollte sie nicht pflücken, ausgraben oder beschädigen.

Zur Aufgabe der Mitglieder, klärt der Fachmann auf, gehören Beobachtungen, Kartierungsarbeiten, Öffentlichkeitsarbeit, Fundortmonitoring – die Beobachtung einzelner Arten in einem bestimmten Gebiet über einen längeren Zeitraum und deren Veränderungen. Biotoppflege umfasst Mahd und Strauchschnitt, der umweltgerecht entsorgt wird.

Der AHO Thüringen verfüge über eine beachtliche Bibliothek. Jährlich erscheinen vier Rundbriefe zur Information der Mitglieder. Über die Orchidee des Landkreises, informiert der Botaniker sachkundig, erschien 2002 eine Veröffentlichung. Die bisher umfangreichste und umfassendste Arbeit habe es im Vorjahr mit „Thüringer Orchideen“ gegeben,ein Werk mit über 800 Seiten und etwa 1000 Abbildungen.

Zur Frühjahrs-und Herbsttagung treffen sich die Mitglieder der Sektion Nord im Vereinshaus „Thomas Mann“, tauschen Erfahrungen aus, ziehen Bilanz und stecken die kommende Wegstrecke ab. Die Erhaltung dieser außergewöhnlichen Pflanze wird gelingen, wenn sich viele für den Naturschutz und den Erhalt ihrer Lebensräume einsetzen.
Kurt Frank
Autor: red

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