71 Jahre Befreiung des KZ Mittelbau-Dora
Gedenken sichtbar machen
Samstag, 09. April 2016, 14:20 Uhr
Morgen jährt sich die Befreiung des KZ Mittelbau-Dora zum 71. mal. Die Gedenkstätte begeht den Jahrestag seit gestern mit umfangreichen Begleitveranstaltungen. Höhepunkt des heutigen Tages dürften die Gespräche mit den letzten Überlebenden des Konzentrationslagers gewesen sein, aber man diskutierte auch andere Möglichkeiten der Erinnerungskultur...
Zeitzeugengespräch im Nordhäuser Bürgerhaus anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora (Foto: Angelo Glashagel)
Der 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers im vergangenen Jahr war ein großer, ein umfassender Festakt gewesen. Obwohl die letzten Überlebenden des KZ inzwischen ihren Lebensabend erreicht haben, hatten sich viele von ihnen auf dem Weg gemacht, um Dora noch einmal zu besuchen.
Dass sie auch dieses Jahr wiedergekommen sind, ist keine Selbstverständlichkeit und hat auch die Gedenkstätte selber freudig überrascht, sagte deren Leiter, Dr. Stefan Hördler. Und obwohl es kein "großes", kein rundes Jubiläum ist, hat man sich auch in der Gedenkstätte um eine breit angelegte Ausgestaltung des Jahrestages bemüht. Bereits gestern Abend hatte man das Gedenken mit einer Filmvorführung im Nordhäuser Kino eröffnet. In "Die Arier" ging es um den Ursprung des Begriffes und den Missbrauch durch Rechtsextreme in Deutschland und den USA.
Den heutigen Tag begann man mit einem Vortrag im Bürgerhaus zum Totenbuch des KZ Mittelbau-Dora. Prof. Dr. Christoph Rass und Sebastian Bondzio sprachen dabei unter anderem über den Einsatz Geographischer Informationssysteme (GIS) zur Sichtbarmachung historischer Prozesse. Die beiden Historiker von der Universität Osnabrück stellen ein Pilotprojekt zur GIS-basierten Analyse von Deportation und Tod am Beispiel des Totenbuchs aus Dora vor. Mit Massendaten können heute die Ströme von Tod und Deportation "sichtbar gemacht" werden.
Zeitzeugengespräch im Nordhäuser Bürgerhaus anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora (Foto: Angelo Glashagel)
Dieses "sichtbar machen" dient denn auch als thematische Klammer des diesjährigen Gedenkens, erklärte Dr. Hördler, "Sichtbar machen im Sinne von Freilegung und Kennzeichnung von ehemaligen Barackenstandorten, sichtbar machen aber auch über die Website zu den 39 Außenlagern". In fünf verschiedenen Sprachen und versehen mit Geodaten kann man sich hier einen Überblick über die Lager verschaffen, wo sie waren und was dort heute steht, so würde auch die Überlagerung bis in die heutige Zeit deutlich, erklärte Hördler.
Man habe also ganz verschiedene Formen des "sichtbar werdens", Kern ist aber die Freilegung der Baracken, die im Laufe der nächsten Jahre sukkzessive erfolgen soll.
Einen anderen Weg war die Jugend für Dora im letzten Jahr gegangen. Der Verein hatte in den Orten, in denen sich Außenstellen des KZ befanden, die "Fahnen der Erinnerung" aufgestellt und so längst nicht mehr sichtbare Spuren zurück in das Bewusstsein der Gegenwart gebracht.
Heute nun traf man sich mit einigen der Gemeinden noch einmal, um zu besprechen wie es weiter gehen kann mit dem Gedenken. Es solle vor allem um einen Ideenaustausch gehen, sagte Florian Sickert von der Jugend für Dora, man wolle so Anreize für neue Wege in der Gedenkkultur schaffen, die sich auch Abseits der klassischen Gedenksteine bewegen können. Wie etwa kann man verhindern, das sich Gedenkobjekte einfach "weggucken", sprich in ihrer Alltäglichkeit nicht mehr bewusst wahrgenommen werden.
Denkbar wäre auch, so Sickert, dass Schulen oder Vereine sich um einzelne Orte kümmern, etwa im Rahmen von Projektwochen.
Höhepunkt des heutigen Tages aber war zweifelsohne das Zeitzeugengespräch mit einigen der letzen Überlebenden des KZ Mittelbau Dora. Wie schon im vergangenen Jahr hatte man im Ratssaal des Bürgerhauses lockere Tischrunden aufgestellt und das interessierte Publikum zum zwanglosen Gespräch mit den Überlebenden geladen. Das Interesse war erfreulicherweise hoch, der Saal gut gefüllt.
Auch die nnz war an einem der Tische dabei, über den Inhalt des Gespräches werden wir in der Folge noch berichten.
Angelo Glashagel
Autor: red
Zeitzeugengespräch im Nordhäuser Bürgerhaus anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora (Foto: Angelo Glashagel)
Der 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers im vergangenen Jahr war ein großer, ein umfassender Festakt gewesen. Obwohl die letzten Überlebenden des KZ inzwischen ihren Lebensabend erreicht haben, hatten sich viele von ihnen auf dem Weg gemacht, um Dora noch einmal zu besuchen.
Dass sie auch dieses Jahr wiedergekommen sind, ist keine Selbstverständlichkeit und hat auch die Gedenkstätte selber freudig überrascht, sagte deren Leiter, Dr. Stefan Hördler. Und obwohl es kein "großes", kein rundes Jubiläum ist, hat man sich auch in der Gedenkstätte um eine breit angelegte Ausgestaltung des Jahrestages bemüht. Bereits gestern Abend hatte man das Gedenken mit einer Filmvorführung im Nordhäuser Kino eröffnet. In "Die Arier" ging es um den Ursprung des Begriffes und den Missbrauch durch Rechtsextreme in Deutschland und den USA.
Den heutigen Tag begann man mit einem Vortrag im Bürgerhaus zum Totenbuch des KZ Mittelbau-Dora. Prof. Dr. Christoph Rass und Sebastian Bondzio sprachen dabei unter anderem über den Einsatz Geographischer Informationssysteme (GIS) zur Sichtbarmachung historischer Prozesse. Die beiden Historiker von der Universität Osnabrück stellen ein Pilotprojekt zur GIS-basierten Analyse von Deportation und Tod am Beispiel des Totenbuchs aus Dora vor. Mit Massendaten können heute die Ströme von Tod und Deportation "sichtbar gemacht" werden.
Zeitzeugengespräch im Nordhäuser Bürgerhaus anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora (Foto: Angelo Glashagel)
Dieses "sichtbar machen" dient denn auch als thematische Klammer des diesjährigen Gedenkens, erklärte Dr. Hördler, "Sichtbar machen im Sinne von Freilegung und Kennzeichnung von ehemaligen Barackenstandorten, sichtbar machen aber auch über die Website zu den 39 Außenlagern". In fünf verschiedenen Sprachen und versehen mit Geodaten kann man sich hier einen Überblick über die Lager verschaffen, wo sie waren und was dort heute steht, so würde auch die Überlagerung bis in die heutige Zeit deutlich, erklärte Hördler.Man habe also ganz verschiedene Formen des "sichtbar werdens", Kern ist aber die Freilegung der Baracken, die im Laufe der nächsten Jahre sukkzessive erfolgen soll.
Einen anderen Weg war die Jugend für Dora im letzten Jahr gegangen. Der Verein hatte in den Orten, in denen sich Außenstellen des KZ befanden, die "Fahnen der Erinnerung" aufgestellt und so längst nicht mehr sichtbare Spuren zurück in das Bewusstsein der Gegenwart gebracht.
Heute nun traf man sich mit einigen der Gemeinden noch einmal, um zu besprechen wie es weiter gehen kann mit dem Gedenken. Es solle vor allem um einen Ideenaustausch gehen, sagte Florian Sickert von der Jugend für Dora, man wolle so Anreize für neue Wege in der Gedenkkultur schaffen, die sich auch Abseits der klassischen Gedenksteine bewegen können. Wie etwa kann man verhindern, das sich Gedenkobjekte einfach "weggucken", sprich in ihrer Alltäglichkeit nicht mehr bewusst wahrgenommen werden.
Denkbar wäre auch, so Sickert, dass Schulen oder Vereine sich um einzelne Orte kümmern, etwa im Rahmen von Projektwochen.
Höhepunkt des heutigen Tages aber war zweifelsohne das Zeitzeugengespräch mit einigen der letzen Überlebenden des KZ Mittelbau Dora. Wie schon im vergangenen Jahr hatte man im Ratssaal des Bürgerhauses lockere Tischrunden aufgestellt und das interessierte Publikum zum zwanglosen Gespräch mit den Überlebenden geladen. Das Interesse war erfreulicherweise hoch, der Saal gut gefüllt.
Auch die nnz war an einem der Tische dabei, über den Inhalt des Gespräches werden wir in der Folge noch berichten.
Angelo Glashagel
