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Lassen Sie uns danken

Montag, 04. April 2016, 17:50 Uhr
71 Jahre ist es her, das Nordhausen im zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört wurde. Um diesen Tagen und den vielen Millionen Opfern des Krieges zu Gedenken, lud die Stadt heute auf den Nicolaiplatz. Auch Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh hielt anlässlich des Jahrestages eine Rede, die hier dokumentiert werden soll...

Die Wunden der Zerstörung von Nordhausen tragen vor allem die älteren unter uns noch in sich – es sind vor allem unsere Eltern und Großeltern, die bis heute traumatisiert sind von dem, was sie an diesen beiden Tagen im April erleben mussten. Es gibt die Wunden der Zerstörung auch bei den Menschen in Coventry, Amsterdam und vielen anderen europäischen Städten.

Wir Gedenken heute den vielen tausend Opfern hier, aber auch den vielen Millionen Opfer in anderen Städten. Wir tun dies in der ehrlichen Absicht, dass wir um Verzeihung bitten, dass wir unsere Hand versöhnend ausstrecken und die Botschaft des Friedens in die Welt tragen müssen. Und wir tun dies in dem Bewusstsein, dass der Krieg und der Tod von Deutschland ausgingen. Dies ist und bleibt unsere geschichtliche Bürde, aus der unsere besondere historische Verantwortung erwächst.

Im Anschluss wird uns die Augenzeugin Frau Böhm von diesen Nordhäuser Schicksalstagen berichten. Auch die 99 – jährige Elfriede Niestroy möchte ich unter uns begrüßen. Sie war eine der unzähligen Trümmerfrauen, die den Wiederaufbau von Nordhausen in die Wege leitete.

Gedenkveranstaltung zu 71. Jahren Bombardierung Nordhausens (Foto: Angelo Glashagel) Gedenkveranstaltung zu 71. Jahren Bombardierung Nordhausens (Foto: Angelo Glashagel)
Heute, am Nachmittag des 4. April 2016, gibt es ein Nordhausen – voller Leben und Lebendigkeit, und schön wie seit Kriegsende nicht mehr. Die Wunden des Krieges sind vernarbt und geheilt, manchmal nur überdeckt – aber nicht unsichtbar, weil sie in den Herzen vieler noch zu spüren sind. Dieses neue, moderne, friedliche Nordhausen wird uns dann Prof Arnsmeyer beschreiben, der vor einigen Jahren Nordhausen zur neuen Heimat machte für sich und seine Familie.

Lassen Sie uns danken, dass wir heute hier gemeinsam mit unseren Kindern, Eltern und Freuden stehen dürfen – in Frieden. Wünschen wir uns, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Lassen Sie uns danken, dass aus Feinden Freunde geworden sind. Dafür stehen unsere Städtepartnerschaften mit Ostrow-Wielkopolski in Polen, mit Charleville-Mezieres in Frankreich und mit Bet Shemesh in Israel.

Versichern wir uns jetzt und hier – und auch den Menschen außerhalb dieser Stadt – stets, und mit Mut und Entschlossenheit, dafür einzutreten, dass es niemals mehr einen Grund geben wird, Bomben auf unsere Städte zu werfen. Lassen Sie uns diese Verpflichtung eingehen, - auch und vor allem in Achtung vor den tausenden Menschen, die vor 71 Jahren in dieser Stadt und im Konzentrationslager „Dora“ den Tod fanden. Das Gedenken gehört den Opfern. Der heutige Jahrestag taugt nicht zur Geschichtsfälschung.
Autor: red

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