Gedenkveranstaltung zur Zerstörung der Stadt
Von Zerstörung und Wiederaufbau
Montag, 04. April 2016, 16:59 Uhr
Anlässlich des Gedenkens an die Bombardierung Nordhausens heute vor 71 Jahren fand man sich heute auf dem Nicolaiplatz ein, um an die Schrecken des Krieges zu erinnern, seiner Opfer zu Gedenken aber auch um zu sehen, was aus der zerstörten Stadt geworden ist...
"Es war ein Tag der denjenigen, die ihn erlebt haben, für immer im Gedächtnis bleiben wird", sagte Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh heute auf dem Nicolaiplatz vor der Stadtbibliothek. Den Ort habe man mit Bedacht gewählt, er stehe wie kaum ein zweiter sowohl für die Zerstörung Nordhausens wie auch für seinen Wiederaufbau.
Es war kein "großes", kein "rundes" Jubiläum, wie im vergangenen Jahr. Aber auch zum 71. Jahrestag der Zerstörung Nordhausens hatte man Gäste eingeladen, die bewegende und mahnende Worte fanden, die dem Schrecken der kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges über die Stadt hereinbrach Perspektive gaben.
Man wollte aller Opfer Gedenken, nicht nur der Nordhäuserinnen und Nordhäuser oder der Deutschen, die damals den Tod fanden, sondern auch den Menschen, in anderen Teilen Europas, die vom größten aller Kriege dahingerafft wurden.
Das Andenken gelte allen, "in dem Bewusstsein das der Krieg von Deutschland ausgegangen ist und hierher zurückkam", sagte Oberbürgermeister Zeh, daran zu erinnern sei die historische Bürde aus der die heutige Verantwortung erwachse.
Auf dem Nicolaiplatz wurde nicht nur der Zerstörung gedacht, sondern auch dem Wiederaufbau (Foto: Angelo Glashagel)
Es sprach auch Frau Böhm aus Suhl, die jedes Jahr im April wieder in die alte Heimat zurückkehrt und schon zum 70. Jahrestag einen Appell an die Nachgeborenen richtete. Eindringlich forderte sie auch heute noch einmal: "Baut Europa mit auf! Ja, es gibt Probleme, aber wir haben keine Alternative. Ohne ein geeintes Europa stehen wir bald wieder da, wo wir schon einmal waren. Macht es besser als wir."
Man wollte aber auch Danke sagen. Danke für eine Stadt, die wieder aufgebaut, heute voller Leben und Lebendigkeit sei. Die Wunden seien heute zum Teil verheilt, zum Teil verdeckt, aber nicht unsichtbar, sagte Zeh. Dazu beigetragen hat auch einst Elfriede Nestroy, vor 71 Jahren Trümmerfrau in Nordhausen, heute 99 Jahre alt und ebenfalls zugegen.
Einen Blick auf das Nordhausen von heute warf derweil ein "neuer Nordhäuser", Professor Jörg Arnsmeyer, der seit 2002 in der Stadt lebt. Zum ersten mal gesehen hatte er Nordhausen zehn Jahre zuvor, erzählte Arnsmeyer, im Jahr 1992. Die Vorurteile, die er und seine Frau damals vom Osten des Landes hatten, sahen sie zum Teil bestätigt. Aber auch damals habe es schon schöne Seiten gegeben, habe man das Potential der Stadt erkennen können.
Das er schließlich doch in Nordhausen eine neue Heimat fand, habe nicht allein daran gelegen, dass das Grau schon zu Beginn des neuen Jahrtausends weitestgehend verschwunden war, berichtete der Professor. "Eine hübsche Stadt allein reicht nicht," sagte Arnsmeyer, "die Bürger müssen ihr Potential zum Leben erwecken". Vor allem das Engagement der Nordhäuserinnen und Nordhäuser zeichne die Stadt aus, erklärte Arnsmeyer, kaum eine Institution gebe es, die nicht durch einen Förderverein, durch die Menschen der Stadt mit Leben erfüllt und am Leben gehalten werde.
Das Theater und seine Mitarbeiter, als Teil der Stadt, die vielen Bildungsmöglichkeiten, der beständige Wille, die Wunden der Vergangenheit zu heilen und auch die Menschen, die ihn und seine Familie offen empfangen hätten, haben dazu beigetragen, das der Professor heute sagen konnte: "ubi bene, ibi patria" - wo ich mich wohlfühle, da bin ich daheim.
Bevor man sich zu Kranzniederlegung und Schweigeminute vor der Stele am Rathaus einfand, wandten sich auch die Vertreter der Religionsgemeinschaften an die Gäste. Mit einem Gebet, aus der ebenfalls schwer vom Krieg heimgesuchten britischen Stadt Coventry, welches auch in Dresden immer wieder zitiert wird, bat man um Vergebung für Gier, Neid, Missgunst, Hochmut und Hass der Menschen.
Angelo Glashagel
Autor: red"Es war ein Tag der denjenigen, die ihn erlebt haben, für immer im Gedächtnis bleiben wird", sagte Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh heute auf dem Nicolaiplatz vor der Stadtbibliothek. Den Ort habe man mit Bedacht gewählt, er stehe wie kaum ein zweiter sowohl für die Zerstörung Nordhausens wie auch für seinen Wiederaufbau.
Es war kein "großes", kein "rundes" Jubiläum, wie im vergangenen Jahr. Aber auch zum 71. Jahrestag der Zerstörung Nordhausens hatte man Gäste eingeladen, die bewegende und mahnende Worte fanden, die dem Schrecken der kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges über die Stadt hereinbrach Perspektive gaben.
Man wollte aller Opfer Gedenken, nicht nur der Nordhäuserinnen und Nordhäuser oder der Deutschen, die damals den Tod fanden, sondern auch den Menschen, in anderen Teilen Europas, die vom größten aller Kriege dahingerafft wurden.
Das Andenken gelte allen, "in dem Bewusstsein das der Krieg von Deutschland ausgegangen ist und hierher zurückkam", sagte Oberbürgermeister Zeh, daran zu erinnern sei die historische Bürde aus der die heutige Verantwortung erwachse.
Auf dem Nicolaiplatz wurde nicht nur der Zerstörung gedacht, sondern auch dem Wiederaufbau (Foto: Angelo Glashagel)
Es sprach auch Frau Böhm aus Suhl, die jedes Jahr im April wieder in die alte Heimat zurückkehrt und schon zum 70. Jahrestag einen Appell an die Nachgeborenen richtete. Eindringlich forderte sie auch heute noch einmal: "Baut Europa mit auf! Ja, es gibt Probleme, aber wir haben keine Alternative. Ohne ein geeintes Europa stehen wir bald wieder da, wo wir schon einmal waren. Macht es besser als wir."Man wollte aber auch Danke sagen. Danke für eine Stadt, die wieder aufgebaut, heute voller Leben und Lebendigkeit sei. Die Wunden seien heute zum Teil verheilt, zum Teil verdeckt, aber nicht unsichtbar, sagte Zeh. Dazu beigetragen hat auch einst Elfriede Nestroy, vor 71 Jahren Trümmerfrau in Nordhausen, heute 99 Jahre alt und ebenfalls zugegen.
Einen Blick auf das Nordhausen von heute warf derweil ein "neuer Nordhäuser", Professor Jörg Arnsmeyer, der seit 2002 in der Stadt lebt. Zum ersten mal gesehen hatte er Nordhausen zehn Jahre zuvor, erzählte Arnsmeyer, im Jahr 1992. Die Vorurteile, die er und seine Frau damals vom Osten des Landes hatten, sahen sie zum Teil bestätigt. Aber auch damals habe es schon schöne Seiten gegeben, habe man das Potential der Stadt erkennen können.
Das er schließlich doch in Nordhausen eine neue Heimat fand, habe nicht allein daran gelegen, dass das Grau schon zu Beginn des neuen Jahrtausends weitestgehend verschwunden war, berichtete der Professor. "Eine hübsche Stadt allein reicht nicht," sagte Arnsmeyer, "die Bürger müssen ihr Potential zum Leben erwecken". Vor allem das Engagement der Nordhäuserinnen und Nordhäuser zeichne die Stadt aus, erklärte Arnsmeyer, kaum eine Institution gebe es, die nicht durch einen Förderverein, durch die Menschen der Stadt mit Leben erfüllt und am Leben gehalten werde.
Das Theater und seine Mitarbeiter, als Teil der Stadt, die vielen Bildungsmöglichkeiten, der beständige Wille, die Wunden der Vergangenheit zu heilen und auch die Menschen, die ihn und seine Familie offen empfangen hätten, haben dazu beigetragen, das der Professor heute sagen konnte: "ubi bene, ibi patria" - wo ich mich wohlfühle, da bin ich daheim.
Bevor man sich zu Kranzniederlegung und Schweigeminute vor der Stele am Rathaus einfand, wandten sich auch die Vertreter der Religionsgemeinschaften an die Gäste. Mit einem Gebet, aus der ebenfalls schwer vom Krieg heimgesuchten britischen Stadt Coventry, welches auch in Dresden immer wieder zitiert wird, bat man um Vergebung für Gier, Neid, Missgunst, Hochmut und Hass der Menschen.
Angelo Glashagel






















