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FDP in der Feuerwache

Besichtigt

Montag, 04. April 2016, 07:00 Uhr
Vor gut einem Monat besichtigten die Fraktion des Kreistages "freie Wähler und FDP" und die Fraktion des Stadtrates "FDP/ für Nordhausen" die Berufsfeuerwehr unserer Stadt. Man wollte sich ein Bild davon machen, wie die Arbeitsbedingungen der Feuerwehrmänner in der Feuerwache sind...

Prioritäten gesetzt (Foto: Martin Höfer) Prioritäten gesetzt (Foto: Martin Höfer)
Die Fraktion des Kreistages und die Fraktion des Stadtrates wollten sich informieren, in wie weit die gebetsmühlenartig vorgetragene Forderung nach einem Neubau einer neuen Feuerwache berechtigt ist. Sicherlich spielten auch Zweifel an dieser Forderung eine Rolle.

Diese Fraktionen sind bis jetzt auch die einzigen Kreistagsmitglieder und Stadträte, die sich tatsächlich informiert haben über die Arbeitsbedingungen der Feuerwehrleute, so die Aussage vom Chef des Hauses, Gerd Jung. Hier einige Eindrücke von der Besichtigung.

Als die Gäste die Feuerwache betraten, schlug ihnen eine Abgasdunstglocke von den sich im Depot befindlichen Feuerwehrautos entgegen. Dieser Gestank verbreitete sich im ganzen Gebäude der Feuerwache. Es fehlt eine Absaugeinrichtung in den Garagen und durch die Alarmrutschen kriecht dieser Gestank eben in jede Etage und Ecke des Gebäudes. Es wurden die Räume für die Wartung und Pflege der technischen Einrichtung als nächstes besichtigt.

Denkt man an die Kameraden der Feuerwehr, so denkt man an die roten Autos und an Feuerwehrschläuche. Ich bin davon überzeugt die wenigsten Laien wissen, was da an Ausrüstung noch so erforderlich ist. Die ehrenamtlichen Politiker waren sichtlich erstaunt, was da an Feuerwehr technischer Ausrüstung so alles gepflegt und gewartet werden muss. Die Uniformen die Schutzanzüge werden besonders gewaschen und imprägniert, die Schläuche werden gereinigt und getrocknet, die Atemschutzmasken bedürfen einer besonderen Pflege, spezielle Gas- Schutzkleidung muss gesondert gereinigt werden, die Sauerstoffatemgeräte müssen einsatzbereit gehalten werden. Die gesamte Technik bedarf einer ständigen Wartung.

Die chemischen Mittel für dir Ölbeseitigung oder anderer Verunreinigungen müssen vorgehalten und wiederum sachgerecht entsorgt werden. Das Ganze, die gesamten Arbeitsbedingungen, die für die aufgeführten Tätigkeiten erforderlich sind befinden sich in viel zu kleinen, zu niedrigen und schlecht belüfteten Kellerräumen. Tageslicht ist eigentlich in keinem Raum wirklich vorhanden, sind eben Keller!

Wenn man nun aber denkt, schlimmer kann es ja nun kaum noch werden, so kann man nur sagen - doch!
Die Aufenthaltsräume, wo die Kameraden sich während ihres Bereitschaftsdienstes aufhalten können, sind es, wirken auch kaum motivierend auf ihre Arbeit. Die Einrichtungsmöbel sind mit Sicherheit in einer Strafanstalt ansprechender und etwas zeitgemäßer als auf dieser Wache. Die hier vorgefundenen Möbel, besonders in den Schlafräumen, sind alt unbrauchbar und bestenfalls für eine Sperrmüllsammlung noch verwendbar.

Abschließend sei gesagt, ein Feuerwehrhaus-Neubau ist sicherlich am wenigsten damit zu begründen, dass die Kameraden bei Alarm mit eingeklappten Rückspiegel aus den Garagen fahren müssen, dieser Umstand ist so, die gemeinsame Einschätzung nach dieser Besichtigung, das wohl absolut kleinste Übel, es sind die wohl mehr katastrophalen Arbeitsbedingungen für die Kameraden, die hier die deutliche Sprache sprechen. Hier muss neu gebaut werden, darin waren sich die Kommunalpolitiker einig.

Die Wichtigkeit einer Feuerwache, so glaube ich, muss man keinem erklären. Die Wichtigkeit des Funktionierens einer Wache mit all der Technik und der gleichzeitigen Aufgabe der Pflege und Wartung versteht der Laie erst wenn er die Umstände kennen gelernt hat.

Unter dem Gesichtspunkt und der Bewertung der in der Vergangenheit von den Spitzen der Stadt- und auch Kreisverwaltungen gesetzten Prioritäten bei Neubauten bin ich und die anderen ehrenamtlichen Politiker des Kreistages (FDP und freie Wähler) und des Stadtrates (FDP/Für Nordhausen) erschüttert über das Missverhältnis von neu entstandenen Prachtbauten, wie das Bürgerhaus und der deutlich teurer gewordenen Flohburg, ein fast leer stehendes Sozialgericht, ein Bürgerzentrum im Landratsamt, und so weiter, während zeitgleich aber die Sicherstellung eines gut organisierten funktionierenden Brandschutzes sträflich vernachlässigt wurde.

Man hat die Kameraden im Regen stehen lassen, ob wohl die wahrscheinlich Wasser genug haben. Ich muss die Damen und Herren ehrenamtliche Politiker verteidigen, sie haben es nicht gewusst - es ging um eingeklappte Rückspiegel, es fehlte die umfassende Information. Diese wurde vorenthalten, weil man wohlwollende Emotionen brauchte, positive Stimmungen für andere Neubauten erinnerungsträchtigere Prachtbauten - wer erinnert sich schon an einen Spitzenpolitiker der eine Feuerwehr neu baut.

Es ging besonders bei dem Bau des Bürgerhauses sicherlich nur um ein persönlich gesetztes Denkmal, der Frau Oberbürgermeisterin, dem die FDP im Übrigen nie zugestimmt hat. Wenn sich die Politiker anderer Fraktionen auch die Mühe einer Besichtigung machen würden, wüssten sie und davon bin überzeugt, schlagartig wo die Prioritäten in dieser Stadt liegen, vor allem anderen sollten die Arbeitsbedingungen derer verbessert werden, die sich um Lebensrettung und den Brandschutz unserer Lebensbedingungen kümmern.
Prachtbauten oder ähnliche Spaßbauten sollten nur nach dem Bau einer neuen Feuerwache wieder auf die Tagesordnung kommen.
Martin Höfer, Stadtrat der FDP

PS: Besuche bei den freiwilligen Wehren sind geplant.
Autor: red

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