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MENSCHEN – KONFLIKTE – PARAGRAFEN

Die Folgen einer Ohrfeige

Freitag, 01. April 2016, 10:03 Uhr
Er wirkt schüchtern. Als könne er kein Wässerchen trüben. Ein mittelgroßer, schlanker, eher zierlich wirkender Mann sitzt auf der Anklagebank. Man könnte meinen, einen 10-Klassen-Schüler vor sich zu haben. Aber er ist schon Vater eines Kindes. Tadelloser kurzer Haarschnitt. Mit Scheitel. Der erste Eindruck: sympathisch. Blütenweiß ist seine Weste allerdings nicht...


Am 2. Juni 2015 soll er in der Gartenstraße in Bleicherode seiner Lebensgefährtin zweimal mit der flachen Hand in die linke Gesichtshälfte geschlagen haben. Die Frau klagte daraufhin über Kopfschmerzen und Übelkeit. Bei der Polizei zeigte sie ihn wegen Körperverletzung an.

300 Euro Strafe befand das Gericht. Dagegen legte er, rechtzeitig, Einspruch ein. Der Fall wurde erneut verhandelt. Vordem hatte der junge Mann einen Brief an das Gericht geschrieben und sich gewundert, da doch dieses Verfahren nach seiner Meinung bereits eingestellt worden sei. Das war es aber nicht.

Voreintragungen im Strafregister: Sachbeschädigungen, Diebstahl, Beleidigungen - der junge Mann ist kein unbeschriebenes Blatt. Er hatte nur das anstehende mit einem anderen Verfahren verwechselt, das allerdings nicht mehr zur Anklage stand.

Zwar habe es in der Beziehung mit seiner Partnerin, äußerte sich der Beschuldigte, auch mal Auseinandersetzungen gegeben, wie das eben so sei. Er aber sei ein friedfertiger Mensch und würde niemals eine Frau schlagen, beteuerte er. Die Klägerin konnte nicht vernommen werden. Sie erwartete im Südharz-Klinikum ein Kind. Wegen der Vaterschaft bleiben bei ihm Zweifel.

Aussage gegen Aussage. Das Verfahren fortführen oder einstellen? Die Entscheidung lag beim Angeklagten. Würde ihre Partnerin hier zu ihrem Gunsten aussagen, wären sie aus dem Schneider, machte der Richter deutlich. Es könnte aber anders kommen, letztlich für ihn nur noch unangenehmer werden.

Der Bleicheröder wollte kein weiteres Risiko eingehen und war mit dem Strafmaß von 400 Euro einverstanden. Im weiteren Leben, ermahnte ihn der Richter, solle er stets die Hände auf dem Rücken halten. Auch in schwierigen Situationen stets besonnen bleiben.
Friedbert Specht
Autor: red

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