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SPAZIERGÄNGERN VERSCHLÄGT ES DIE SPRACHE

Naherholungsgebiet? - Eher Katastrophe!

Dienstag, 29. März 2016, 15:14 Uhr
Spaziergänger, die an den Ostertagen Am Gesundbrunnen oder Am Kuhberg dem Kiefernwald entlang flanierten, trauten ihren Augen nicht. Sie erblickten eine Wüstenei. Mitten in einem Naherholungsgebiet...

Katastrophe im Naherholungsgebiet (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Hier wütete, sprichwörtlich, die Axt im Walde. In einer Art und Weise, die alles Bisherige bei Holzeinschlägen im Stadtwald weit in den Schatten stellt. Wo Bäume fallen, gibt es Abfall. Hier aber dürfte er überproportioniert sein.

Jeder Revierförster eines forstwirtschaftlich genutzten Waldes hätte ein ungutes Gefühl, nach einem Holzeinschlag seinen Wald der Öffentlichkeit in einem derartigen Zustand zu präsentieren. Es sei denn, die Waldarbeiter waren dort tätig, wo kaum ein Mensch hinkommt. Hier, vor den Toren der Stadt, passieren den Bereich Hunderte Erholungsuchende. Woche für Woche.

Teilweise mutet es wie ein Kahlschlag an, der sich da dem Betrachter bietet. Am Gesundbrunnen angefangen zieht sich der erschreckende Anblick über den gesamten Am Kuhberg hin. Baumstümpfe, kreuz und quer liegendes Astwerk. In Dimensionen, die jedem Wandersmann und Naturfreund das Herz bluten lässt.

Ob derart in den Baumbestand eingegriffen werden musste, vermag sich dem Betrachter nicht zu erschließen. Wenigsten blieben abgestorbene Bäume mit ihren Nistlöchern als Brutstätte für Kleinvögel verschont. Das darf als Plus bewertet werden. In diesem Naherholungsgebiet, zur Zeit gleicht es eher einem Katastrophengebiet, halbwegs Ordnung zu schaffen, bedürfte es eines konzentrierten Einsatzes.

Wie vor zwei Jahren die „Aktion sauberes Gehege“. Diese Zeitung hatte sie seinerzeit angeregt und gemeinsam mit Oberbürgermeister Klaus Zeh und seiner Stadtverwaltung zu einem sichtbaren Erfolg geführt. Beispielgebend engagierte sich damals das Stadtoberhaupt für Ordnung im Gehege und schleppte die dicksten Äste auf Haufen.

Ein derartiger Einsatz wie damals von der nnz ins Leben gerufen sei nicht zu erwarten, sagt Axel Axt, der Stadtförster. Doch seien Mitarbeiter der Fachfirma aus Buchholz, die den Zuschlag erhielt, damit beschäftigt, Wanderwege frei zu räumen, unterstützt von einigen Helfern.
War überhaupt ein derartiger massiver Eingriff in den Waldbestand notwendig? Ja, sagt der Stadtförster. Und nennt Gründe: 250 Festmeter Bruchholz waren aufzuarbeiten. Über 30 Jahre lang habe es in diesem Bereich keine nennenswerten Pflegearbeiten gegeben, was man ihm auch angesehen habe. Außerdem war der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen und zu verhindern, dass alte Kiefern beim nächsten Sturm auf die Bungalow der angrenzenden Kleingartenanlage oder auf die vorbeiführende Stromleitung stürzen.

Spaziergänger, Wanderer und Naturliebhaber müssen sich wohl oder übel auf lange Sicht an das Durcheinander gewöhnen. Wohl ist dem Stadtförster dabei auch nicht. Er hofft auf baldiges Grün im Wald und einen raschen Zersetzungsprozess.

Zudem bleibt noch ein kleiner Trost: Sollte der eine oder andere Spaziergänger über einen Ast stolpern, fällt er nur auf den daneben liegenden Reisighaufen. Der federt den Sturz ab.
Kurt Frank
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