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Umgehungsstraßen & Co

Der Preis des ruhigeren Schlafes

Donnerstag, 17. März 2016, 06:52 Uhr
Immer wieder wird seitens der Politik auf das Nachhaltigkeitsgebot wirtschaftlicher Entwicklungen hingewiesen. Doch statt die Globalisierungslawine bei den Gütertransporten durch die Schiene aufzufangen, geschieht das Gegenteil. Dazu Anmerkungen von Bodo Schwarzberg...

B 243 n bei Großwechsungen (Foto: Bodo Schwarzberg) B 243 n bei Großwechsungen (Foto: Bodo Schwarzberg)
Die B 243n am 24. Januar 2012 bei Großwechsungen

Immer mehr Fern-LKW-Transporte, statt Lagerhaltung und Dezentralisierung. Die Folge: Noch mehr Straßen, noch mehr Versiegelung, noch mehr Autos, noch mehr NOx- und CO2-Emmissionen, noch mehr Ressourcenverbrauch auf allen Ebenen des Straßenverkehrs. Und dies geschieht ja nicht nur im Landkreis Nordhausen, sondern deutschland- und weltweit.

Erst bei Betrachtung letzterer Entwicklung werden die wahren Dimensionen deutlich und hinsichtlich der ökologischen, also wissenschaftlich fundierten Parameter, geradezu beängstigend. Schließlich gehen ja allein in Deutschland an jedem einzelnen Tag 25 ha Boden an Stein und Asphalt verloren. Die Folgen zeigen sich z.B. für die Größe landwirtschaftliche Nutzflächen.

Denken wir nur daran, wie viel Ackerboden höchster Bodenwertzahlen allein dem Industriegebiet ohne Investoren geopfert wird. Auch das führt, neben dem politisch verordnete Energiepflanzenanbau, zu dem Zwang, noch intensivere Landwirtschaft zu betreiben, aus den verbliebenen Äckern mit noch mehr Chemie noch mehr Früchte zu pressen, wiederum mit Folgen für Nahrungsketten, Gewässereutrophierung, Artenvielfalt. Glyphosat im Bier und in unserem Blut lassen grüßen.

Immer mehr Grünland muss zudem zugunsten der von Straßen verdrängten Äcker umgebrochen werden, obwohl gerade alte Wiesen und Weiden im Gegensatz zu Feldern einen effektiven Kohlenstoffspeicher darstellen. Die Landwirtschaft wird durch diesen Umbruch zu einem noch größeren Klimagasemittenten, als ohnehin schon infolge der überdüngungsbedingt steigenden Lachgasfreisetzungen. Im Grünlandreport des BfN findet man zur Thematik interessante Angaben.

Immer mehr Versiegelung führt aber auch zu zunehmenden Problemen bei den Abfluss- und Versickerungsmöglichkeiten des Niederschlagswassers, vor allem angesichts der wiederum wirtschafts-/klimawandelbedingt häufigeren Starkniederschläge. Die häufigen Jahrhundertwässer in diesem jungen Jahrhundert, jedes einzelne mit astronomischen Folgekosten sprechen für sich. Mehr Beton in Stadt und Land begünstigt sie.

Man könnte weitere Aspekte des Straßenbaus hinzufügen, zum Beispiel zur Abnahme der Biodiversität infolge Verinselung und der beschriebenen Folgeintensivierung in der Landwirtschaft.

Lange Rede, kurzer Sinn: das weitere wirtschaftliche Wachstum erzeugt auf anderer Ebene schleichend zunehmende, aber letztlich existenziell entscheidende Folgeprobleme, die unsere Umwelt und unser Gemeinwesen nachgewiesenermaßen immer mehr belasten. Die Versicherungskonzerne geben immer mehr Geld für die Beseitigung von wirtschaftsbedingten Folgeschäden aus. Und das ist nur ein letztlich nachteiliger ökonomischer Aspekt, wie wirtschaftswissenschaftliche Studien zeigen.

Solche belegbaren Argumente aber werden verdrängt, wenn es um Umgehungsstraßen für Günzerode & Co geht. Zu lokal bestimmt sind die Argumente. Dass die Leute dort ruhig schlafen wollen, ist verständlich. Wirkliche Problemlöser aber sind Umgehungsstraßen in ihrer Masse und im Kontext mit vielen, vielen anderen ressourcenverbrauchenden Einflüssen nicht. Das sollten wir uns alle stets vor Augen halten.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: red

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