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Fachtag an der Hochschule

Inklusion beginnt in den Köpfen

Mittwoch, 16. März 2016, 13:59 Uhr
An der Nordhäuser Hochschule dreht sich heute alles um das Thema "Inklusion". Unter anderem ging man der Frage nach was grundsätzlich unter dem Begriff zu verstehen ist, wie der Stand der Dinge in Nordhausen aussieht und woran noch gearbeitet werden muss...

Bis zum Abend werden viele verschiedene Akteuere aus Nordhausen an der Hochschule die Köpfe zusammenstecken und über Inklusion reden. Allgemeinhin verbindet man mit dem Begriff die Beschulung von Kindern mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen im "normalen" Schulalltag.

Der Fokus allein auf den Bildungsbereich aber greift zu kurz, das wurde zur Eröffnung schon nach wenigen Minuten deutlich. Der Behindertenbeauftrage der Stadt Nordhausen, Dr. Maximilian Schönfelder, gab dem zumeist jungem Publikum ein paar Gedanken mit auf den Weg. Die eigentliche Idee hinter dem Inklusionsbegriff sei die, das jeder Mensch ein aktiver Teil der Gesellschaft sein kann. "Behinderte wollen und brauchen kein Mitleid und keine Almosen. Sie wollen so akzeptiert werden, wie sie sind.", sagte Schönfelder.

Fachtag zur Inklusion an der Nordhäuser Hochschule (Foto: Angelo Glashagel) Fachtag zur Inklusion an der Nordhäuser Hochschule (Foto: Angelo Glashagel)

Aufgabe der Gesellschaft sei es, Alltagshürden zu beräumen. Das fängt bei dem Zugang zu Bildung an, hier sei der "Dreh- und Angelpunkt" der Inklusion, erklärte der Behindertenbeauftragte. Aber auch an anderer Stelle könne man ansetzen, etwa bei "leichter Sprache". Gemeint sind Informationshürden, die es abzubauen gelte. Als Beispiel führte Schönfelder Behördenkorrespondenz an, die man neben allen bürokratischen Notwendigkeiten mit einen Anhang versehen könnte, der in einfacherern Worten erklärt, worum es in dem Schreiben geht.

Ein weiterer Punkt sei die materielle Sicherstellung eines selbstbestimmten Lebens. Dies seien zentrale Probleme, hier müsste immer wieder der Finger in die Wunde gelegt werden, erklärte Schönfelder.

Fachtag zur Inklusion an der Nordhäuser Hochschule (Foto: Angelo Glashagel) Fachtag zur Inklusion an der Nordhäuser Hochschule (Foto: Angelo Glashagel) Oberbürgermeister Dr. Zeh hatte ein zentrales Spannungsfeld anderswo ausgemacht - im Bildungsbereich gerate die Idee der Gleichstellung der Menschen in Konflikt mit der Förderung von Bildungsstarken- und Bildungsschwachen. Man könne diesen Konflikt nicht ausklammern.

Den Referenten David Jahr und Robert Kruschel von der Luther-Universität Halle-Wittenberg ging es in der Folge darum, dass theoretische Gebilde der gesellschaftlichen Diskussion mit praktischen Fallbeispielen zu verbinden. Man wolle die Überlegungen dabei nicht auf den Aspekt der Behinderung verengen, sondern die Gesellschaft im allgemeinen in den Blick nehmen. Inwiefern ist Inklusion ein Menschenrecht? Wo kann man Exklusion beobachten, wo werden Menschen ausgegrenzt? Und wo funktioniert Inklusion?

Der Vortrag der jungen Wissenschaftler war aber nur ein Teil des Tages. Bis zum späten Nachmittag will man sich mit dem Stand der Dinge in Nordhausen befassen und in vier thematischen Workshops mit dem Thema auseinandersetzen.

Organisiert wurde der Tag vom Jugendsozialwerk und der Hochschule. Unterstützt wurde man dabei von der Aktion Mensch. Der Fachtag soll dabei nur ein "Vorlaufprojekt" sein, erklärte JuSoWe-Chef Andreas Weigel, am Ende stehe die Überlegung wie man eine ganze Kommune inklusiv verändern könne.
Angelo Glashagel
Autor: red

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