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Kollegialer Frust über Kündigung

Donnerstag, 05. Juli 2001, 13:21 Uhr
Nordhausen (nnz). Es wird wieder einmal spannend im Theater. Nachdem sich die Chefetage des Hauses von dem bei Publikum und Belegschaft durchaus beliebten Generalmusikdirektor erfolgreich getrennt hat, geht jetzt anderen Angestellten „an den Kragen“.

Generalmusikdirektor Peter Stangel hatte bekanntlich seinen Vertrag nicht verlängert. Nun wird wohl auch Matthias Mitteldorf seine letzte Spielzeit in Angriff nehmen. Daß der Vertrag einen Schauspielers nicht verlängert, ist ein normaler Vorgang. Der Grund für eine solche Nichtverlängerung ist - so lange keine goldenen Löffel geklaut werden - ein künstlerischer. Aus künstlerischen Gründen also wird von der Intendantin des Hauses der Vertrag eines Schauspielers nicht verlängert, was wir der Einfachheit halber und zum Verständnis von „Nichtkünstlern“ gekündigt nennen wollen.

Merkwürdig ist da schon, dass die Intendantin den Mann seit drei Jahren kennt. Er hat in vielen Inszenierungen mitgewirkt, sie hat ihn seinerzeit aus dem „Erbe“ ihres Vorgängers übernommen und nie etwas an ihm auszusetzen gehabt, erzählt man im Theater. Und da er - nach Augenschein und Kollegen- sowie Regisseursmeinung - in diesem Jahr keinesfalls schlechter auf der Bühne agierte als zuvor, fragt man sich, was zum Sinneswandel der Frau Dr. Pirklbauer führte?

Blenden wir einige Monate zurück. Da gab es gewaltigen Wirbel durch die Auseinandersetzungen zwischen der Geschäftsleitung des Theaters und dem Generalmusikdirektor, in die der Betriebsrat, der Orchestervorstand, der Aufsichtsrat und sogar die damaligen Fördervereine öffentlich eingriffen. Sie alle stellten sich mehr oder weniger direkt auf die Seite des Peter Stangel (siehe auch nnz-Archiv). In diesem Zusammenhang hat sich auch Matthias Mitteldorf als Betriebs- und Aufsichtsratsmitglied für die Belange des Theaters stark gemacht und damit in verschiedenen Fragen im Dissens befunden.

Ob sein damaliges Agieren nun im Zusammenhang mit seiner Kündigung stehen könnte, das kann hier nicht belegt werden. In Nordhausen vermutet man es, sowohl im Theater selbst, wie auch bei den Gesellschaftern.

Und noch eins: Wenn, nach dem Willen von Thüringens Kunstministerin Dagmar Schipanski, die Sparte Schauspiel in Nordhausen ohne abgewickelt werden soll, welchen Sinn macht es da, sich noch kurz vor „Toresschluß“ von einem Ensemblemitglied zu trennen und die Stelle eventuell neu zu besetzen? Ein Kollege von Matthias Mitteldorf sagte unlängst in einem Gespräch mit der nnz: „So macht man Theater kaputt. Verjagt sie nur, die Leute, die sich wirklich für die Sache einsetzen. Entlaßt die, die eigene Ideen in ihren Köpfen haben, macht die, die etwas bewegen wollen, mundtot. Dann hat Nordhausen bald das Theater, das es verdient. Und der Aufsichtsrat schaut zu.“
Autor: nnz

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