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Zweckbündnis mit Ausstrahlungskraft

Mittwoch, 04. Juli 2001, 10:34 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Bewerbungen für die Wahl der beiden hauptamtlichen Beigeordneten sind eingereicht. Die Favoriten und potentiellen Verlierer stehen jetzt schon fest. Ein Zweckbündnis zwischen PDS und SPD macht es möglich. Eine nnz-Betrachtung.

Es war vor zwei Jahren, da beschlossen die Fraktionsspitzen von PDS und SPD im Kreistag, künftig enger zusamenzuarbeiten. Das Ziel war ausgemacht, der Blick nach vorn - ins Jahr 2000 - gerichtet. Die Besetzung der beiden hauptamtlichen Beigeordnetenstühle hieß die Devise und der sollten sich alle inner- und interfraktionellen Befindlichkeiten unterordnen. Trotz aller Unkenrufe und Störversuche: Das Bündnis hielt, vor allem befördert durch die Vorsitzenden der beiden linken Fraktionen. Da trieb es einigen CDU-Fraktionären schon mal ab und zu die Schweißperlen auf die Stirn. Doch dazu später.

Wir bleiben erst einmal bei den künftigen Beigeordneten. 14 Männer und Frauen werden am 21. August ihr Glück versuchen. Gesetzt sind sozusagen der „Altbewerber“ Matthias Jendricke (SPD) und die „Neue“ Loni Grünwald (PDS). Interessant erscheint jedoch ein etwas tieferer Blick in die Kandidatenliste. Klar ist, dass sich die Ex-Beigeordneten Uebner und Goutier bewerben müssen, da geht es um künftige Ansprüche für das Altenteil. Interessanter ist jedoch die Konkurrenz, die Jendricke aus den Reihen der Sozialdemokraten erhalten wird. Nach nnz-Informationen sollen sich Winfried Theuerkauf und - man lese und staune - Hubert Rein beworben haben. Theuerkauf selbst ist nicht die Überraschung, er galt ja bereits als „Ersatzkandidat“ für Matthias Jendricke und wurde innerhalb seiner Fraktion offiziell ins Gespräch gebracht (siehe auch nnz-Archiv).

Was Hubert Rein nun zu einer Kandidatur treibt, wird wohl bis zu seiner Vorstellung im Kreistag sein Geheimnis bleiben. Viele Stimmen wird der ehemaligen Landratskandidat nicht auf sich vereinen können, selbst nicht aus der SPD-Fraktion. Da wird ihm lediglich die Stimme der Nordhäuser Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) gewiß sein, eventuell könnte sich der partei- und fraktionslose Tilo Große zu einem Votum für Rein hinreißen lassen. Jendricke hingegen bewirbt sich gleichzeitig für beide Beigeordnete und macht damit indirekt der PDS-Kandidatin das „Wahlleben“ schwer.

Diese wohl eher taktische Variante soll jedoch keine Auswirkungen auf das Verhältnis von PDS und SPD haben. Wohl aber haben beide Parteien ihre Bauchschmerzen mit dem Verhalten der CDU. Die hätte bei Leitungsrunden im Landratsamt dann nur noch den Landrat selbst am Tisch. Ob von ihm jedoch auch wirklich alle wichtigen Insider-Informationen an die Fraktionsspitze seiner Partei durchdringen, diese Frage kann sich selbst Egon Primas nicht beantworten. Deshalb soll nach nnz-Informationen ein zusätzlicher Dezernent installiert werden. Der müsste, geht es nach Primas, möglichst aus der Region Bleicherode kommen. Potentieller Kandidat könnte Dr. Uwe Landsiedel sein. Mit ihm gibt es aber ein kleines Problem: Landsiedel ist Landesbediensteter. Vielleicht ließe sich aber auch dieses Problem lösen, erste Gespräche soll es im zuständigen Erfurter Ministerium bereits gegeben haben. Sollte das alles nicht funktionieren, dann würde die Spitze der CDU-Kreistagsfraktion eine Ersatzvariante aus dem Ärmel ziehen: Christine Wagner. Mit der Installierung eines zusätzlichen Dezernenten würden zwar keine gravierenden Veränderungen im Gehaltsgefüge auf die Personalkosten der Landkreisverwaltung zukommen, der Informationsfluß wäre für die CDU jedoch gesichert.

Informationen bedeuten heute mehr als das Verbreiten von Nachrichten, sie bedeuten schlicht und ergreifend: Teilhabe an der Macht. Diese Macht haben aber auch PDS und SPD im Visier. Bundestagswahl 2002 heißt die strategische Zahl. Hier wollen die Linken Boden gut machen, nicht nur im Landkreis Nordhausen, sondern in Nordthüringen. Vor einigen Wochen soll es nach nnz-Recherchen ein quasi „Geheimtreffen“ bei Mühlhausen gegeben haben. Daran nahmen alle Nordthüringer Bundestagsabgeordneten, Landtagsabgeordneten, Bürgermeister, Landräte und Fraktionsvorsitzenden der Region teil, die ein rotes Parteibuch in der Tasche haben. Es ging um Zusammenarbeit in fast allen Fragen, in letzter Instanz um den Gewinn von Wahlkreisen. SPD und PDS haben „ihre“ Zeichen der Zeit erkannt und wollen das überregional ausprobieren, was in den Kommunen zu funktionieren scheint, auch im Landkreis Nordhausen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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