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intern: Das Ergebnis einer Umfrage

Wirklich 47 Prozent?

Montag, 01. Februar 2016, 14:13 Uhr
Umfragen sind ein beliebtes Mittel der politischen Standortbestimmung. Sie geben vor allem politisch Agierenden die Möglichkeit, sich zu orientieren. Oder auch nicht. Doch die jüngste Umfrage in unseren Online-Zeitungen ist ein gewisser kleiner Paukenschlag...


Wir wollen gleich einigen Kritikern den demoskopischen Wind aus den Segeln nehmen. Es ist keine Umfrage mit einem repräsentativen Charakter, obwohl mit 2.458 abgegeben Stimmen ein neuer Höchststand erreicht.

Natürlich müssen auch wieder einige Stimmen abgezogen werden, doch die massiven Manipulationen wie bei ähnlichen Umfragen in den zurückliegenden Jahren, die gab es diesmal nicht. Bei der Abgabe haben wir - entgegen anderen Umfragemöglichkeiten auf anderen Portalen - kleine technische Hürden eingebaut, die jedoch überwindbar sind. Das vornweg.

Was aber bleibt, das ist der Abstand zwischen AfD (fast 48 Prozent) und der zweitstärksten Kraft CDU (fast 11 Prozent). Das ist bedenklich einerseits, weil in diesem Maße nicht erwartet. Aber war und ist es nicht vorhersehbar? Reden viele Menschen nicht in einer nahezu schizophrenen Art und Weise, die Angst macht und Vergleiche zu längst überwundener Zeit zulässt?

Ob mit dem kommunalen Politiker, dem Nachbarn, dem Handwerker - die Meinungen sind geteilt. Da hat der eine Angst, mit seiner ehrlichen Meinung gegen die Parteilinie zu verstoßen, da hat der andere Angst, mit seiner ehrlichen Meinung seinen Job im öffentlichen Dienst zu gefährden, da hat der dritte Angst, künftig keine Aufträge mehr von der öffentlichen Hand zu erhalten.

Nach und nach baut sich so ein Misstrauen auf. Es ist kein Misstrauen gegenüber den Menschen, die tagtäglich über eine nicht vorhandene Grenze kamen und kommen. Es ist das Misstrauen gegenüber den Politikern, die das Volk abspeisen. Mit täglichen Statements, mit Angriffen auf andere Parteien. Und so kann man eigentlich nur noch warten, dass da SPD-Gabriel oder LINKE-Kipping selbst die CSU als rechtspopulistische Partei offiziell einordnen.

Und so sind es die Nachrichten, die da tagtäglich auf uns alle daniederprasseln. Deren Bandbreite so unendlich geworden zu sein scheint, dass eine Einordnung nahezu unmöglich ist. Und es sind die Berichterstattungen, denen schon vor Köln mit einem gewissen Maß an Misstrauen begegnet wurde und das Köln verstärkt hat. Es ist die gefühlte Ohnmächtigkeit vieler Menschen, einem Prozess ausgeliefert zu sein, der ihr Leben nachhaltig verändern wird. Das ist wunderbar so, argumentieren die etablierten Parteien, die sich einst Volksparteien nennen durften. Deutschland ist dieser Aufgabe gewachsen, möge sie auch noch so groß sein.

Nur, ich bin so vermessen zu sagen, eine immer größere Mehrheit dieses noch existierenden Gemeinwesens mit nunmal deutscher Geschichte, will diese Aufgabe erst garnicht im eigenen Land haben. Warum rennen in Sachsen immer noch Tausende der Pegida hinterher? Bei geringer Ausländerquote? Weil sie dümmliche Ossis sind? Oder weil ihnen Migrationsverhältnisse wie im Ruhrgebiet oder in Berliner Stadtbezirken fremd sind und sie die nicht für erstrebenswert halten?

Ich bin froh, dass ich in diesem Land leben und arbeiten kann. Ich bin dankbar dafür, dass es hier noch eine grundgesetzlich verbriefte Meinungsfreiheit gibt, dass hier noch die grundlegende Spielregeln der Demokratie ihre tagtägliche Anwendung finden. Ich habe aber auch Angst davor, dass all dies in nicht allzu ferner Zeit abhanden kommen könnte. Nicht durch Pegida oder AfD. Mit denen muss man es aushalten können, muss man sich auseinandersetzen.

Doch wie agieren die sogenannten Volksparteien? Sie sind entrüstet, sie verurteilen, sie kritisieren, sie fordern die Überwachung durch den Verfassungsschutz. All das konnten Menschen in meinem Alter schon einmal erleben. Nach 1990 handelten Grüne, CDU, FDP und SPD exakt so wie in dieser Zeit. Nur hieß der damalige politische Gegner nicht AfD, sondern PDS, heute LINKE. Und heute stellt diese Partei einen Ministerpräsidenten.

Erleben wir alle in diesem Jahr keine nachweisliche Entspannung in punkto Flüchtlingsstrom, erleben wir in diesem Jahr wieder eine Million und mehr Menschen über die Grenze kommen, dann wird dieses Land implodieren. Laut der Hochrechnung von Landrat Matthias Jendricke sind im Januar rund 80.000 Flüchtlinge über Bayern nach Deutschland gekommen. Bleibt die Frage, wie viele es sein werden, wenn das Wetter freundlicher wird. Bei einer Million wird es nicht bleiben. Und es bleibt bei der Beantwortung der Frage, ob wir das schaffen, nur für die Mehrheit der Leser dieser Zeitungen nur eine Antwort übrig. Wir alle kennen sie. Kennen wir aber auch die Konsequenz daraus?
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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