AUS DEM VEREINSHAUS THOMAS MANN
Wohnstuben unter Brücken
Sonntag, 31. Januar 2016, 10:00 Uhr
Zahlreiche Vereine und Interessengemeinschaften treffen sich regelmäßig im Vereinshaus Thomas Mann. In loser Reihenfolge stellen wir einige von ihnen vor. Heute: den Verein Nordhäuser Ornithologen...
Herbert Buchholz bringt Nisthilfen für Wasseramseln unter Brücken an Bach-und Flussläufen an. (Foto: privat)
Nordhausen. Dieser Tage hielt Herbert Buchholz im Saal der Gaststätte Friedenseiche vor zahlreichen Landsenioren einen Vortrag über den Harz. Lichtbilder auf der Leinwand untermalten seine Ausführungen anschaulich.
Man könnte meinen, der Mann aus Ilfeld kenne sich in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge bestens aus – jede Höhle, jede Burg, jedes Schloss, jeden Berg, jeden Wanderweg.
Ob dem so sei? Vieles, aber nicht alles sei ihm bekannt, sagt der 70-Jährige. Er wolle Anregungen geben, die Schönheiten des Harzes und seiner Sehenswürdigkeiten selbst zu erkunden. Zweimal in der Woche sei er unterwegs, fängt mit der Kamera ein, was er in Vorträgen auf die Leinwand wirft und es seinen Zuhörern nahe bringt. In der warmen Jahreszeit auf Schusters Rappen, im Winter auf Skiern. Sofern Schnee liegt. Buchholz hält sich fit. Das sieht man ihm auch an. Ein Mann mit Waschbrettbauch.
Der Harz mit seinen geologischen und meteorologischen Besonderheiten beeindruckt ihn. Besonders aber die Fauna und Flora. Seine Spezialstrecke aber ist die Ornithologie. Ihr verschreibt er sich mit Leib und Seele. Uhu, Wanderfalke, Waldohreule, Schwarzstorch, Gebirgsstelze, Sperlingskauz – lang war die Liste der Gefiederten, die, auf der Leinwand dargestellt, er aufzählte. Daneben Luchs, Baummarder, Wildkatze.
Zweimal im Monat treffen sich die Ornithologen im Thomas-Mann-Haus. 19 Mitglieder zählt der Verein. Überwiegend ältere Personen. Durchschnittsalter: 67. Buchholz gehört dem Vorstand an und ist seit 2001 dabei. Die Vereinsgründung erfolgte am 12. März 2003. In organisatorischer Weiterführung der schon seit 1960 bestehenden Fachgruppe Ornithologie.
Die Mitglieder im Verein Nordhäuser Ornithologen können auf eine erfolgreiche Arbeit verweisen. (Foto: privat)
Wer oder was weckte die Liebe zur Natur? Die elterliche Landwirtschaft habe das bewirkt, ist Herbert Buchholz überzeugt. Diese Liebe hält unvermindert an. Jetzt, im Rentenalter, erhält sie zusätzlich an Kraft. 70 Jahre und kein bisschen leiser. Warum der Aufwand in Wald, Feld und Flur? Weshalb die vielen Stunden, die man dafür opfert?
Aufenthalt und Beschäftigung in der Natur halten Geist und Körper fit, bekräftigt Ornithologe Buchholz. In unserer aufgeräumten und intensiv betriebenen Landwirtschaft, fügt er gleich an, gehe die Artenvielfalt erschreckend zurück, hat der Ingenieur für Fernwärme beobachtet. Da brauche es Leute, die sich bemühen, sie zu erhalten und zu festigen. Buchholz lobt die Bemühungen von Landwirtschaftsbetrieben, sogenannte Blühstreifen anzulegen. Oder Lerchenfenster. Um Vögeln und Insekten eine Nische und Nahrung zu bieten.
Er selbst wird nicht müde, mit Julius Clauß, Ulrich Hahnstein und Peter Höhns Wohnstuben für Vögel zu zimmern. Für die Wasseramsel zum Beispiel. Exakt 60 Nisthilfen stehen zu Buche. Angebracht unter Brücken über Bachläufe und Flüsse. Einen speziellen Klebstoff habe man entwickelt und getestet, damit die Kästen fest am Gemäuer haften bleiben. Wenn die Wasseramsel – der einzige Singvogel, der tauchen kann - heute an klaren Bächen und Flüssen wieder häufiger gesichtet wird, ist es engagierten Bemühungen zu danken.
Gezimmert werde auch für Meißen und andere Kleinvögel. Aber auch für Schleiereulen, Turmfalken und Dohlen. Lebensraum Kirchturm nennt sich die Aktion. 2006 begannen Ornithologen mit dem Einbau von Brutmöglichkeiten. An oder in 30 Kirchtürmen sind sie heute hierzulande zu finden. Buchholz zählt unter anderem auf: Kehmstedt, Windehausen, Uthleben, Werther, Dom zu Nordhausen, Trebra.
Die Eule mit dem hübschen Schleier um die Augen fällt oft harten und schneereichen Wintern zum Opfer. Wenn sie auch nicht überall die ihr gebotenen Möglichkeiten nutzte, so fanden doch Turmfalken oder Dohlen ein Brut-Domizil. Für die kleinsten Rabenvögel bemüht sich Julius Clauß. An hohen Gebäuden oder Schornsteinen finde man ihre Nistkästen. Unter anderem in Niedersachswerfen und Harzungen. Nach 1960 aus dem Stadtbild völlig verschwunden, zähle der Südharz heute wieder zwischen 25 und 30 Dohlen-Brutpaare.
Auch um den Eisvogel sorgen sich die Ornithologen. Dem fliegenden Diamanten, wie man ihn in Fachkreisen nennt, fehlen Uferböschungen für Brutröhren. Im Raum Niedersachswerfen finden sich Feuchtgebiete mit Gräben und Teichen. Eine künstlich angelegte Brutröhre nahm ein Paar an, zog erfolgreich Junge auf.
Nicht außen vor bleiben die Kraniche. Jahr für Jahr finden sie sich in großer Zahl am Stausee in der Goldenen Aue ein. Neben Beobachtungen und Zählungen gehören Ablenkfütterungen zu ihrem Schutz.
Wer Näheres über das Schaffen der Nordhäuser Ornithologen erfahren möchte, klicke die von Herbert Buchholz hervorragend gestaltete Internetseite an.
Kurt Frank
Autor: red
Herbert Buchholz bringt Nisthilfen für Wasseramseln unter Brücken an Bach-und Flussläufen an. (Foto: privat)
Nordhausen. Dieser Tage hielt Herbert Buchholz im Saal der Gaststätte Friedenseiche vor zahlreichen Landsenioren einen Vortrag über den Harz. Lichtbilder auf der Leinwand untermalten seine Ausführungen anschaulich.
Man könnte meinen, der Mann aus Ilfeld kenne sich in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge bestens aus – jede Höhle, jede Burg, jedes Schloss, jeden Berg, jeden Wanderweg.
Ob dem so sei? Vieles, aber nicht alles sei ihm bekannt, sagt der 70-Jährige. Er wolle Anregungen geben, die Schönheiten des Harzes und seiner Sehenswürdigkeiten selbst zu erkunden. Zweimal in der Woche sei er unterwegs, fängt mit der Kamera ein, was er in Vorträgen auf die Leinwand wirft und es seinen Zuhörern nahe bringt. In der warmen Jahreszeit auf Schusters Rappen, im Winter auf Skiern. Sofern Schnee liegt. Buchholz hält sich fit. Das sieht man ihm auch an. Ein Mann mit Waschbrettbauch.
Der Harz mit seinen geologischen und meteorologischen Besonderheiten beeindruckt ihn. Besonders aber die Fauna und Flora. Seine Spezialstrecke aber ist die Ornithologie. Ihr verschreibt er sich mit Leib und Seele. Uhu, Wanderfalke, Waldohreule, Schwarzstorch, Gebirgsstelze, Sperlingskauz – lang war die Liste der Gefiederten, die, auf der Leinwand dargestellt, er aufzählte. Daneben Luchs, Baummarder, Wildkatze.
Zweimal im Monat treffen sich die Ornithologen im Thomas-Mann-Haus. 19 Mitglieder zählt der Verein. Überwiegend ältere Personen. Durchschnittsalter: 67. Buchholz gehört dem Vorstand an und ist seit 2001 dabei. Die Vereinsgründung erfolgte am 12. März 2003. In organisatorischer Weiterführung der schon seit 1960 bestehenden Fachgruppe Ornithologie.
Die Mitglieder im Verein Nordhäuser Ornithologen können auf eine erfolgreiche Arbeit verweisen. (Foto: privat)
Wer oder was weckte die Liebe zur Natur? Die elterliche Landwirtschaft habe das bewirkt, ist Herbert Buchholz überzeugt. Diese Liebe hält unvermindert an. Jetzt, im Rentenalter, erhält sie zusätzlich an Kraft. 70 Jahre und kein bisschen leiser. Warum der Aufwand in Wald, Feld und Flur? Weshalb die vielen Stunden, die man dafür opfert?
Aufenthalt und Beschäftigung in der Natur halten Geist und Körper fit, bekräftigt Ornithologe Buchholz. In unserer aufgeräumten und intensiv betriebenen Landwirtschaft, fügt er gleich an, gehe die Artenvielfalt erschreckend zurück, hat der Ingenieur für Fernwärme beobachtet. Da brauche es Leute, die sich bemühen, sie zu erhalten und zu festigen. Buchholz lobt die Bemühungen von Landwirtschaftsbetrieben, sogenannte Blühstreifen anzulegen. Oder Lerchenfenster. Um Vögeln und Insekten eine Nische und Nahrung zu bieten.
Er selbst wird nicht müde, mit Julius Clauß, Ulrich Hahnstein und Peter Höhns Wohnstuben für Vögel zu zimmern. Für die Wasseramsel zum Beispiel. Exakt 60 Nisthilfen stehen zu Buche. Angebracht unter Brücken über Bachläufe und Flüsse. Einen speziellen Klebstoff habe man entwickelt und getestet, damit die Kästen fest am Gemäuer haften bleiben. Wenn die Wasseramsel – der einzige Singvogel, der tauchen kann - heute an klaren Bächen und Flüssen wieder häufiger gesichtet wird, ist es engagierten Bemühungen zu danken.
Gezimmert werde auch für Meißen und andere Kleinvögel. Aber auch für Schleiereulen, Turmfalken und Dohlen. Lebensraum Kirchturm nennt sich die Aktion. 2006 begannen Ornithologen mit dem Einbau von Brutmöglichkeiten. An oder in 30 Kirchtürmen sind sie heute hierzulande zu finden. Buchholz zählt unter anderem auf: Kehmstedt, Windehausen, Uthleben, Werther, Dom zu Nordhausen, Trebra.
Die Eule mit dem hübschen Schleier um die Augen fällt oft harten und schneereichen Wintern zum Opfer. Wenn sie auch nicht überall die ihr gebotenen Möglichkeiten nutzte, so fanden doch Turmfalken oder Dohlen ein Brut-Domizil. Für die kleinsten Rabenvögel bemüht sich Julius Clauß. An hohen Gebäuden oder Schornsteinen finde man ihre Nistkästen. Unter anderem in Niedersachswerfen und Harzungen. Nach 1960 aus dem Stadtbild völlig verschwunden, zähle der Südharz heute wieder zwischen 25 und 30 Dohlen-Brutpaare.
Auch um den Eisvogel sorgen sich die Ornithologen. Dem fliegenden Diamanten, wie man ihn in Fachkreisen nennt, fehlen Uferböschungen für Brutröhren. Im Raum Niedersachswerfen finden sich Feuchtgebiete mit Gräben und Teichen. Eine künstlich angelegte Brutröhre nahm ein Paar an, zog erfolgreich Junge auf.
Nicht außen vor bleiben die Kraniche. Jahr für Jahr finden sie sich in großer Zahl am Stausee in der Goldenen Aue ein. Neben Beobachtungen und Zählungen gehören Ablenkfütterungen zu ihrem Schutz.
Wer Näheres über das Schaffen der Nordhäuser Ornithologen erfahren möchte, klicke die von Herbert Buchholz hervorragend gestaltete Internetseite an.
Kurt Frank




