nnz-online
Thüringer Wirtschaft

Grenzen müssen offen bleiben

Donnerstag, 28. Januar 2016, 13:39 Uhr
Die Schengener Abkommen haben den Internationalisierungsprozess der deutschen Wirtschaft befördert: Die ungehinderte Mobilität in Europa ist ein hohes Gut und ein wichtiges Element des EU-Binnenmarktes. Gerade im Mittelstand sind die Schengen-Regeln Basis für den problemlosen grenzüberschreitenden Handel...


Betriebe sind darauf angewiesen, schnell überallhin liefern zu können und ihre Produkte anzubieten. Umgekehrt ist der Schengen-Raum attraktiv für Geschäftspartner aus Drittstaaten, weil sie lediglich ein Visum benötigen und sich dann frei durch den Wirtschaftsraum bewegen können. Eine Schließung der Grenzen wäre daher eine große Belastung nicht nur für die EU, sondern auch für die deutsche Wirtschaft.

„Transporteure, Touristen, Handwerker und Dienstleister – sie alle profitieren von offenen Grenzen, ebenso der lokale Einzelhandel. Zähe Grenzkontrollen bringen den Reise- und Warenverkehr zwar nicht zum Erliegen, führen aber zwangsläufig zu Verzögerungen. Das erhöht die Kosten und macht Reisen und Lieferungen unnötig teuer“, warnt Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt.

Staus und Wartezeiten, zusätzliche Bürokratie, die Umstellung von Just-in-time-Lieferung auf deutlich teurere Lagerhaltung oder Umwege und zusätzlicher Treibstoffverbrauch wären die Folgen. Schärfere Kontrollen beträfen aber nicht nur den Lkw-Transport. Bei der Bahn kämen Fahrpläne aus dem Takt, Schiffe würden aufgehalten und die Flughafenkontrollen dauerten noch länger.

„Die Wirtschaft in allen EU-Staaten und insbesondere in Deutschland hat sich auf den freien Personen- und Warenverkehr eingestellt. Gerade Deutschland ist als Hochlohnland auf arbeitsteiliges Wirtschaften angewiesen, etwa in der Automobilindustrie oder im Maschinenbau“, so der IHK-Chef. Einschränkungen würden nicht nur den Handel mit den Nachbarländern, sondern auch den Transitverkehr – und damit Lieferungen weltweit beeinträchtigen.

Insgesamt setze Deutschland im Außenhandel rund 2,6 Billionen Euro um. Kämen beim grenzüberschreitenden Transport neue Kosten hinzu, belaste dies die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

„Der ‚Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts‘ – so heißen die inzwischen in den Vertrag über die Arbeitsweise der EU übernommenen Schengener Beschlüsse heute. Dieser Raum ist elementarer Bestandteil der Europäisierung und Internationalisierung der deutschen Wirtschaft und daher Grundlage für den Wohlstand in Deutschland“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer. Schon die Schuldenkrise sei eine enorme Herausforderung. Würden nun Binnengrenzen auf längere Zeit stärker kontrolliert, leide am Ende Europa als Ganzes.

Der Vertrag sehe vor, dass auch ohne Kontrollen an den Binnengrenzen, etwa durch die Zusammenarbeit von Polizei und Strafjustiz, ein hohes Maß an Sicherheit in der EU gewährt werden müsse. An diesen gemeinschaftlichen Regeln gelte es festzuhalten. Europa solle in der Flüchtlingsfrage und beim Schutz der Außengrenzen eine gemeinsame Lösung finden – die Kosten einer unkontrollierten Zuwanderung wie auch einer Wiedereinführung von Kontrollen an den Binnengrenzen lägen allemal höher.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de