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AUS DER HEIMATGESCHICHTE

Die „Geburt“ erfolgte vor 148 Jahren

Dienstag, 26. Januar 2016, 10:31 Uhr
Im Beitrag „Geheimnissen auf der Spur“ stellte nnz den Geschichts-und Altertumsverein vor. Bei Vereinsmitgliedern fand er lobende Anerkennung. Sein Werdegang ist aber weitaus umfangreicher. Interessierte Leser, ließ man uns wissen, würden gern noch mehr darüber erfahren. Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Grönke kam dem Anliegen gern nach...


Nordhausen. Die 3. Jahreshauptversammlung des 1868 gegründeten Harzer Geschichts- und Altertumsverein in Nordhausen war eine besondere Danksagung des Vereins an die bis dahin in Nordhausen geleistete Mitgliederwerbung für den Harzverein.

In Vorbereitung diese Hauptversammlung kam vom Gymnasialdirektor Dr. Schmidt der Vorschlag, dass sich die hiesigen Mitglieder des Harzvereins als eigenständiger Ortsverein zusammenschließen und dieser Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein Verein sein Augenmerk besonders auf die Erforschung der Geschichte der Stadt und der Erhaltung seiner Altertümer richten sollte.

Dieser Vorschlag wurde begeistert aufgenommen. Die Herren Gymnasialdirektor Dr. Schmidt, Prof. Dr. Krenzlin und der Fabrikant Zacharias erhielten den Auftrag, einen Entwurf der Statuten vorzubereiten. Am 25. April 1870 fand die Gründungsversammlung statt auf der auch die Statuten angenommen wurden. Bei der anschließenden Wahl wurden Dr. Schmidt zum Vorsitzenden, Prof. Dr. Krenzlin als sein Stellvertreter, Dr. Perschmann als Schriftführer und Herr Zacharias zum Schatzmeister gewählt.

Die erste große Bewährungsprobe für den neuen Zweigverein war die Ausrichtung der 3. Jahreshauptversammlung des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde am 7. und 8. Juni 1870 in Nordhausen. Dr. Perschmann referierte über die Gemeindestatuten von Appenrode, Niedersachswerfen und Neustadt. Dr. Schmidt sprach in seinem Referat über die Geschichte des katholischen Kreuzstiftes in Nordhausen.

Nachdem Dr. Schmidt Nordhausen verlassen hatte übernahm Prof. Dr. Krenzlin die Leitung des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins. Im folgten als Vorsitzende bis 1945: Staatsanwalt Wille, Brennereibesitzer und Archivar Oßwald, Prof. Haese, Archivar Heineck, Seminardirektor Dr. Levin, Museumsdirektor Dr. A. Stolberg. Dr. Rathje bis 1945.

Am 15.11.1911 beschloss der Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein sich vom Harzverein zu trennen, blieb aber Mitglied. Stets hat sich der Verein um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Stadt bemüht sowie das Bild der Heimat in seiner natürlichen Eigenart geschützt. Dazu dienten in erster Linie die Vorträge in den monatlich stattfindenden Veranstaltungen sowie die Exkursionen und Wanderungen in die nähere und fernere Heimat.

Die Vielzahl der Vorträge umfasste die
  • Allgemeine Geschichte
  • Burgen und Pfalzen der Harzregion
  • Geschichte von Nordhausen
  • Kirchengeschichte
  • Kultur in Nordhausen und Umgebung
  • Lebensläuse einzelner Persönlichkeiten
  • Rechtsgeschichte
  • Kunst und Wissenschaft
Bedauerlich ist leider die Tatsache, dass die Mehrzahl dieser Vorträge nicht schriftlich überliefert sind. Nur einige von Karl Meyer, Prof. Dr. Perschmann, Hermann Heineck, Dr. Silberborth, Fischer und Heinrich Heine wurden in der Zeitschrift des Harzvereins gedruckt bzw. im Selbstverlag herausgegeben.

Hilfreiche materielle und finanzielle Unterstützung gewährte der Verein Herrn Prof. Dr. Virchow bei seinen Ausgrabungen 1872 in der Einhornhöhle und am Roßberg bei Berga, wo alte Siedlungsspuren ausgegraben wurden. Viele Funde vom Roßberg gingen später in den Besitz des Nordhäuser Museums über. Gedenktafeln in Ilfeld an J. W. Goethe, in Nordhausen an Friedrich Christian Lesser, Prof. Dr. E. G. Förstemann sowie Karl Duval bzw. die Tafel am „Walkenrieder Hof“, um nur einige zu nennen, wurden vom Verein gestiftet und angebracht.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten brachte zunächst keine gravierende Einschnitte in das Vereinsleben. Im Laufe der Jahre machte sich dann doch die Praxis der Volksbeeinflussung durch die NS-Propaganda bemerkbar, wobei anhand der bekannten Vortragsthemen kaum Aussagen über den Inhalt getroffen werden können. Da in den Jahren 1943/44 der Mangel an Heizmaterial immer spürbarer und es immer schwerer wurde, Räumlichkeiten zu finden, die entsprechend beheizt werden konnten bzw. durften, gingen die Vortragveranstaltungen immer mehr zurück. Die Vereinsarbeit kam aufgrund der Kriegsereignisse zum Erliegen. Eine offizielle Auflösung des Vereins hat es nach den Unterlagen nicht gegeben.

Nach der Zerschlagung des Faschismus organisierten sich ehemalige Mitglieder wie Dr. Hans Silberborth. Am 17.11.1945 gründete man in Nordhausen den Ortsverein des „Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands.“ Ein Aufruf an „jeden Deutschen, der Nicht-Mitglied der NSDAP gewesen ist und bei der Erweckung humanistischen Geistes und der Sicherung der Menschenrechte helfen will, dem Kulturbund beizutreten“, wird von nachfolgenden Nordhäuser Persönlichkeiten unterzeichnet.

Oberbürgermeister und Landrat Dr. Karl Schultes, Studienrat Dr. Hans Silberborth, Studienrat Dr. Fritz Rabenald, Regierungsrat Dr. Carlfried Wiese, Oberstudienrat Dr. Edgar Wahl, die Schriftsteller Horst Rabetge und Rudolf Hagelstange, Pfarrer Günther Reißland und Dechant Dr. Josef-Maria Werner. Ihnen und weiteren Bürgern gelang es im Laufe der Jahre Mitstreiter für die Erforschung der Nordhäuser Geschichte zu gewinnen. Im April 1952 wurde dann innerhalb des Kulturbundes die Fachgruppe „Heimatgeschichte“ gegründet, in der bis 1991 bedeutende Wissenschaftler und Heimatforscher zu den unterschiedlichsten Themen sprachen.

In der BRD fanden sich ehemalige Nordhäuser Bürger im Südharzer Heimatbund „Nordhäuser Heimatfreunde“ zusammen, die das Geschichtsverständnis nachhaltig zu beleben suchten. Kurz bevor sich ihre Vereinigung im Jahre 1991 auflöste, übergaben sie ihre zahlreichen Dokumente, Bücher, Akten und Sachzeugen dem Stadtarchiv bzw. dem Meyenburg-Museum in Nordhausen.

Durch die Wiedervereinigung bestand jetzt auch die Möglichkeit den Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein wieder zu reaktivieren. So kam es am 14. 5. 1991 zur Wiedergründung des Traditionsvereins. Neben der Forschung hat sich der Verein die Aufgabe gestellt, durch Publikationen, Vorträge und Exkursionen das Interesse der Bevölkerung an der Heimatgeschichte weiter zu aktivieren. So konnte erreicht werden, dass die Periodika „Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen“ seit 2001 „Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen“ ohne Unterbrechung auch nach der Wende bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheinen.

Zur Erinnerung an bedeutende Nordhäuser Persönlichkeiten hat der Verein für Prof. Dr. Ernst Günther Förstemann, Dr. Hans Silberborth und Gustav Ricken Gedenktafeln an deren Wohn- bzw. Wirkungsstätte angebracht und auf Veranlassung des Vereins wurden die gusseisernen Gedenktafeln für den Walkenrieder Hof, Schröter und Kramer restauriert. An jeden zweiten Dienstag im Monat finden die Vereinsabende statt, in denen Historiker bzw. Heimatforscher Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen halten.
Autor: red

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