Dem Niedergang folgte der Neubeginn
Samstag, 30. Juni 2001, 09:16 Uhr
Nordhausen (nnz). Die zurückliegende Saison wird in die fast 96-jährige Fußball-Geschichte des FSV Wacker 90 Nordhausen als die schicksalsschwerste des Traditionsvereins eingehen. Wacker durchlebte im vergangenen Spieljahr sowohl sportlich als auch wirtschaftlich die schlimmste Krise seit der Vereinsgründung im Jahre 1905. nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg mit dem Versuch einer Bilanz.
Es grenzt fast schon an ein Wunder, daß es einigen engagierten Männern, die sich in der schier ausweglosen Situation vor den Karren gespannt haben, unter größten Kraftanstrengungen noch gelungen ist, den arg gebeutelten Verein vor dem Aus zu retten und ihm wieder eine Perspektive zu geben.
Zum Trainingsauftakt Mitte Juli 2000 leistete der damalige Präsident Bernd Seidenstücker den Offenbarungseid und meldete beim Amtsgericht Mühlhausen das Insolvenzverfahren an. Zu hoch waren die Schulden, die sich im Laufe der letzten Jahre angehäuft hatten. Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen blieb ihm gar nichts anderes übrig wegen Zahlungsunfähigkeit des Vereins das Gericht einzuschalten. Das Präsidium trat geschlossen zurück. Zwei Drittel der Stammspieler der Oberliga-Elf, die komplette 2. Mannschaft, die den Aufstieg in die Landesklasse geschafft hatte, und die A-Junioren verließen daraufhin wegen Perspektivlosigkeit den Verein.
Ein kleines Häuflein Aufrechter, das Traineramt verwaist und ohne Präsidium, so stellte sich die Situation dar, unter denen der klägliche Rest der einst so erfolgreichen und gefeierten Mannschaft, nun aufgefüllt mit Kreis- und Bezirksligaspielern, in die Saison 2000/2001 startete. Gerhard Noss, ein in Niedersachsen tätiger Juniorentrainer, nahm sich der Mannschaft an und leitete das Training. Unter seiner Regie erreichte die Elf in den ersten fünf Spielen beachtliche acht Punkte. Als Noss ging, übertrug man dem relativ unerfahrenen Dirk Fuhrmann (betreute bis dahin Kreisligamannschaft) das Traineramt.
Im September wurden Wolfgang Lutze zum neuen Präsidenten sowie Joachim Claus und Klaus Becker als Präsidiumsmitglieder gewählt. Der Vorstand setzte sofort Prioritäten, das oberstes Ziel hieß Rettung des Vereins. Anfang Dezember war Dank des Insolvenzverwalters Olaf Kupke und einsichtiger Gläubiger das fast Unmögliche vollbracht, Wacker war schuldenfrei, das Insolvenzverfahren vom Tisch.
Sportlich lief allerdings nichts mehr zusammen. Die Fuhrmann-Elf eilte von Niederlage zu Niederlage. Im November mußte der Verein weitere Leistungsträger ziehen lassen, da die finanziellen Forderungen der Spieler das vorhandene Budget weit überstiegen. Von den ehemaligen Stammspielern blieben nur noch Kapitän Jens Ludwig, Sven Pistorius und Frank Schneider übrig. Abgänge in dieser Größenordnung kann keine Mannschaft verkraften. Die sportliche Talfahrt ließ sich nicht mehr stoppen. Die neuformierte Elf war den Oberliga-Anforderungen nicht gewachsen. Wacker wurde zur Schießbude der Staffel Süd. Immer weniger Zuschauer kamen zu den Partien und erreichten zuletzt schon Landesliganiveau.
Die wenigen, die kamen, unterstützten die Kicker nach Kräften. Die treuen Fans honorierten trotz teilweise deftiger Niederlagen im Albert-Kuntz-Sportpark die Moral und den ungebrochenen Kampfgeist der Mannschaft mit viel Beifall. In der Winterpause holte man fünf Ausländer, in der Hoffnung, der akute Abstiegsgefahr doch noch zu entrinnen. Aber nur Brkic und Traore erwiesen sich als echte Verstärkungen. Aber letztlich wurde jeder Kicker gebraucht, denn zu dünn war die Spielerdecke. Zu Dynamo Dresden reiste die Mannschaft verletzungs- und arbeitsbedingt mit elf Spielern, von denen sich einer beim Warmlaufen noch verletzte, so daß Trainer Fuhrmann mitspielen mußte.
Mitte der zweiten Halbserie übernahmen Ingo Görke und Jürgen Jödicke die Verantwortung für das Oberligateam, Jörg Weißhaupt stellte sich auch wieder in den Dienst des Vereins. Aber am Ende erreichte Wacker mit 13 Punkten (3 Siege, 4 Unentschieden und 25 Niederlagen) weit abgeschlagen nur den letzten Tabellenplatz. Trotzdem muß man sowohl den Trainern als auch den Spielern den allergrößten Respekt für das sportliche Engagement zollen, denn es war für die Akteure schon deprimierend, Woche für Woche durchschnittlich 3 Gegentore pro Spiel zu kassieren. Zum Saisonende meldeten sich mit Traore, Brkic und Malura drei der auffälligsten Wacker-Kicker ab. Auch Schneider (nach Sangerhausen) und Rüdiger (nach Wolfen) tragen sich mit Abwanderungsgedanken.
Der Verlust wird kaum zu ersetzen sein, denn für Leistungsträger fehlt dem Verein das nötige Geld. Sponsoren sind rar geworden beim Traditionsverein Wacker. Man setzt daher auf Masse. Etwa 20 Namen von Neuverpflichtungen will der Präsident am Montag bekanntgeben. In der kommenden Saison werden wieder zwei Männermannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Die einstige Oberliga-Elf wird es in der Landesliga nicht leicht haben zu bestehen, denn auch dort hängen die Trauben hoch. An einen sofortigen Wiederaufstieg ist jedenfalls keinesfalls nicht zu denken. Platz zehn wäre schon ein Erfolg. Die 2. Mannschaft wird in der Kreisliga dem runden Leder nachjagen, da man auf den Aufstieg in die Landesklasse verzichtet hatte und in der Bezirksliga nicht angetreten ist, wurde die Elf in die Kreisliga zurückgestuft.
Präsident Lutze appellierte auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche an alle, denen der Verein am Herzen liegt, sich einzubringen, von den Mitglieder mahnte er mehr Engagement an. Unterstützung hat Wacker auch bitter nötig, wen die sportliche Talfahrt nicht weiter gehen soll.
Autor: nnzEs grenzt fast schon an ein Wunder, daß es einigen engagierten Männern, die sich in der schier ausweglosen Situation vor den Karren gespannt haben, unter größten Kraftanstrengungen noch gelungen ist, den arg gebeutelten Verein vor dem Aus zu retten und ihm wieder eine Perspektive zu geben.
Zum Trainingsauftakt Mitte Juli 2000 leistete der damalige Präsident Bernd Seidenstücker den Offenbarungseid und meldete beim Amtsgericht Mühlhausen das Insolvenzverfahren an. Zu hoch waren die Schulden, die sich im Laufe der letzten Jahre angehäuft hatten. Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen blieb ihm gar nichts anderes übrig wegen Zahlungsunfähigkeit des Vereins das Gericht einzuschalten. Das Präsidium trat geschlossen zurück. Zwei Drittel der Stammspieler der Oberliga-Elf, die komplette 2. Mannschaft, die den Aufstieg in die Landesklasse geschafft hatte, und die A-Junioren verließen daraufhin wegen Perspektivlosigkeit den Verein.
Ein kleines Häuflein Aufrechter, das Traineramt verwaist und ohne Präsidium, so stellte sich die Situation dar, unter denen der klägliche Rest der einst so erfolgreichen und gefeierten Mannschaft, nun aufgefüllt mit Kreis- und Bezirksligaspielern, in die Saison 2000/2001 startete. Gerhard Noss, ein in Niedersachsen tätiger Juniorentrainer, nahm sich der Mannschaft an und leitete das Training. Unter seiner Regie erreichte die Elf in den ersten fünf Spielen beachtliche acht Punkte. Als Noss ging, übertrug man dem relativ unerfahrenen Dirk Fuhrmann (betreute bis dahin Kreisligamannschaft) das Traineramt.
Im September wurden Wolfgang Lutze zum neuen Präsidenten sowie Joachim Claus und Klaus Becker als Präsidiumsmitglieder gewählt. Der Vorstand setzte sofort Prioritäten, das oberstes Ziel hieß Rettung des Vereins. Anfang Dezember war Dank des Insolvenzverwalters Olaf Kupke und einsichtiger Gläubiger das fast Unmögliche vollbracht, Wacker war schuldenfrei, das Insolvenzverfahren vom Tisch.
Sportlich lief allerdings nichts mehr zusammen. Die Fuhrmann-Elf eilte von Niederlage zu Niederlage. Im November mußte der Verein weitere Leistungsträger ziehen lassen, da die finanziellen Forderungen der Spieler das vorhandene Budget weit überstiegen. Von den ehemaligen Stammspielern blieben nur noch Kapitän Jens Ludwig, Sven Pistorius und Frank Schneider übrig. Abgänge in dieser Größenordnung kann keine Mannschaft verkraften. Die sportliche Talfahrt ließ sich nicht mehr stoppen. Die neuformierte Elf war den Oberliga-Anforderungen nicht gewachsen. Wacker wurde zur Schießbude der Staffel Süd. Immer weniger Zuschauer kamen zu den Partien und erreichten zuletzt schon Landesliganiveau.
Die wenigen, die kamen, unterstützten die Kicker nach Kräften. Die treuen Fans honorierten trotz teilweise deftiger Niederlagen im Albert-Kuntz-Sportpark die Moral und den ungebrochenen Kampfgeist der Mannschaft mit viel Beifall. In der Winterpause holte man fünf Ausländer, in der Hoffnung, der akute Abstiegsgefahr doch noch zu entrinnen. Aber nur Brkic und Traore erwiesen sich als echte Verstärkungen. Aber letztlich wurde jeder Kicker gebraucht, denn zu dünn war die Spielerdecke. Zu Dynamo Dresden reiste die Mannschaft verletzungs- und arbeitsbedingt mit elf Spielern, von denen sich einer beim Warmlaufen noch verletzte, so daß Trainer Fuhrmann mitspielen mußte.
Mitte der zweiten Halbserie übernahmen Ingo Görke und Jürgen Jödicke die Verantwortung für das Oberligateam, Jörg Weißhaupt stellte sich auch wieder in den Dienst des Vereins. Aber am Ende erreichte Wacker mit 13 Punkten (3 Siege, 4 Unentschieden und 25 Niederlagen) weit abgeschlagen nur den letzten Tabellenplatz. Trotzdem muß man sowohl den Trainern als auch den Spielern den allergrößten Respekt für das sportliche Engagement zollen, denn es war für die Akteure schon deprimierend, Woche für Woche durchschnittlich 3 Gegentore pro Spiel zu kassieren. Zum Saisonende meldeten sich mit Traore, Brkic und Malura drei der auffälligsten Wacker-Kicker ab. Auch Schneider (nach Sangerhausen) und Rüdiger (nach Wolfen) tragen sich mit Abwanderungsgedanken.
Der Verlust wird kaum zu ersetzen sein, denn für Leistungsträger fehlt dem Verein das nötige Geld. Sponsoren sind rar geworden beim Traditionsverein Wacker. Man setzt daher auf Masse. Etwa 20 Namen von Neuverpflichtungen will der Präsident am Montag bekanntgeben. In der kommenden Saison werden wieder zwei Männermannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Die einstige Oberliga-Elf wird es in der Landesliga nicht leicht haben zu bestehen, denn auch dort hängen die Trauben hoch. An einen sofortigen Wiederaufstieg ist jedenfalls keinesfalls nicht zu denken. Platz zehn wäre schon ein Erfolg. Die 2. Mannschaft wird in der Kreisliga dem runden Leder nachjagen, da man auf den Aufstieg in die Landesklasse verzichtet hatte und in der Bezirksliga nicht angetreten ist, wurde die Elf in die Kreisliga zurückgestuft.
Präsident Lutze appellierte auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche an alle, denen der Verein am Herzen liegt, sich einzubringen, von den Mitglieder mahnte er mehr Engagement an. Unterstützung hat Wacker auch bitter nötig, wen die sportliche Talfahrt nicht weiter gehen soll.
