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Ein Hoch auf die Post

Mittwoch, 13. Januar 2016, 13:10 Uhr
Irmgard Lydia E. gab heute Morgen einen Doppelbrief in einer privat geführten Postfiliale im Mansfelder Land auf. In dem Umschlag steckte ein Buch im Wert von 5 Euro, das als kleines Geburtstagsgeschenk für jemanden gedacht war. So weit, so gut. Doch was dann kam, war gar nicht mehr gut.

In der Postfiliale wurde Frau E. von einem jungen Mann bedient. Spätestens als sie 6,99 Euro Porto für den Brief bezahlen sollte, war Frau E. richtig „bedient“. Sie fragte: „Ist das nicht zu viel? Das ist doch nur ein Doppelbrief.“ Nein, das sei korrekt, antwortete für den jungen Mann eine junge Frau, vermutlich die Inhaberin.

Frau E., als frühere Postangestellte mit einem kritischen Blick für postalische Besonderheiten gesegnet, erklärte, die junge Frau solle den Brief doch mal durch den Schlitz einer Schablone stecken, die auch sie als Postfilialleiterin doch haben müsse. Wenn der Brief durch den Schlitz für Doppelbriefe passe, dürfe er auch nur Porto für einen Doppelbrief kosten und nicht für ein Paket oder was immer 6,99 Euro kostet.

Die junge Frau im Laden erklärte, das könne ja sein, aber jetzt seien die 6,99 Euro gebucht. „Aber ich bitte Sie“, meinte daraufhin Frau E., „dann stornieren Sie das doch und geben Sie es neu ein.“ Daraufhin erfuhr Frau E. von der jungen Geschäftsfrau, dass das nicht rückgängig zu machen sei. „Das geht nicht mehr.“ Alles Diskutieren half nichts.

Mit dem Beleg ging Frau E. nun zur richtigen Deutschen Post, die nur etwa 200 Meter weiter entfernt, aber eben leider nicht direkt auf ihrem Weg lag. Jetzt machte Frau E. dieser Weg nichts mehr aus – das Adrenalin in ihr beflügelte sie. In der Post zeigte sie ihren Beleg über die gezahlten 6,99 Euro und fragte, ob nicht auch in privat geführten Postfilialen dieselben Preise gelten wie bei der „richtigen Post“. Natürlich, wurde ihr gesagt, ein solcher Brief kostet 2,60 Euro Porto. Es sei auch dort problemlos möglich, etwas in die Kasse Eingetipptes zu stornieren. Zudem wurde ihr hier bestätigt, dass die Schablone auch dort gelte. Und überdies müsste auch dort die Stornonummer „1000“ bekannt sein. Die ebenso freundliche wie kompetente „Christel von der Post“ wünschte Frau E. viel Glück beim Einfordern ihres Rechts und einen schönen Tag.

Wirklich schön wurde es nicht. Weil es Frau E. furchtbar peinlich war, als Bittsteller zurückzukommen. Doch sie tat es - auch, weil sie die Frau von der „richtigen“ Post dazu ermutigt hatte. Nun, in der Postfiliale nannte sie den Code „1000“, woraufhin die 6,99 Euro für den Doppelbrief storniert wurden und sie den Differenzbetrag in Höhe von 4,39 Euro ausgezahlt bekam.

Frau E. verabschiedete sich, wartete noch einen Augenblick, bevor sie den Laden verließ, und ging dann. Sie hatte an der Ladentür auf etwas gewartet, das aber nicht kam: ein Wörtchen der Entschuldigung.

Beim anschließenden Gespräch mit msh-online beherrschten die leicht empörte Frau E. zwei Dinge:

1. Sie sagte: „Ein Hoch auf die Post. Dort wurde ich freundlich und kompetent bedient.“
2. Und weiter meinte sie: „Jetzt habe ich aber wirklich ein bisschen Angst um meinen Brief in dieser Filiale…“

Wie hoffen mit Frau E., dass das Geburtstagskind ihr Buch wirklich bald korrekt erhält. Ansonsten gibt es zwar vielleicht kein Buch, aber immerhin „Ein Hoch auf die Post“, Teil II“.

Jochen Miche
Autor: jm

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