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Wirtschaftsrat fordert

Verantwortliche nach Kompetenzen auswählen

Mittwoch, 23. Dezember 2015, 17:06 Uhr
Die immer häufiger werdenden und zum Teil astronomischen Überschreitungen der Baukosten und der Bauzeit für Großprojekte der öffentlichen Hand in unserer Republik können vermieden werden. Das sagt der Nordthüringer Wirtschaftsrat...


"Dafür reicht es bereits, die Projektverantwortlichen nach ihren Kompetenzen auszusuchen und zu beauftragen“, fordert Roland Handrek, Sprecher der Sektion Nordthüringen im Wirtschaftsrat Deutschland. Selbst langjährig in der Baubranche leitend tätig, hat sich Handrek mit den Ursachen der anhaltenden Termin- und Kostenüberschreitungen nicht nur insbesondere bei Großprojekten der öffentlichen Auftraggeber auseinandergesetzt, er kritisiert auch die offenkundig fehlenden Projektmanagementfähigkeiten in den Reihen der öffentlichen Auftraggeber.

Dabei müsse nicht einmal bis nach Hamburg und Berlin geschaut werden, da sich mit dem Neubau der Nordhäuser Kulturbibliothek und ganz aktuell mit dem Steigerwald-Stadion Erfurt offenkundige Beispiele in der Region und im Freistaat finden ließen.

Dabei lieferten die europäischen Nachbarn genügend positive Beispiele. Per Volksentscheid genehmigt, liegt der Schweizer Gotthard-Basistunnel bei Zeit und bei Budget im Plan. Kompetenz kann auch eingekauft werden wie beim Bau der Öresund-Querung, die unsere skandinavischen Nachbarn Dänemark und Schweden verbindet. Hier haben drei unabhängige Consultingfirmen den Bau vorbereitet und sogar die Ausschreibung durchgeführt. Die Öresund-Querung wurde früher als geplant fertig und blieb unter dem Kostenlimit. Außerdem gab es während des Baus keinen einzigen Rechtsstreit.

In sechs Punkten zeigt Handrek den nötigen Weg, der übrigens in der Privatwirtschaft gang und gäbe ist. Hierzu müssten öffentliche Auftraggeber wieder Fachkompetenzen aufbauen oder einkaufen. So könne dann eine fundierte Planung und Abstimmung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vor Baubeginn späteren einschneidenden Planungsänderungen und den daraus resultierenden Verzögerungen und Mehrkosten vorbeugen. Verantwortliche Fachleute würden zudem den kontinuierlichen Soll-Ist-Vergleich garantieren.

„Wer ein Projekt von Anfang an ehrlich schätzt, hat wenige Chancen, es auch zu verwirklichen. Oft sind die Politiker nicht mehr im Amt, wenn die Kosten explodieren. Nicht zu vergessen: Politiker haften nicht persönlich, glauben jedoch, mit Bauprojekten umso mehr ihr Selbstbildnis für die Öffentlichkeit kultivieren zu können“, unterstreicht Handrek abschließend die Forderung nach einer Politikerhaftung bei nicht verantwortungsvollem Umgang mit den ihnen seitens der Bürger anvertrauten Mitteln. Diese wird seit Längerem nicht nur seitens der durch den Wirtschaftsrat Deutschland repräsentierten Unternehmensvertreter zunehmend lauter geäußert.
Autor: red

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