ES WIRD UNS IMMER WIEDER SUGGERIERT
Flexibel, dynamisch, qualifiziert
Freitag, 18. Dezember 2015, 10:08 Uhr
Einst verdienten Menschen mit viel Körperkraft Geld. Mit Hacke, Schaufel, Mistgabel, Schrotsägen oder Schubkarren. Das war gestern. Ohne Hochtechnologie läuft heute nichts mehr. Das betrifft alle Bereiche – Industrie wie Landwirtschaft und das Baugewerbe gleichermaßen...
Eine Chance anbieten (Foto: H. Fischer/AHP)
Ein Versuch ist es wert: Die Autohaus Peter Gruppe bietet Praktikumsplätze für Flüchtlinge an
Südharz. Heute, wird uns immer wieder suggeriert, sollte man flexibel, dynamisch, auf jeden Fall bestens qualifiziert sein. Wer das ist, sichert seinen Job dauerhaft. Offensichtlich haben wir aber nicht genügend kluge Leute im eigenen Land, sucht doch die Industrie händeringend nach Fachkräften. Die Flüchtlinge, hören wir, könnten eine Chance sein, Fachkräfte-Lücken schließen zu helfen.
Zu hören ist auch das: Ein Drittel der Migranten, die unter anderem aus Syrien zu uns kommen, verfügten über eine gute Ausbildung. Der Großteil aller Ankommenden spreche aber kein Deutsch, sei kaum qualifiziert oder sogar Analphabet. Da verwundern Presse-Schlagzeilen wie diese nicht: Thüringer Wirtschaft: Nur jeder 20. Flüchtling findet einen Job.
Wer aus seiner Sicht möchte, dass Integration gelingt, der müsse diese Realitäten anerkennen und daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen, sagt Erfurts IHK-Chef Gerald Grusser. Nach seiner Meinung bestehe die Gefahr, dass die Mehrheit der Flüchtlinge ohne konsequente Förderung an einer dreijährigen Vollausbildung mit hohem Theorieanteil scheitert. Das bestätigt die Industrie-und Handelskammer München. Von 130 jungen Leuten aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, die 2013 eine Ausbildung begannen, brachen 70 Prozent ihre Ausbildung wieder ab.
Trotz der unerfreulichen Ausgangsbedingungen will die Thüringer Wirtschaft ein Signal für Flüchtlinge setzen. So bringen die Wirtschaftskammern ein Projekt zur Förderung der beruflichen Integration auf den Weg, wonach jährlich 650 Flüchtlinge mit hohem finanziellen und personellen Aufwand begleitet werden, um sie in den kommenden Jahren in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das will man auch im Südharz.
Nordhäuser Unternehmer wollen jetzt auch Taten sprechen lassen, informierte nnz in dem Beitrag Nicht reden, handeln! 30 junge Männer und eine Frau aus Syrien und Eritrea hieß Geschäftsführer Helmut Peter in seiner Auto-Welt willkommen, will ihnen Chancen auf eine Ausbildung geben. Unternehmer Axel Heck, Stadtwerke-Chef Olaf Salomon und Niels Neu, Vorsitzender des Nordhäuser Unternehmerverbandes, begrüßen die Initiative und wollen ihren Teil dazu beitragen.
Sollte sie zum Erfolg führen, wäre das in Thüringen das Beispiel gelungener Integration. Das sieht auch Landrat Matthias Jendricke so. Das setzt, sind sich alle Beteiligten bewusst, einen langen Atem, Geduld bei den Unternehmen und den eisernen Willen der Flüchtlinge voraus, die ihnen gebotenen Möglichkeiten ohne Wenn und Aber anzunehmen. Auch und vor allem sollte ihnen bewusst werden, nicht mehr in einem Land muslimischer Prägung und deren Gesetze zu sein. Der Pfad zum Ziel wird lang, vielleicht auch steinig.
Derzeit haben wir im Landkreis um die 1200 Flüchtlinge. Für 2016 rechnet Jendricke mit weiteren 1500 Menschen, die zu uns kommen und hier unterzubringen sind. Die Suche nach geeigneten Unterkünften geht munter weiter.
Das kostet Geld, viel Geld. Ob da für dieses Jahr die zwei Millionen Euro für die Unterbringung von Asylbewerbern reichen, mit denen der Landkreis rechnet, wird sich zeigen. Es steigen die Kosten für soziale Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt. Grünes Licht gab der Kreistag für das Plus von 70000 Euro gegenüber den geplanten 400000 Euro.
Wenn die Verlautbarungen, über die zu hören und zu lesen ist, stimmen sollten und man sie auf den Landkreis bezieht, dann könnten unter den 1200 Leuten auch Fachkräfte sein. Ein Drittel? Alle anderen unausgebildet? Auch Analphabeten darunter? Eine verbindliche Antwort darauf, war auf Anfrage zu vernehmen, sei wie Fechten im Nebel.
Die letzte zur Verfügung stehende Statistik zur Altersverteilung der Flüchtlinge im Landkreis, teilt uns die Pressestelle mit, stammt vom 15. Oktober. Diese sieht wie folgt aus: Männer: 476, Frauen: 117. Kleinkinder 0 bis 5 Jahren: 103. Kinder sechs bis 13 Jahren: 99. Jugendliche 14 bis 17 Jahren: 35. Insgesamt: 830. Die Anzahl von Familien werde nicht konkret erfasst.
Da in den letzten Wochen verstärkt Familien zu uns gekommen sind, ist jedoch anzunehmen, dass inzwischen noch mehr Frauen und Kinder unter den Flüchtlingen im Landkreis zu finden sind. Unter dem Anteil der Männer sind natürlich auch die Familienväter. Nicht erfasst werden der Schulabschluss und die Berufsausbildung der Flüchtlinge, weshalb dazu keine verlässlichen Angaben möglich sind, auch nicht zum Anteil der Analphabeten.
Einen Job für jeden Flüchtling? Zweifel haben da selbst die kühnsten Optimisten. Zahlreiche Flüchtlinge werden wohl über kurz oder lang auf Sozialleistungen angewiesen sein. Ein Problem? Deutschland ist reich, beruhigt die Obrigkeit. Sie will jetzt den Ausländer-Zustrom spürbar verringern. Über eine Million werden es wohl 2016 nicht mehr werden. Unser Land, der Fels in der Brandung, überstand bislang allen Krisen, hielt auch allen europäischen wie weltweiten Stürmen stand. Ob das so bleibt? Schau'n wir mal.
Kurt Frank
Autor: red
Eine Chance anbieten (Foto: H. Fischer/AHP)
Ein Versuch ist es wert: Die Autohaus Peter Gruppe bietet Praktikumsplätze für Flüchtlinge anSüdharz. Heute, wird uns immer wieder suggeriert, sollte man flexibel, dynamisch, auf jeden Fall bestens qualifiziert sein. Wer das ist, sichert seinen Job dauerhaft. Offensichtlich haben wir aber nicht genügend kluge Leute im eigenen Land, sucht doch die Industrie händeringend nach Fachkräften. Die Flüchtlinge, hören wir, könnten eine Chance sein, Fachkräfte-Lücken schließen zu helfen.
Zu hören ist auch das: Ein Drittel der Migranten, die unter anderem aus Syrien zu uns kommen, verfügten über eine gute Ausbildung. Der Großteil aller Ankommenden spreche aber kein Deutsch, sei kaum qualifiziert oder sogar Analphabet. Da verwundern Presse-Schlagzeilen wie diese nicht: Thüringer Wirtschaft: Nur jeder 20. Flüchtling findet einen Job.
Wer aus seiner Sicht möchte, dass Integration gelingt, der müsse diese Realitäten anerkennen und daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen, sagt Erfurts IHK-Chef Gerald Grusser. Nach seiner Meinung bestehe die Gefahr, dass die Mehrheit der Flüchtlinge ohne konsequente Förderung an einer dreijährigen Vollausbildung mit hohem Theorieanteil scheitert. Das bestätigt die Industrie-und Handelskammer München. Von 130 jungen Leuten aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, die 2013 eine Ausbildung begannen, brachen 70 Prozent ihre Ausbildung wieder ab.
Trotz der unerfreulichen Ausgangsbedingungen will die Thüringer Wirtschaft ein Signal für Flüchtlinge setzen. So bringen die Wirtschaftskammern ein Projekt zur Förderung der beruflichen Integration auf den Weg, wonach jährlich 650 Flüchtlinge mit hohem finanziellen und personellen Aufwand begleitet werden, um sie in den kommenden Jahren in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das will man auch im Südharz.
Nordhäuser Unternehmer wollen jetzt auch Taten sprechen lassen, informierte nnz in dem Beitrag Nicht reden, handeln! 30 junge Männer und eine Frau aus Syrien und Eritrea hieß Geschäftsführer Helmut Peter in seiner Auto-Welt willkommen, will ihnen Chancen auf eine Ausbildung geben. Unternehmer Axel Heck, Stadtwerke-Chef Olaf Salomon und Niels Neu, Vorsitzender des Nordhäuser Unternehmerverbandes, begrüßen die Initiative und wollen ihren Teil dazu beitragen.
Sollte sie zum Erfolg führen, wäre das in Thüringen das Beispiel gelungener Integration. Das sieht auch Landrat Matthias Jendricke so. Das setzt, sind sich alle Beteiligten bewusst, einen langen Atem, Geduld bei den Unternehmen und den eisernen Willen der Flüchtlinge voraus, die ihnen gebotenen Möglichkeiten ohne Wenn und Aber anzunehmen. Auch und vor allem sollte ihnen bewusst werden, nicht mehr in einem Land muslimischer Prägung und deren Gesetze zu sein. Der Pfad zum Ziel wird lang, vielleicht auch steinig.
Derzeit haben wir im Landkreis um die 1200 Flüchtlinge. Für 2016 rechnet Jendricke mit weiteren 1500 Menschen, die zu uns kommen und hier unterzubringen sind. Die Suche nach geeigneten Unterkünften geht munter weiter.
Das kostet Geld, viel Geld. Ob da für dieses Jahr die zwei Millionen Euro für die Unterbringung von Asylbewerbern reichen, mit denen der Landkreis rechnet, wird sich zeigen. Es steigen die Kosten für soziale Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt. Grünes Licht gab der Kreistag für das Plus von 70000 Euro gegenüber den geplanten 400000 Euro.
Wenn die Verlautbarungen, über die zu hören und zu lesen ist, stimmen sollten und man sie auf den Landkreis bezieht, dann könnten unter den 1200 Leuten auch Fachkräfte sein. Ein Drittel? Alle anderen unausgebildet? Auch Analphabeten darunter? Eine verbindliche Antwort darauf, war auf Anfrage zu vernehmen, sei wie Fechten im Nebel.
Die letzte zur Verfügung stehende Statistik zur Altersverteilung der Flüchtlinge im Landkreis, teilt uns die Pressestelle mit, stammt vom 15. Oktober. Diese sieht wie folgt aus: Männer: 476, Frauen: 117. Kleinkinder 0 bis 5 Jahren: 103. Kinder sechs bis 13 Jahren: 99. Jugendliche 14 bis 17 Jahren: 35. Insgesamt: 830. Die Anzahl von Familien werde nicht konkret erfasst.
Da in den letzten Wochen verstärkt Familien zu uns gekommen sind, ist jedoch anzunehmen, dass inzwischen noch mehr Frauen und Kinder unter den Flüchtlingen im Landkreis zu finden sind. Unter dem Anteil der Männer sind natürlich auch die Familienväter. Nicht erfasst werden der Schulabschluss und die Berufsausbildung der Flüchtlinge, weshalb dazu keine verlässlichen Angaben möglich sind, auch nicht zum Anteil der Analphabeten.
Einen Job für jeden Flüchtling? Zweifel haben da selbst die kühnsten Optimisten. Zahlreiche Flüchtlinge werden wohl über kurz oder lang auf Sozialleistungen angewiesen sein. Ein Problem? Deutschland ist reich, beruhigt die Obrigkeit. Sie will jetzt den Ausländer-Zustrom spürbar verringern. Über eine Million werden es wohl 2016 nicht mehr werden. Unser Land, der Fels in der Brandung, überstand bislang allen Krisen, hielt auch allen europäischen wie weltweiten Stürmen stand. Ob das so bleibt? Schau'n wir mal.
Kurt Frank
