OKN auf Erneuerungskurs
"ENNO" kann auf Sendung gehen
Freitag, 11. Dezember 2015, 18:15 Uhr
Jetzt hat man es schwarz auf weiß - ab 01.01. wird der Offene Kanal schrittweise sein neues Sendekonzept umsetzen. Mit der entsprechenden Lizenz werden auch einige langgehegte Wünsche erfüllt, andere lassen aber weiter auf sich warten...
Das ist jetzt "ihr" Radio - der Leiter der Thüringer Landesmedienanstalt übergab den Machern des Offenen Kanals heute die offizielle Lizenz für den Weiterbetrieb. Rund 600.000 Euro sollen in den kommenden vier Jahren in den Sender fließen, der sich im Gegenzug neu aufstellen muss und ab dem 1. Januar unter dem Namen Radio "ENNO" firmieren wird.
Bisher lag die Verantwortung für Inhalte und Sendungen vor allem bei den Nutzern, ab dem 01. Januar wird es der Sender selbst sein, der die redaktionelle Verantwortung trägt und das Programm entsprechend stärker gestalten muss. Die Sendungen und Beiträge, die von jedermann hergestellt und gesendet werden können, bleiben zwar erhalten, der Sender wird aber tendenziell mehr redaktionelle Inhalte produzieren müssen.
Das neue Modell stelle hohe Ansprüche an den Sender, sagte Fasco. Am August-Bebel-Platz ist das keine Überraschung, seit gut einem Jahr bereitet man sich auf die neuen Herausforderungen vor. Bis zum Jahr 2020 will man zur relevanten Informationsplattform für die Region werden, so die Vision des Vereins. Gemeinsam mit langjährigen OK'lern, Vereinsmitgliedern und Freunden des Senders haben sich die Mitarbeite mit viel Energie und Engagement Gedanken gemacht, wie der "neue" OKN funktionieren könnte.
Am Anfang hätten sich einige der älteren Nutzer schwer getan, denn mit dem neuen Anspruch gehen auch Veränderungen des Programms einher - Heavy Metal am Mittag passt da nicht mehr. "Wir haben Leute, die hängen sehr am Sender, es geht hier häufig recht familiär zu", sagte Sandra Witzel, Leiterin des Senders. Das Stammpersonal werde bleiben, da ist sie sich sicher, einige würden schon jetzt fleißig für "ENNO" produzieren und die Sendeplätze für offene Inhalte würden auch im neuen System gut gefüllt sein. Neue Netzwerke, die helfen den Mehrbedarf an Information abzudecken, strickt man auch seit einem Jahr, vor allem im Kulturbereich klappe das schon sehr gut, sagte Witzel.
TLM Leiter Jochen Fasco übergab Senderchefin Sandra Witzel und Vereinsvorstand Sebastian Gerecke die Lizenz für die kommenden vier Jahre (Foto: Angelo Glashagel)
Von Seiten der TLM wurde die Umwandlung seit längerem geplant und sowohl organisatorisch wie auch finanziell begleitet. Insgesamt sechs Bürgerradios gibt es in Thüringen, die sich neu ausrichten sollten. Dabei geht es um Partizipation, Bürgermedien, Medienkompetenz und andere Schlagworte, die sich in Konzepten und Papieren gut lesen. Am wichtigsten sei ihm aber die Vielfalt, sagte Fasco. "Es ist wichtig für die Demokratie das es mehrere Meinungen gibt und eine unabhängige Artikulation möglich ist", sagte der TLM-Chef, dies sei ein wichtiger Bestandteil der Verfassung einer Region. Die Radios sollten das neben den etablierten Medien ermöglichen.
Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, werden dem OKN auch lang gehegte Wünsche erfüllt - es wird endlich einen Medienpädagogen für den Sender geben, man führe zur Zeit Bewerbungsgespräche, sagte Sebastian Gerecke, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins.
An anderer Stelle wird vorerst alles beim Alten bleiben - die UKW Sendefrequenz wird sich nicht verstärken lassen und der Kanal lediglich in Nordhausen selbst, kaum aber über die Stadtgrenzen hinaus zu hören sein. Widerstand aus den angrenzenden Bundesländern würde effektive Maßnahmen verhindern, sagten die TLM Vertreter, bei den UKW Frequenzen könne man sich nur noch in ganz kleinen Bereichen bewegen.
Am 1. Januar geht es los: aus dem OKN wird "ENNO" (Foto: Angelo Glashagel)
Abhilfe verspricht der DAB-Standard, also das Digitalradio. Auch der ist aber noch Zukunftsmusik, eine großflächige Umstellung auf digitale Sendemöglichkeiten, wie zuletzt in Finnland geschehen, scheitert in Deutschland bisher am Widerstand der etablierten Platzhirsche aus dem privatem Bereich, die an UKW festhalten. Öffentlich-rechtliche Sender wie der Deutschlandfunk oder der MDR seien da schon weiter, meinte Fasco. Zudem sind die Endgeräte noch nicht sehr weit verbreitet und die finanziellen Mittel für eine Umstellung im parallelen Sendebetrieb, also UKW und DAB in Koexistenz, sind begrenzt.
Bleibt das Internet, und das verträgt sich mit dem Konzept "Radio" nur bedingt. Es gibt zwar heute schon jede Menge Online-Sender, für viele ist und bleibt aber das Radio ein physisches Gerät, das in der Küche steht oder im Auto läuft.
Ob aus dem Offenen Kanal ein "richtiges" Radio werden kann, wird das nächste halbe Jahr zeigen, man will die Umstellung Schritt für Schritt realisieren. Das fängt beim Sendebetrieb an und setzt sich fort bis hin zu Namen und Auftritt des Senders.
Was man mit dem eigenwilligen aber grundsätzlich eingängigen Namen aussagen will, darüber wird im Verein und in der Redaktion noch diskutiert, vielleicht muss erst die Praxis zeigen, wohin die Reise geht.
Angelo Glashagel
Autor: redDas ist jetzt "ihr" Radio - der Leiter der Thüringer Landesmedienanstalt übergab den Machern des Offenen Kanals heute die offizielle Lizenz für den Weiterbetrieb. Rund 600.000 Euro sollen in den kommenden vier Jahren in den Sender fließen, der sich im Gegenzug neu aufstellen muss und ab dem 1. Januar unter dem Namen Radio "ENNO" firmieren wird.
Bisher lag die Verantwortung für Inhalte und Sendungen vor allem bei den Nutzern, ab dem 01. Januar wird es der Sender selbst sein, der die redaktionelle Verantwortung trägt und das Programm entsprechend stärker gestalten muss. Die Sendungen und Beiträge, die von jedermann hergestellt und gesendet werden können, bleiben zwar erhalten, der Sender wird aber tendenziell mehr redaktionelle Inhalte produzieren müssen.
Das neue Modell stelle hohe Ansprüche an den Sender, sagte Fasco. Am August-Bebel-Platz ist das keine Überraschung, seit gut einem Jahr bereitet man sich auf die neuen Herausforderungen vor. Bis zum Jahr 2020 will man zur relevanten Informationsplattform für die Region werden, so die Vision des Vereins. Gemeinsam mit langjährigen OK'lern, Vereinsmitgliedern und Freunden des Senders haben sich die Mitarbeite mit viel Energie und Engagement Gedanken gemacht, wie der "neue" OKN funktionieren könnte.
Am Anfang hätten sich einige der älteren Nutzer schwer getan, denn mit dem neuen Anspruch gehen auch Veränderungen des Programms einher - Heavy Metal am Mittag passt da nicht mehr. "Wir haben Leute, die hängen sehr am Sender, es geht hier häufig recht familiär zu", sagte Sandra Witzel, Leiterin des Senders. Das Stammpersonal werde bleiben, da ist sie sich sicher, einige würden schon jetzt fleißig für "ENNO" produzieren und die Sendeplätze für offene Inhalte würden auch im neuen System gut gefüllt sein. Neue Netzwerke, die helfen den Mehrbedarf an Information abzudecken, strickt man auch seit einem Jahr, vor allem im Kulturbereich klappe das schon sehr gut, sagte Witzel.
TLM Leiter Jochen Fasco übergab Senderchefin Sandra Witzel und Vereinsvorstand Sebastian Gerecke die Lizenz für die kommenden vier Jahre (Foto: Angelo Glashagel)
Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, werden dem OKN auch lang gehegte Wünsche erfüllt - es wird endlich einen Medienpädagogen für den Sender geben, man führe zur Zeit Bewerbungsgespräche, sagte Sebastian Gerecke, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins.
An anderer Stelle wird vorerst alles beim Alten bleiben - die UKW Sendefrequenz wird sich nicht verstärken lassen und der Kanal lediglich in Nordhausen selbst, kaum aber über die Stadtgrenzen hinaus zu hören sein. Widerstand aus den angrenzenden Bundesländern würde effektive Maßnahmen verhindern, sagten die TLM Vertreter, bei den UKW Frequenzen könne man sich nur noch in ganz kleinen Bereichen bewegen.
Am 1. Januar geht es los: aus dem OKN wird "ENNO" (Foto: Angelo Glashagel)
Abhilfe verspricht der DAB-Standard, also das Digitalradio. Auch der ist aber noch Zukunftsmusik, eine großflächige Umstellung auf digitale Sendemöglichkeiten, wie zuletzt in Finnland geschehen, scheitert in Deutschland bisher am Widerstand der etablierten Platzhirsche aus dem privatem Bereich, die an UKW festhalten. Öffentlich-rechtliche Sender wie der Deutschlandfunk oder der MDR seien da schon weiter, meinte Fasco. Zudem sind die Endgeräte noch nicht sehr weit verbreitet und die finanziellen Mittel für eine Umstellung im parallelen Sendebetrieb, also UKW und DAB in Koexistenz, sind begrenzt.
Bleibt das Internet, und das verträgt sich mit dem Konzept "Radio" nur bedingt. Es gibt zwar heute schon jede Menge Online-Sender, für viele ist und bleibt aber das Radio ein physisches Gerät, das in der Küche steht oder im Auto läuft.
Ob aus dem Offenen Kanal ein "richtiges" Radio werden kann, wird das nächste halbe Jahr zeigen, man will die Umstellung Schritt für Schritt realisieren. Das fängt beim Sendebetrieb an und setzt sich fort bis hin zu Namen und Auftritt des Senders.
Was man mit dem eigenwilligen aber grundsätzlich eingängigen Namen aussagen will, darüber wird im Verein und in der Redaktion noch diskutiert, vielleicht muss erst die Praxis zeigen, wohin die Reise geht.
Angelo Glashagel

