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500 Jahre Cranach

Gelehrten-Führung

Montag, 07. Dezember 2015, 10:23 Uhr
In der Sonderausstellung im Museum Flohburg, die zu Ehren des Künstlers Lucas Cranach d. J. zusammengestellt wurde, wird auch an zwei Gelehrte erinnert, die in unseren Breiten wirkten, an den Pädagogen Michael Neander und den Arzt und Botaniker Johannes Thal. Den beiden Gelehrten wird sich demnächst Heidelore Kneffel widmen...

Die beiden stehen am Sonntag, dem 13. Dezember, ab 15.00 Uhr im Mittelpunkt der Führung.

Wie die Lebensdaten des Erstgenannten bezeugen, wurde er vor 490 Jahren geboren und starb vor 420 Jahren, wurde also 70 Jahre. In einem 210 cm x 88 cm messenden Ölbild auf Holz, das in der Dauerausstellung des Museums gezeigt wird, tritt er uns in seinem letzten Lebensjahr im Talar und Mantel der damaligen Gelehrten und Schulmänner mit einem Buch entgegen. Seine Würde als Schulrektor und Administrator der Klosterschule Ilfeld versinnbildlicht ein mächtiges Schlüsselbund.
Als Michael Neumann wurde er 1525 geboren, galt als aufgeweckt, aber „sein Lehrer scheint ihm Steine zu reden, die ihm das Gehirn aus dem Kopf zu schlagen drohen.“ In der Tradition seiner Vorfahren liebte er den Fisch- und Vogelfang. Bei den traditionellen Aufführungen zur Fastenzeit übertrug man ihm die schwersten Rollen. Nach dem Willen des Vaters sollte Michael Kaufmann werden und deshalb bei Zeiten das Reiten lernen. Aber dabei passierte dem Jungen manches Missgeschick und den Eltern wurde klar, dass der Sohn eine andere Berufung habe und so wurde er im April 1543 an die Wittenberger Universität geschickt. Hier erlebte er drei Jahre Martin Luther, dessen Lehren er verinnerlicht. Außerdem wurde ihm Philipp Melanchthon Lehrer und väterlicher Freund.

Nische mit den Tafeln für Neander und Thal (Foto: Heidelore Kneffel) Nische mit den Tafeln für Neander und Thal (Foto: Heidelore Kneffel)

1547 musste er nach der Schlacht bei Mühlberg Wittenberg verlassen und wurde auf Empfehlung von Melanchthon und Justus Jonas dritter Lehrer an der Nordhäuser Lateinschule. Auf Empfehlung von Jonas hat ihn Bürgermeister Erasmus Schmidt „in seiner Behausung nicht allein an den Tisch genommen, sondern auch zu einem Privat-Praeceptore seiner Kinder verordnet“. Dieser Bürgermeister und Melanchthon schlugen ihn dem letzten Ilfelder Abt Thomas Stange als Rektor der jungen Klosterschule in Ilfeld vor. Er siedelte am 30. Juni 1550 mit 25 Jahren dorthin über und bald erhöhte sich durch sein Geschick und Eifer die Zahl der Schüler deutlich. Neander widmete 45 Jahre seine erstaunliche Arbeitskraft der Schule, indem er ihr nicht nur als alleiniger Verwalter, Rektor und Lehrer vorstand, sondern auch ein väterlicher Freund der ihm Anvertrauten war. Er pflegte sie auch als Arzt und Krankenpfleger, z. B. bei der in seiner Amtszeit fünf Mal auftretenden Pest. Melanchthon erklärte die Ilfelder Schule „um der treuen Arbeit Neanders willen“ für das beste Seminar im Lande.

Der zweite im Bunde der Gelehrten ist Johannes Thal. Er gilt als „Bahner und Förderer, durch den Nordhausen und der Harz bereits im 16. Jahrhundert als erste deutsche Stadt und Landschaft in die Geschichte der Floristik eingegangen sind“, so der Botaniker Kurt Wein, verstorben 1968. Er nennt ihn den „Vater der Floristik“, auch die Bezeichnung „Kolumbus der Harzflora“ taucht auf. Das Ende dieses begnadeten Forschers und Arztes war tragisch. Er praktizierte als angesehener Stadtphysikus seit 1581 in Nordhausen, sein guter Ruf hatte sich rasch verbreitet und so wurde er auch nach Außerhalb gerufen. Auf einer Fahrt am 30. Juni 1583 gingen die Pferde durch, Thal wurde aus dem Wagen geschleudert und brach sich den rechten Unterschenkel so stark, dass der Stiefel von beiden Knochenenden durchbohrt wurde. Er ertrug alles mit großer Geduld, wie man aus einem Brief erfährt, den er an Michael Neander schrieb. Als Folge bildete sich eine Embolie, die am 18. Juli 1583 zu seinem Tode führte.

Dabei hatte er noch viele wissenschaftliche Pläne, wie er dem Nürnberger Arzte, Botaniker und Naturforscher Joachim Camerarius d. J., 1534 bis 1598, schrieb. Auf dessen Drängen schickte ihm Thal 1577 handschriftlich in Latein: „Der Harzwald, oder ein Verzeichnis der Pflanzen, die in den Bergen des Harzes... und in seiner Nachbarschaft von sich selber wachsen.“ Dies hinterlassene Werk gab Camerarius 1588 unter dem Titel „Sylva Hercynia...“ heraus, das im Stadtarchiv präsent ist und bei der Führung gezeigt wird. 1977 hat der Kulturbund der DDR Johannes Thal und seine, Sylva Hercynia“ dadurch geehrt, dass man die Schrift als Reprint neu herausbrachte mit gleichzeitiger deutscher Übersetzung. Wer Interesse an diesen hoch verdienten Persönlichkeiten hat, ist am 13. Dezember in der Flohburg am richtigen Ort.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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