Reden wir über Zahlen!
Alternativen zum Gipsabbau (8)
Mittwoch, 02. Dezember 2015, 08:57 Uhr
Die Gipsindustrie forciert politisch, verwaltungsrechtlich und über die Medien ihre Bemühungen zur Erschließung neuer Gipsabbaugebiete. Die von Dr. Christian Marx recherchierte Serie setzt sich detailliert mit den Argumenten auseinander und stellt diesen Zahlenmaterial gegenüber, welches dem Leser einen kritischen Blick ermöglichen soll. Im letztem Teil gibt Dr. Marx seine abschließende Einschätzung...
Wir befinden uns in einer Zeitschleife. Schon in den 90er und 2000er Jahren gab es Fachtagungen zum Thema und Landtagsdebatten. Sind wir nur einen Schritt weiter gekommen in dieser Zeit? Nein. Wurde auch nur eine unserer Fragen und Argumente in der Vergangenheit beantwortet oder aufgegriffen? Nein. Die Waffen sind, dank Bergrecht, noch immer ungleich verteilt. Gemeinsam mit den Bürokraten vom Bergamt schreitet man voran. Glückauf. Trotz vieler Ungereimtheiten reklamiert die Gipsindustrie neue Abbaugebiete für sich, kauft Flächen, führt Prozesse. Damit liegt der Gipsabbau letztlich in den Händen der Verwaltungsgerichte.
Lokal ist der Konflikt um den Gipsabbau nicht lösbar, auch am Runden Tisch nicht, hier ist das Land Thüringen gefragt und im Prinzip auch der Bund. Es kann nicht sein, dass unsere Region weiter benachteiligt wird, indem mittels des Bergrechts speziell in unserer Region (bedingt durch den Einigungsvertrag) anderweitige Planungsziele kontinuierlich ausgehebelt werden. Die Gefahr, dass am Winkelberg scheibchenweise (und damit unter eingeschränkter Mitsprache der Öffentlichkeit) ein neuer Tagebau entsteht ist groß.
Wie in dieser Serie dargestellt, sind aber die Aussagen der Industrie zu den Bedarfsprognosen der Rohstoffressourcen in unserer Region bislang nicht ausreichend plausibel begründet, weder hinsichtlich des individuellen noch des volkswirtschaftlichen Bedarfs, da es durchaus Alternativen gibt.
Liebe Herren von Casea, Formula und Knauf, liefern Sie exakte Zahlen, schöpfen Sie die genehmigten Abbaugebiete aus, reinigen Sie notfalls schlechtere Gipsqualitäten auf, kooperieren sie bei der Verwendung von hochreinem Naturgips, bemühen Sie sich ernsthafter um Innovationen, um Gipsrecycling und REA-Gips (auch wenn dann Ihre Gewinnmarge vielleicht etwas kleiner wird), und berücksichtigen Sie die wissenschaftlichen Prognosen in ihrer langfristigen Planung. Ihr Lobbyverband sollte die Notwendigkeit des umfassenden Gipsrecycling in der Politik offensiver verdeutlichen und nachhaltige Gipsprodukte aktiv bewerben, gerade weil es sich um endliche Ressourcen handelt. Herr Materlik schreibt in der nnz, dass die Vorräte am Alten Stolberg noch lange reichen. Lieber Herr Schiffer, Knauf oder auch die Kohnstein-Bergwerksgesellschaft (ja, auch dort gibt es noch hochwertigen Gips!) werden sicher welchen nach Ellrich oder auch nach Walkenried, lieber Herr Zimmer, liefern, wenn die Vorräte dort nicht reichen und der Preis stimmt! Deswegen muss am Winkelberg oder bei Neustadt kein neuer Abbau entstehen.
Abschließend bleibt mir nur noch der Wunsch, dass unsere Lokal- und Landespolitiker, die Zuständigen für Landesentwicklungspläne und Regionale Raumordnungspläne und alle, die jetzt schon wieder Kompromissen das Wort reden oder in Aktuellen Stunden zum Thema im Landtag debattieren, diese unvollkommene und laienhafte Recherche genau lesen und zumindest etwas nachdenklich werden.
Ja, sehr geehrter Herr Löderbusch, wir können reden und wir müssen es. Aber über die richtigen Fragen, so wie sie hier in dieser Serie aufgeworfen werden! Die Zeiten der billigen PR-Argumente sind aber vorbei. Mit denen lassen wir uns nicht mehr abspeisen. Und das hat (soviel in eigener Sache, sehr geehrter Herr Professor Rutz) nichts mit Polemik zu tun, sondern mit Südharzer Firmen, die offenbar seit Jahren die Zeichen der Zeit verschlafen haben und noch immer meinen, sie könnten hier nach Gutsherrenart weiteragieren, die Vorteile der freien Marktwirtschaft genießen, dicke Gewinne einstreichen und bei Bedarf nach dem Staat rufen, Druck ausüben und den sozialen Frieden gefährden indem sie dann Arbeitsplätze gegen Anwohner und Entwicklungsziele von Kommunen ausspielen.
Ohne die Verschärfung der Abgasnorm wäre nie ein Katalysator gebaut worden, ohne den Anstieg des Ölpreises nie ein Elektroauto... Es sind die Herausforderungen um unsere Ressourcen, die die Industrie zu Innovationen zwingen. Firmen, die sich dem nicht rechtzeitig stellen, werden verschwinden, und an ihren Standorten werden innovative Branchen andere Arbeitsplätze schaffen.
Wir bleiben dabei: Alternativen zum Naturgips werden nur durch eine Verknappung des Angebots geschaffen! Schützen wir unsere Natur UND unsere Gipslagerstätten… vor den kurz- und mittelfristigen wirtschaftlichen Interessen von einzelnen Gipsunternehmen- so und nicht anders sieht Vorsorgende Rohstoffsicherung aus!
Dr. Christian Marx
für die BI Gipskarst Südharz
Quellen:
Autor: redTeil 8 Schlusswort, Quellenangaben
Man kann mir natürlich vorwerfen, ich spekuliere hier wild herum und habe keine Ahnung. Vielleicht stimmt das auch. Aber die Forderung nach Transparenz hinsichtlich unserer Rohstoffressourcen, nach einer größer gestrickten Lösung beim Thema Gipsabbau in unserer Region ist so alt wie die gesamte Auseinandersetzung.Wir befinden uns in einer Zeitschleife. Schon in den 90er und 2000er Jahren gab es Fachtagungen zum Thema und Landtagsdebatten. Sind wir nur einen Schritt weiter gekommen in dieser Zeit? Nein. Wurde auch nur eine unserer Fragen und Argumente in der Vergangenheit beantwortet oder aufgegriffen? Nein. Die Waffen sind, dank Bergrecht, noch immer ungleich verteilt. Gemeinsam mit den Bürokraten vom Bergamt schreitet man voran. Glückauf. Trotz vieler Ungereimtheiten reklamiert die Gipsindustrie neue Abbaugebiete für sich, kauft Flächen, führt Prozesse. Damit liegt der Gipsabbau letztlich in den Händen der Verwaltungsgerichte.
Lokal ist der Konflikt um den Gipsabbau nicht lösbar, auch am Runden Tisch nicht, hier ist das Land Thüringen gefragt und im Prinzip auch der Bund. Es kann nicht sein, dass unsere Region weiter benachteiligt wird, indem mittels des Bergrechts speziell in unserer Region (bedingt durch den Einigungsvertrag) anderweitige Planungsziele kontinuierlich ausgehebelt werden. Die Gefahr, dass am Winkelberg scheibchenweise (und damit unter eingeschränkter Mitsprache der Öffentlichkeit) ein neuer Tagebau entsteht ist groß.
Wie in dieser Serie dargestellt, sind aber die Aussagen der Industrie zu den Bedarfsprognosen der Rohstoffressourcen in unserer Region bislang nicht ausreichend plausibel begründet, weder hinsichtlich des individuellen noch des volkswirtschaftlichen Bedarfs, da es durchaus Alternativen gibt.
Liebe Herren von Casea, Formula und Knauf, liefern Sie exakte Zahlen, schöpfen Sie die genehmigten Abbaugebiete aus, reinigen Sie notfalls schlechtere Gipsqualitäten auf, kooperieren sie bei der Verwendung von hochreinem Naturgips, bemühen Sie sich ernsthafter um Innovationen, um Gipsrecycling und REA-Gips (auch wenn dann Ihre Gewinnmarge vielleicht etwas kleiner wird), und berücksichtigen Sie die wissenschaftlichen Prognosen in ihrer langfristigen Planung. Ihr Lobbyverband sollte die Notwendigkeit des umfassenden Gipsrecycling in der Politik offensiver verdeutlichen und nachhaltige Gipsprodukte aktiv bewerben, gerade weil es sich um endliche Ressourcen handelt. Herr Materlik schreibt in der nnz, dass die Vorräte am Alten Stolberg noch lange reichen. Lieber Herr Schiffer, Knauf oder auch die Kohnstein-Bergwerksgesellschaft (ja, auch dort gibt es noch hochwertigen Gips!) werden sicher welchen nach Ellrich oder auch nach Walkenried, lieber Herr Zimmer, liefern, wenn die Vorräte dort nicht reichen und der Preis stimmt! Deswegen muss am Winkelberg oder bei Neustadt kein neuer Abbau entstehen.
Abschließend bleibt mir nur noch der Wunsch, dass unsere Lokal- und Landespolitiker, die Zuständigen für Landesentwicklungspläne und Regionale Raumordnungspläne und alle, die jetzt schon wieder Kompromissen das Wort reden oder in Aktuellen Stunden zum Thema im Landtag debattieren, diese unvollkommene und laienhafte Recherche genau lesen und zumindest etwas nachdenklich werden.
Ja, sehr geehrter Herr Löderbusch, wir können reden und wir müssen es. Aber über die richtigen Fragen, so wie sie hier in dieser Serie aufgeworfen werden! Die Zeiten der billigen PR-Argumente sind aber vorbei. Mit denen lassen wir uns nicht mehr abspeisen. Und das hat (soviel in eigener Sache, sehr geehrter Herr Professor Rutz) nichts mit Polemik zu tun, sondern mit Südharzer Firmen, die offenbar seit Jahren die Zeichen der Zeit verschlafen haben und noch immer meinen, sie könnten hier nach Gutsherrenart weiteragieren, die Vorteile der freien Marktwirtschaft genießen, dicke Gewinne einstreichen und bei Bedarf nach dem Staat rufen, Druck ausüben und den sozialen Frieden gefährden indem sie dann Arbeitsplätze gegen Anwohner und Entwicklungsziele von Kommunen ausspielen.
Ohne die Verschärfung der Abgasnorm wäre nie ein Katalysator gebaut worden, ohne den Anstieg des Ölpreises nie ein Elektroauto... Es sind die Herausforderungen um unsere Ressourcen, die die Industrie zu Innovationen zwingen. Firmen, die sich dem nicht rechtzeitig stellen, werden verschwinden, und an ihren Standorten werden innovative Branchen andere Arbeitsplätze schaffen.
Wir bleiben dabei: Alternativen zum Naturgips werden nur durch eine Verknappung des Angebots geschaffen! Schützen wir unsere Natur UND unsere Gipslagerstätten… vor den kurz- und mittelfristigen wirtschaftlichen Interessen von einzelnen Gipsunternehmen- so und nicht anders sieht Vorsorgende Rohstoffsicherung aus!
Dr. Christian Marx
für die BI Gipskarst Südharz
Quellen:
- http://www.business-and-biodiversity.de/fileadmin/user_upload/documents/The_Good_Companies/Knauf/EUROGYPSUMBIODIVERSITYDE.pdf
- www.naturschatz.org
- Kraftwerk und Umwelt, https://campus.tum.de/tumonline/LV_TX.wbDisplayTerminDoc?...2528
- http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/uebersicht_energiebedingte_emissionen_1990_2011.pdf
- http://de.wikipedia.org/wiki/Stromerzeugung
- http://www.baustoffindustrie.de/root/im/pool/downloads_2013/280113/rohstoffstudie.pdf
- Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bau Mineral GmbH über die rechtliche Behandlung von Steinkohlenflugasche, Schmelzkammergranulat, REA-Gips vor dem Hintergrund des Kreislaufwirtschafts- und AbfaIlgesetzes (vom 29.11.2007)
- GtoG: From production to recycling: a circular economy for the European Gypsum Industry with the Demolition and Recycling Industry, 2013. http://gypsumtogypsum.org/documents/deliverable-a1-report-on-current-practices.pdf
- EUWID Recycling und Entsorgung 46, 2012
- Recycling Magazin 09, 2011
- http://www.gips.de/wp-content/uploads/downloads/2014/10/OrtlebDemmich_Recyclingkonzept.pdf
- http://www.baustoffindustrie.de/root/img/pool/downloads_2012/171212/rohstoffstudie.pdf
- Arendt: Kreislaufwirtschaft im Baubereich: Steuerung zukünftiger Stoffströme am Beispiel von Gips"
- Forschungszentrum Karlsruhe 2001
- Sundl: Entsorgung und Verwertung von Gipskartonplatten. Fachabteilung 19D - Abfall- und Stoffflusswirtschaft (Hrsg). Statusbericht: Graz, August 2005

