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Wahlen, Wahlen, Wahlen

Dienstag, 15. Juni 2004, 09:56 Uhr
Nordhausen/Sollstedt (nnz). Die Landtagswahlen sind vorbei. Die nächsten, die kommunalen Wahlen stehen vor der Tür. Dazu eine Betrachtung von Sollstedts Bürgermeister Jürgen Hohberg in Ihrer nnz.


Was wäre die Alternative? Keine Wahl? In einer absoluten Monarchie gibt es keine Wahl. In einer Diktatur gibt es sie nicht wirklich. Sicher, die Demokratie, wie sie sich derzeit bei uns darstellt, kommt immer stärker in die Kritik, weil wir als Bürger scheinbar gar nicht mehr gefragt werden. Nur beim Gang zur Wahlurne, hat man den Eindruck. Was machen wir als Bürger allerdings zwischen den Wahlen? Wie gehen wir mit den so genannten Politikern um, wie schauen wir Ihnen auf die Finger, wie nehmen wir sie in Verantwortung? Persönlich – in unseren Gremien – in unseren Körperschaften, den Stadt- und Gemeinderäten, den Bundes-, Land- und Kreistagen!

Was ist eigentlich Demokratie? Für mich persönlich ist Demokratie im Allgemeinen wie im Speziellen die Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens auf allen Ebenen auf dieser Erde. Diese Gestaltung übertragen wir in der Demokratie den Politikern. Eine Umkehr würde unweigerlich in Anarchie münden, weil jeder nach Belieben verfahren würde. Die Gestaltung nur einem Menschen zu übertragen hieße, einen Gott „zu berufen“.Die Politiker, die zu glauben scheinen, von Gott persönlich berufen zu sein, unterliegen einem Irrglauben. Gott hat uns alle Möglichkeiten gegeben, unser Leben zu gestalten. Wir haben jede mögliche Chance und haben die Werkzeuge, unser Zusammenleben so zu gestalten, dass es für alle Menschen, wenn auch nicht immer freudvoll, so doch zumindest erträglich ist.

Wir sind in diesem Monat aufgerufen, hier in Sollstedt, Wülfingerode und Rehungen den Kreistag, die Gemeinderäte, den Ortschaftsrat, einen Ortsbürgermeister und einen ehrenamtlichen Bürgermeister zu wählen. Viele Kandidaten haben sich in unseren drei Orten dankenswerter Weise für die zu vergebenden Ämter zur Verfügung gestellt, um wieder für uns Bürgerinnen und Bürger Politik, das heißt die Gestaltung unseres Lebens hier in unserer Region in ihre Hände oder Köpfe zu nehmen und auf ihre Schultern zu laden. Dafür danke ich ihnen. Mein Dank gilt allerdings nach Ablauf der jetzigen Legislaturperiode in erster Linie den Bürgerinnen und Bürgern, die sich in der letzten (oder auch in der vorletzten oder vorvorletzten) Legislaturperiode, die sich also seit 1990 von uns in Verantwortung haben nehmen lassen. Dieses schwere, ja schwierige Gestalten von Politik, von unseren Lebensumständen, von den Bedingungen, in denen wir gern leben würden, diese schwierige Aufgabe macht sicher nicht nur Freude, sondern bereitet oftmals viel Ärger und Verdruss, auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Viele Mitmenschen meinen, Dieses oder Jenes könnte doch (sicher und für mich verständlich auch oft zum eigenen Vorteil) anders, besser geregelt oder schneller getan werden. Das wird auch in der kommenden Legislaturperiode nicht anders sein, denn überall wo Menschen wirken, können Fehler nicht ausbleiben. Niemand ist vollkommen und keiner wird die Vollkommenheit je erreichen.

Ich bedanke mich beim Gemeinderat von Rehungen mit seinem Bürgermeister Günter Weingarten für die gute Zusammenarbeit, auch wenn sie zwischen Rat und Verwaltung nicht immer einfach war. Ebenso bedanke ich mich beim Ortschaftsrat von Wülfingerode und hier insbesondere beim Ortsbürgermeister Rüdiger Liebetrau.

Wir haben gemeinsam ein Stück Weg hinter uns gebracht, das nicht immer einfach war. Auch unpopuläre Entscheidungen mussten getroffen, teilweise akzeptiert, in jedem Fall aber realisiert bzw. vollzogen werden. Mein Dank geht an den 1. Beigeordneten, Manfred Warnecke, der den Bürgermeister nach Außen bei der Wahrnehmung wichtiger Termine würdig vertreten hat.

Selbstverständlich gilt mein Dank allen Gemeinderäten, die mich seit 1990 bei der Umsetzung von „großer Politik“ in die Gestaltung unserer Möglichkeiten hier in der Gemeinde Sollstedt unterstützt haben. Mein besonderer Dank, wer wird’s mir verübeln, gilt den Männern und Frauen, die 1989 mit mir „auf der Straße“ waren und danach nicht abgedreht sind, sondern hier Politik mitgestaltet und mitgetragen haben.

Die Mitglieder der Fraktion der Bürgerinitiative Sollstedt möchte ich ausdrücklich erwähnen, was aber keineswegs bedeuten soll, dass nicht alle Fraktionen im Gemeinderat ihren Beitrag zur Entwicklung der Lebensumstände und –bedingungen geleistet haben, wie wir sie gegenwärtig in Sollstedt vorfinden und die die Vorstellungskraft jedes Einzelnen aus dem Jahr 1989 mit Sicherheit übertreffen.

Es mussten in den vergangenen Jahren viele unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. Aber auch, aus heutiger Sicht und heutigem Wissen heraus, falsche Entscheidungen waren mitunter dabei. Dazu stehe ich in meiner Verantwortung als Bürgermeister! Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeinderat von Rehungen mit seinem neuen ehrenamtlichen Bürgermeister, mit dem Ortschaftsrat und dem neuen Ortsbürgermeister von Wülfingerode und bin natürlich auch gespannt auf die Zusammensetzung des neuen Gemeinderates von Sollstedt, mit dem ich in erster Linie die Zeichen erkennen muss, die uns die „große Politik“ vorgibt und mit denen ich gemeinsam das umsetzen kann, was zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger gereicht. „Parteienzwist“ und „Parteiengezänk“ gab es in unserem Gemeinderat bislang kaum und ich hoffe, das wird auch im neuen Gemeinderat so bleiben.

Es gibt noch viel zu tun und wir, die neuen Gemeinderäte und der Bürgermeister, aber auch die neuen Ortschaftsräte mit dem Ortsbürgermeister, werden auch in der nächsten Legislaturperiode nicht abwarten, sondern im Interesse unserer Bürger/innen ihr Bestes geben, dessen bin ich sicher.

Meine Bitte an die Leser der nnz, mein vordringlichster Wunsch für die Kommunalwahl ist: Nehmen Sie Ihr demokratisches Grundrecht, zur Wahl zu gehen, auch wahr!
Jürgen Hohberg, Bürgermeister von Sollstedt
Autor: nnz

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