BUND-Einsatz bei Rüdigsdorf
Montag, 23. November 2015, 06:40 Uhr
Mehr als 25 ehrenamtliche Naturschutzeinsätze zur Pflege unserer Südharzer Karstlandschaft absolvierten Mitglieder des BUND-Kreisverbandes seit 2010. Am vergangenen Sonnabend ließen sie in der Rüdigsdorfer Schweiz die Motorsägen "sprechen"...
BUND-Einsatz bei Rüdigsdorf (Foto: privat)
Forst-Fachmann Reiner Peix aus Ilfeld schätzte das Alter der an den Steilhängen des Schindergrabens siedelnden größten Birken und Kiefern auf 20 bis 30 Jahre. Die Bezeichnung Schindergraben gilt einem kurzen, aber tiefen Einschnitt zwischen Rüdigsdorf und dem Winkelberg unweit der Straße nach Krimderode. #
Die Bodenvegetation der teils exponierten Hänge wird überwiegend von ausgedehnten so genannten Blaugrasrasen gebildet. Diese Pflanzengesellschaft genießt seit langem die Aufmerksamkeit der Botaniker: Denn eigentlich ist das Blaugras (Sesleria albicans) in den Alpen beheimatet. Die relativ wenigen Gebiete außerhalb des Hochgebirges, in denen es größere Bestände der Art gibt, weisen eine andere Artenzusammensetzung und eine recht geringe Zahl höherer Pflanzen auf. Ihre besondere, regionale Ausprägung, zum Beispiel hier am Südharzrand, kennzeichnen sie als schützens- und erhaltenswertes Kleinod unserer Pflanzenwelt.
Gern, aber nicht immer, siedelt die Blaugrasgesellschaft an besagten Steilhängen. Einige wenige bleiben natürlich waldfrei, wie dies z.B. im Igelsumpf bei Woffleben zu beobachten ist. Andere wurden früher wahrscheinlich durch Beweidung mittels Schafen und Ziegen vor der Verbuschung bewahrt. Durch den drastischen Rückgang der Schafherden nach 1989 setzte eine zum Teil massive Gehölzentwicklung ein. So kommt es, dass einige im Schindergraben stockende Bäume bereits 25 Jahre alt sind. Werden Beschattung sowie Laub- und Nadeleintrag zu groß, weicht die in Thüringen gefährdete Blaugrasgesellschaft zurück und verschwindet schließlich ganz.
Unsere Naturschutzgebiete haben aber die Aufgabe, die Relikte unserer Kulturlandschaft mit ihren zum Teil bemerkenswerten Arteninventar zu erhalten.
Schon vor mehreren Jahren erhielt der BUND-Kreisverband von der Unteren Naturschutzbehörde und der Forstbehörde daher die Genehmigung, einige größere Bäume und zahlreiche jugendliche Kiefern zu entfernen.
Dabei geht es auch um das äußere Erscheinungsbild der Rüdigsdorfer Schweiz, die einst über eine viel größere Halbtrockenrasenfläche als heute verfügte.
Am Sonnabend begaben wir uns zu Dritt in das steile Gelände des Schindergrabens und fällten zunächst mehrere Birken und Kiefern. Die nunmehr wieder offene Halbtrockenrasenfläche wurde sorgsam beräumt.
Auf Grund der stark exponierten Hanglage benötigten wir von 10 Uhr bis 17 Uhr, um die Arbeiten für dieses Mal abzuschließen. Bis Februar sollen dann weitere junge Kiefern entfernt werden. Dabei Erosionsgefährdete Bereiche bleiben in Absprache mit den Behörden ausgespart. Dort ist eine Durchwurzelung des meist flachgründigen Bodens besonders wichtig.
Natürlich ist es perspektivisch von Bedeutung, auch den Anflug neuer Gehölze zu beseitigen. Dies wird der Kreisverband zunächst mit übernehmen. Sinnvoll wäre jedoch auch eine lokale Beweidung mit Ziegen, da diese für steiles Gelände besonders gut geeignet sind.
Vom jüngsten Einsatz der BUND-Mitstreiter profitieren übrigens, neben dem Blaugrasrasen, auch einige seltene Angehörige der so genannten Bunten Erdflechtengesellschaft. Deren oft recht farbenfrohe, lichtliebende Vertreter siedeln bevorzugt auf nährstoffärmsten Gips- und Kalkfelsen, aber zum Beispiel auch zwischen den mit ein wenig Humus festhaltenden Bulten des Blaugrases. Durch Verbuschung und Nährstoffanreicherung gehen fast alle Vertreter dieser besonderen und erhaltenswerten Lebensgemeinschaft in ihrem Bestand stark zurück.
Besonderer Dank gilt der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Forstbehörde für die wohlwollende Genehmigung der Pflegemaßnahmen im Schindergraben.
Der nächste Einsatz ist für den 5.12. geplant. Interessenten melden sich bitte unter bodo_schwarzberg@yahoo.de.
Bodo Schwarzberg
Autor: red
BUND-Einsatz bei Rüdigsdorf (Foto: privat)
Forst-Fachmann Reiner Peix aus Ilfeld schätzte das Alter der an den Steilhängen des Schindergrabens siedelnden größten Birken und Kiefern auf 20 bis 30 Jahre. Die Bezeichnung Schindergraben gilt einem kurzen, aber tiefen Einschnitt zwischen Rüdigsdorf und dem Winkelberg unweit der Straße nach Krimderode. #
Die Bodenvegetation der teils exponierten Hänge wird überwiegend von ausgedehnten so genannten Blaugrasrasen gebildet. Diese Pflanzengesellschaft genießt seit langem die Aufmerksamkeit der Botaniker: Denn eigentlich ist das Blaugras (Sesleria albicans) in den Alpen beheimatet. Die relativ wenigen Gebiete außerhalb des Hochgebirges, in denen es größere Bestände der Art gibt, weisen eine andere Artenzusammensetzung und eine recht geringe Zahl höherer Pflanzen auf. Ihre besondere, regionale Ausprägung, zum Beispiel hier am Südharzrand, kennzeichnen sie als schützens- und erhaltenswertes Kleinod unserer Pflanzenwelt.
Gern, aber nicht immer, siedelt die Blaugrasgesellschaft an besagten Steilhängen. Einige wenige bleiben natürlich waldfrei, wie dies z.B. im Igelsumpf bei Woffleben zu beobachten ist. Andere wurden früher wahrscheinlich durch Beweidung mittels Schafen und Ziegen vor der Verbuschung bewahrt. Durch den drastischen Rückgang der Schafherden nach 1989 setzte eine zum Teil massive Gehölzentwicklung ein. So kommt es, dass einige im Schindergraben stockende Bäume bereits 25 Jahre alt sind. Werden Beschattung sowie Laub- und Nadeleintrag zu groß, weicht die in Thüringen gefährdete Blaugrasgesellschaft zurück und verschwindet schließlich ganz.
Unsere Naturschutzgebiete haben aber die Aufgabe, die Relikte unserer Kulturlandschaft mit ihren zum Teil bemerkenswerten Arteninventar zu erhalten.
Schon vor mehreren Jahren erhielt der BUND-Kreisverband von der Unteren Naturschutzbehörde und der Forstbehörde daher die Genehmigung, einige größere Bäume und zahlreiche jugendliche Kiefern zu entfernen.
Dabei geht es auch um das äußere Erscheinungsbild der Rüdigsdorfer Schweiz, die einst über eine viel größere Halbtrockenrasenfläche als heute verfügte.
Am Sonnabend begaben wir uns zu Dritt in das steile Gelände des Schindergrabens und fällten zunächst mehrere Birken und Kiefern. Die nunmehr wieder offene Halbtrockenrasenfläche wurde sorgsam beräumt.
Auf Grund der stark exponierten Hanglage benötigten wir von 10 Uhr bis 17 Uhr, um die Arbeiten für dieses Mal abzuschließen. Bis Februar sollen dann weitere junge Kiefern entfernt werden. Dabei Erosionsgefährdete Bereiche bleiben in Absprache mit den Behörden ausgespart. Dort ist eine Durchwurzelung des meist flachgründigen Bodens besonders wichtig.
Natürlich ist es perspektivisch von Bedeutung, auch den Anflug neuer Gehölze zu beseitigen. Dies wird der Kreisverband zunächst mit übernehmen. Sinnvoll wäre jedoch auch eine lokale Beweidung mit Ziegen, da diese für steiles Gelände besonders gut geeignet sind.
Vom jüngsten Einsatz der BUND-Mitstreiter profitieren übrigens, neben dem Blaugrasrasen, auch einige seltene Angehörige der so genannten Bunten Erdflechtengesellschaft. Deren oft recht farbenfrohe, lichtliebende Vertreter siedeln bevorzugt auf nährstoffärmsten Gips- und Kalkfelsen, aber zum Beispiel auch zwischen den mit ein wenig Humus festhaltenden Bulten des Blaugrases. Durch Verbuschung und Nährstoffanreicherung gehen fast alle Vertreter dieser besonderen und erhaltenswerten Lebensgemeinschaft in ihrem Bestand stark zurück.
Besonderer Dank gilt der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Forstbehörde für die wohlwollende Genehmigung der Pflegemaßnahmen im Schindergraben.
Der nächste Einsatz ist für den 5.12. geplant. Interessenten melden sich bitte unter bodo_schwarzberg@yahoo.de.
Bodo Schwarzberg





