nnz-Betrachtung
Der Dialog des Beobachters (1)
Montag, 16. November 2015, 18:30 Uhr
Die Welt und der Pfad auf dem sie sich bewegt sind zum verzweifeln. Geht die Welt wie wir sie kennen den Weg aller Dinge? Oder gibt es Hoffnung, dass die Menschheit einmal ein Einsehen hat und sich doch noch alles zum Guten wendet? Ein etwas anderes Streitgespräch gibt es dazu in der nnz...
Es war einmal ein kleiner Idealist, der sah die Welt durch die Augen eines Menschen und er sprach zu sich: die Welt ist gut, der Mensch ist gut, ist Hilfsbereitschaft, ist Toleranz, ist Liebe.
Mit dem Menschen wuchs der Idealist und er lernte und sah und las und erfuhr viele wundersame Dinge. Nach vielen Jahren, vielen Büchern, Geschichten und Geschichte, da war der Idealist auf einmal nicht mehr allein. Neben ihm saß der kleine Pessimist und er sprach: die Welt ist schlecht, der Mensch ist schlecht, ist Gier, ist Dummheit, ist Hass.
Dem widersprach der Idealist und sagte: "Das stimmt nicht. Sieh nur hier und dort und da, all die Leute die wir kennen, sie sind nicht so." Und der Pessimist erwiderte: "Hast du denn nichts gelernt? Schau in deine Bücher, sieh in die Zeitung, höre die Nachrichten, die Geschichten - der Mensch ist schlecht, er ist es schon immer gewesen und er wird es immer sein. Es gibt keine Hoffnung. Die Welt ist Konflikt, Konflikt aus Gier, aus Eigensinn, aus Verblendung und Hass."
Den Idealisten aber überzeugte dieses reden nicht, und er erwiderte: "Das mag einmal so gewesen sein, aber nicht mehr, es ist nicht mehr so wie einst. Wir sind weiter gekommen, immer wieder einen Schritt mehr. Die größten Schrecken haben wir hinter uns gelassen, die Ketten abgeworfen, die Dämonen verjagt und sind vorangeschritten um die Welt und uns selbst besser zu machen als sie, als wir das vorher waren. Und sie wird weiter besser werden. Die Welt ist Wandel, Wandel aus Erkenntnis, aus Einsicht, aus Aufklärung. Die Mehrheit der Menschen ist gut, weil sie, an allen Orten und zu allen Zeiten, einfach nur in Frieden leben will. Und irgendwann wird das auch möglich sein", sprach der Idealist, "weil der Mensch gut ist, weil er Hilfsbereitschaft ist, weil er Liebe ist."
"Es ist aber nicht die Mehrheit die zählt", sagte der Pessimist, "das hat sie noch nie. Es sind die wenigen wahrhaft Gierigen, die wahrhaft Skrupellosen, die Egomanen, die diese Welt schon immer beherrscht haben und von der Macht besoffen mit dem Schicksal ganzer Völker spielen." "Aber sie sind wenige und wir sind viele", entgegnete der Idealist, "eine andere Welt ist möglich. Sie muss möglich sein und das wahr zu machen wurde in den letzten Jahrzehnten mehr erreicht als je zuvor." sprach der Idealist.
"Wenn kümmert's heut noch wirklich ob man schwarz oder weiß ist, ob man homo oder hetero, ob man Mann ob Frau, Christ, Muslim oder Atheist ist. Was zählt ist der Mensch als solcher. Das erkannt zu haben und danach zu handeln ist der Glanz und die Herrlichkeit dieser Zeit. Die Erkenntnis hat uns frei gemacht, hat uns zusammenkommen lassen, hat alte Feindschaften begraben und uns Frieden und mit dem Frieden Wohlstand gebracht".
"Ein naiver Gutmensch bist du doch!" schimpfte der Pessimist woraufhin der Idealist rief: "Humanismus nenne ichs, du von Bitternis zerfressner Zyniker." Und so ging es hin und her, Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr.
Einmal da kam ein Moment, da hielten sie beide inne und waren bis ins Mark erschüttert. Die Bilder die da über den Bildschirm flackerten markierten eine Zeitenwende. Kurz darauf begann ein Krieg, wie ihn seit langem keiner mehr gesehen hatte und die hohen Herren logen in die Mikrofone das es doch um Freiheit gehe, man um der Menschlichkeit willen zu den Waffen greife. Und der Pessimist sprach: "Sie nur hin, das ist die Welt wie sie schon immer war. Die hehren Ideale sind doch nichts als hohle Phrasen, die man den Leuten zum Fraß vorsetzt, auf das sie sich belügen können, dass sie denken sie seien die Kraft des Guten höchstselbst und frenetisch dem Demagogen applaudieren. Es geht ums Öl, ums Geld, um den Profit, die Gier, die Macht. Nichts weiter. Weil die Welt schlecht und der Mensch dumm ist."
Der Idealist aber sagte: "Sieh du nur hin, du alter Schwarzseher. Hier und da und dort. An allen Ecken und in aller Herren Länder gibt es Leute die das Spiel durchschauen, die nicht mehr mitmachen wollen. Viel mehr als ehedem und stetig mehr und mehr. Ganze Länder verweigern sich dem Krieg, sind nicht überzeugt von dem was ihnen aufgetischt wird, verweigern den Gehorsam. Venceremos! We shall overcome! Another world is possible!".
"Sei nicht naiv. Es ist doch nur Theater, Blendwerk für die Massen und im Hinterzimmer klüngelts fröhlich weiter, du wirst sehen", sprach der Pessimist. "Gegeneinander ausspielen werden sie die Leute, jung gegen alt, arm gegen noch ärmer, Christ gegen Muslim gegen Juden, Ost gegen West, Nord gegen Süd. Blick noch einmal in die Bücher und schau dir die Welt an wie sie wirklich ist."
Es kamen Abu Ghraib, Guantanamo, Waterboarding, Black Sites und noch vieles, vieles mehr und der Idealist sprach: "Immerhin wissen wir heute um die Verbrechen, die Mächtigen können ihre Untaten nicht länger verstecken. Die Welt wacht auf und steht digital vernetzt enger beieinander als je zuvor."
Es kam der Fall des Riesen Lehman und eine dauernde Kaskade finanzieller Erdbeben. Ein Gigant schien ins Wanken geraten, sodass der Idealist wie viele andere sprach: "Jetzt. Jetzt muss etwas geschehen. Es kann nicht weitergehen wie bisher. Das ist offensichtlich." Vieles wurde getan und getäuscht, nur geändert wurde fast nichts. Dann kam heraus, dass ein Trio neuer Nazis, die Köpfe voller Hass, munter mordend aber unbehelligt durch das Land gezogen war, und selbst dem Pessimisten wurde es mulmig. Doch viel Zeit zur Empörung blieb da kaum, auf NSU folgte NSA. Ein Aufschrei ging um den Globus und doch blieb wieder alles beim Alten. Nicht nur das, man wollt es sogar noch bunter treiben, gab sich kaum noch Müh, es zu verbergen.
Das Feuer, was nicht weit entfernt seit Jahren schon vom Krieg entfacht geflackert hatte, grad da über das Meer hinüber, das wurde größer und größer und nach dem Frühling kam der Feuersturm. Immer mehr Menschen kamen über das Wasser, doch blieb kaum Zeit darüber nachzudenken. Da waren doch der faule Grieche, der gefährliche Russe, der bekloppte Amerikaner und die unfähige Regierung, mit denen man sich zu befassen hatte. Der Idealist und der Pessimist, betrachteten die Welt mit zunehmenden Unglauben und stritten weiter.
Angelo Glashagel
Ende Teil eins
Autor: redEs war einmal ein kleiner Idealist, der sah die Welt durch die Augen eines Menschen und er sprach zu sich: die Welt ist gut, der Mensch ist gut, ist Hilfsbereitschaft, ist Toleranz, ist Liebe.
Mit dem Menschen wuchs der Idealist und er lernte und sah und las und erfuhr viele wundersame Dinge. Nach vielen Jahren, vielen Büchern, Geschichten und Geschichte, da war der Idealist auf einmal nicht mehr allein. Neben ihm saß der kleine Pessimist und er sprach: die Welt ist schlecht, der Mensch ist schlecht, ist Gier, ist Dummheit, ist Hass.
Dem widersprach der Idealist und sagte: "Das stimmt nicht. Sieh nur hier und dort und da, all die Leute die wir kennen, sie sind nicht so." Und der Pessimist erwiderte: "Hast du denn nichts gelernt? Schau in deine Bücher, sieh in die Zeitung, höre die Nachrichten, die Geschichten - der Mensch ist schlecht, er ist es schon immer gewesen und er wird es immer sein. Es gibt keine Hoffnung. Die Welt ist Konflikt, Konflikt aus Gier, aus Eigensinn, aus Verblendung und Hass."
Den Idealisten aber überzeugte dieses reden nicht, und er erwiderte: "Das mag einmal so gewesen sein, aber nicht mehr, es ist nicht mehr so wie einst. Wir sind weiter gekommen, immer wieder einen Schritt mehr. Die größten Schrecken haben wir hinter uns gelassen, die Ketten abgeworfen, die Dämonen verjagt und sind vorangeschritten um die Welt und uns selbst besser zu machen als sie, als wir das vorher waren. Und sie wird weiter besser werden. Die Welt ist Wandel, Wandel aus Erkenntnis, aus Einsicht, aus Aufklärung. Die Mehrheit der Menschen ist gut, weil sie, an allen Orten und zu allen Zeiten, einfach nur in Frieden leben will. Und irgendwann wird das auch möglich sein", sprach der Idealist, "weil der Mensch gut ist, weil er Hilfsbereitschaft ist, weil er Liebe ist."
"Es ist aber nicht die Mehrheit die zählt", sagte der Pessimist, "das hat sie noch nie. Es sind die wenigen wahrhaft Gierigen, die wahrhaft Skrupellosen, die Egomanen, die diese Welt schon immer beherrscht haben und von der Macht besoffen mit dem Schicksal ganzer Völker spielen." "Aber sie sind wenige und wir sind viele", entgegnete der Idealist, "eine andere Welt ist möglich. Sie muss möglich sein und das wahr zu machen wurde in den letzten Jahrzehnten mehr erreicht als je zuvor." sprach der Idealist.
"Wenn kümmert's heut noch wirklich ob man schwarz oder weiß ist, ob man homo oder hetero, ob man Mann ob Frau, Christ, Muslim oder Atheist ist. Was zählt ist der Mensch als solcher. Das erkannt zu haben und danach zu handeln ist der Glanz und die Herrlichkeit dieser Zeit. Die Erkenntnis hat uns frei gemacht, hat uns zusammenkommen lassen, hat alte Feindschaften begraben und uns Frieden und mit dem Frieden Wohlstand gebracht".
"Ein naiver Gutmensch bist du doch!" schimpfte der Pessimist woraufhin der Idealist rief: "Humanismus nenne ichs, du von Bitternis zerfressner Zyniker." Und so ging es hin und her, Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr.
Einmal da kam ein Moment, da hielten sie beide inne und waren bis ins Mark erschüttert. Die Bilder die da über den Bildschirm flackerten markierten eine Zeitenwende. Kurz darauf begann ein Krieg, wie ihn seit langem keiner mehr gesehen hatte und die hohen Herren logen in die Mikrofone das es doch um Freiheit gehe, man um der Menschlichkeit willen zu den Waffen greife. Und der Pessimist sprach: "Sie nur hin, das ist die Welt wie sie schon immer war. Die hehren Ideale sind doch nichts als hohle Phrasen, die man den Leuten zum Fraß vorsetzt, auf das sie sich belügen können, dass sie denken sie seien die Kraft des Guten höchstselbst und frenetisch dem Demagogen applaudieren. Es geht ums Öl, ums Geld, um den Profit, die Gier, die Macht. Nichts weiter. Weil die Welt schlecht und der Mensch dumm ist."
Der Idealist aber sagte: "Sieh du nur hin, du alter Schwarzseher. Hier und da und dort. An allen Ecken und in aller Herren Länder gibt es Leute die das Spiel durchschauen, die nicht mehr mitmachen wollen. Viel mehr als ehedem und stetig mehr und mehr. Ganze Länder verweigern sich dem Krieg, sind nicht überzeugt von dem was ihnen aufgetischt wird, verweigern den Gehorsam. Venceremos! We shall overcome! Another world is possible!".
"Sei nicht naiv. Es ist doch nur Theater, Blendwerk für die Massen und im Hinterzimmer klüngelts fröhlich weiter, du wirst sehen", sprach der Pessimist. "Gegeneinander ausspielen werden sie die Leute, jung gegen alt, arm gegen noch ärmer, Christ gegen Muslim gegen Juden, Ost gegen West, Nord gegen Süd. Blick noch einmal in die Bücher und schau dir die Welt an wie sie wirklich ist."
Es kamen Abu Ghraib, Guantanamo, Waterboarding, Black Sites und noch vieles, vieles mehr und der Idealist sprach: "Immerhin wissen wir heute um die Verbrechen, die Mächtigen können ihre Untaten nicht länger verstecken. Die Welt wacht auf und steht digital vernetzt enger beieinander als je zuvor."
Es kam der Fall des Riesen Lehman und eine dauernde Kaskade finanzieller Erdbeben. Ein Gigant schien ins Wanken geraten, sodass der Idealist wie viele andere sprach: "Jetzt. Jetzt muss etwas geschehen. Es kann nicht weitergehen wie bisher. Das ist offensichtlich." Vieles wurde getan und getäuscht, nur geändert wurde fast nichts. Dann kam heraus, dass ein Trio neuer Nazis, die Köpfe voller Hass, munter mordend aber unbehelligt durch das Land gezogen war, und selbst dem Pessimisten wurde es mulmig. Doch viel Zeit zur Empörung blieb da kaum, auf NSU folgte NSA. Ein Aufschrei ging um den Globus und doch blieb wieder alles beim Alten. Nicht nur das, man wollt es sogar noch bunter treiben, gab sich kaum noch Müh, es zu verbergen.
Das Feuer, was nicht weit entfernt seit Jahren schon vom Krieg entfacht geflackert hatte, grad da über das Meer hinüber, das wurde größer und größer und nach dem Frühling kam der Feuersturm. Immer mehr Menschen kamen über das Wasser, doch blieb kaum Zeit darüber nachzudenken. Da waren doch der faule Grieche, der gefährliche Russe, der bekloppte Amerikaner und die unfähige Regierung, mit denen man sich zu befassen hatte. Der Idealist und der Pessimist, betrachteten die Welt mit zunehmenden Unglauben und stritten weiter.
Angelo Glashagel
Ende Teil eins
