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nnz-CD-Tipp: "Human body orchestra"

Dienstag, 26. Juni 2001, 16:47 Uhr
Nordhausen (nnz). Der im modernen Music-Biz gern genommene Spruch: „Die spinnen, die Finnen!“ stimmt noch, aber andere Nordlichter halten schon längere Zeit mit. Beispielsweise die Isländer. Sie selbst definieren sich als Nachfahren von versprengten, vagabundierenden Vikingern bzw. Briten und Iren, die bei den Vikinger-Raubzügen nicht schnell genug fliehen konnten. Das ist aber schon einige tausend Jahre her.

RAGGA Brandaktuell ist dagegen das Album „Human body orchestra“ der Sängerin RAGGA, deren vokalistische Qualitäten schon ausreichen würden, das Werk in den höchsten Tönen zu loben. Der Stimmumfang dieser Frau hat mehr Oktaven, als Island Geysire besitzt. Ihre Musik ist eine Art Neo-Folk, der auf Drum'n'Bass-Rhythmen aufgebaut ist. Ungeheuer atmosphärisch und stellenweise mystisch, beruhigend und entspannend. Um Mystik und Natur, Traditionen und Symbole geht es der jungen Künstlerin auch inhaltlich. Formell verblüfft sie mit der ausgefallensten Instrumentierung, die vorstellbar ist. Wie der Titel des Albums schon andeutet, erzeugte sie alle Töne selbst und das mit und auf ihrem Körper. Die Sounds kommen von ihren Oberschenkeln, ihren Wangen oder können daher stammen, dass sie Luft durch die Faust bläst, sie rückwärts mit verengtem Kehlkopf wieder einatmet und dadurch wie eine Piccoloflöte trillert. Dann werden die Aufnahmen durch einen Computer gejagt, der auf den unergründlichen Ebenen der Leiterplatten alles sampelt, was gewünscht wird.

Und weil das an Unglaublichkeiten noch nicht ausreicht, hat Ragga auch noch ihre eigene Sprache, das „Ragic“ erfunden, die sie uns bei einigen Titeln anbietet. Zugegeben, ich kann das Isländisch nicht vom Ragic unterscheiden, doch ist die Textverständlichkeit auch nicht so wichtig, wie die Wirkung der erzeugten Töne und Beats. In die Charts wird Ragga mit diesem Album nicht stürmen - viel zu intelligent und gut gemacht.
Autor: osch

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