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Herr Höcke spricht! - Na und!

Donnerstag, 12. November 2015, 11:00 Uhr
Heute Abend veranstaltet die Thüringer AfD eine Kundgebung auf dem Nordhäuser Rathausplatz und das löst in dieser Stadt eine mittelschwere Krise aus. Dazu eine Betrachtung der nnz...


Zu den Fakten: Im vergangenen Herbst hatte die Thüringer AfD rund 100.000 sogenannte Landesstimmen erhalten, daraus resultieren 11 Mandate. Das sind übrigens genauso viel wie die SPD im Landtag innehat.

Dass die Stimme der Thüringer AfD ein gewisser Björn Höcke ist, muss man hinnehmen. Dass die Thesen, die der Geschichtslehrer vertritt nicht allen Menschen dieses Landes passen, übrigens auch dem Autor dieser Betrachtung nicht, dass ist nicht schlimm. Nicht schlimm ist aber auch, dass sich Woche für Woche Tausende auf dem Domplatz in Erfurt versammeln und genau diesem Mann zuhören wollen.

Dieses "nicht schlimm" nennt sich Toleranz. Es ist genau diese Toleranz, die zum Beispiel das Bündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) von uns allen gegenüber den Flüchtlingen und den damit verbundenen und immer stärker werdenden Problemen verlangt. Dass diese Probleme in Richtung einer nationalen Katastrophe abgleiten, soll der Blick in die Medienwelt dieses Landes verdeutlichen: "Finanzminister Schäuble warnt: Flüchtlingskrise kann zur Lawine werden" oder "Bundesregierung weiß nicht, wieviele Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen leben". Das sind nur zwei Meldungen aus einem Nachrichten-Magazin (focus.de).

Also sollten die Mitglieder des BgR auch in der Lage sein, die Toleranz Menschen zuzugestehen, die vielleicht eine andere Meinung zur Flüchtingspolitik, zur AfD oder zu Herrn Höcke haben. Doch in einer BgR-Pressemitteilung ist Herr Höcke "die Speerspitze", ein "Scharfmacher", ein "Hetzer" der eindeutig "nationalistische Positionen" vertritt.

Mich würde dazu mal gern interessieren, was die Mitglieder des BgR zu sagen hätten, wenn die CDU zu einer Kundgebung einlädt, auf der Herr Mohring oder Herr Schäuble reden würden?

Doch die Spitze an Reaktionen auf die heute AfD-Veranstaltung kommt aus dem Nordhäuser Rathaus. Dort verschickte der Hauptamtsleiter gestern eine Mail, die gegen 8.30 Uhr auf den Redaktionstisch der nnz flatterte. Sie hat folgenden Wortlauf:

Sehr geehrte Damen und Herren,
am Donnerstag, den 12.11.2015 um 18:30 Uhr findet auf dem Rathausplatz eine Kundgebung der AfD statt. Wie auch in anderen Städten möchten wir mit unseren Gebäuden keine Kulisse für diese Veranstaltung sein und wollen die Beleuchtung auf ein Mindestmaß beschränken.

Deshalb bitten wir Sie, zum Ende der Öffnungszeit um 18:00 Uhr in den Räumen in Richtung Rathausplatz das Licht auszuschalten. Bitte schön vorsichtig sein, sollte es dadurch etwas dunkler als sonst sein. Danke für Ihre Unterstützung sagt Ihnen Dirk Praetorius


Eine Kommentierung erübrigt sich und es bleibt zu hoffen, dass für die Teilnehmer der Kundgebung einer im Thüringer Landtag befindlichen Partei wenigstens die Beleuchtung des Rathausplatzes angeschaltet bleibt.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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