Betrachtungen zum 9. November
Anders denken
Donnerstag, 12. November 2015, 07:18 Uhr
Ein mildes Lüftchen weht am Montagabend durch das schon dunkle Nordhausen. Es ist der 9. November - ein Datum, so schicksalsträchtig wie kaum ein anderes in der deutschen Geschichte...
An einem 9. November brannten 1938 die Synagogen in Deutschland, Nordhausen machte da keine Ausnahme. Am 9. November beginnt in Berlin 1918 die Novemberrevolution, 1923 scheitert der Hitler-Ludendorf-Putsch in München. An einem 9. November stammelt Günter Schabowski 1989 sein Also hier steht unverzüglich in die Kameras der Weltpresse und bringt damit die Berliner Mauer zu Fall. 1848 wurde in Wien der linksliberale Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum nach einer missglückten Rebellion am 9. November standrechtlich erschossen.
Aber auch die (damals noch heftig umstrittene) Vorratsdatenspeicherung beschließt der Deutsche Bundestag 2007 am 9. November.
Wie begeht man einen solchen Tag heute? Ist es angemessen, eine fremdenfeindliche Demonstration vor dem Stadttheater abzuhalten, während vorm Rathaus ein junger Mann steht und die Namen der verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürger vorliest, die den faschistischen Barbaren zum Opfer fielen?
Wir leben jetzt in einer Demokratie. Leute wie Robert Blum und viele andere nach ihm haben mit ihrem Leben das Recht auf Versammlungsfreiheit auch für Andersdenkende erkämpft. Ein hohes Gut, das es zu bewahren gilt, auch wenn Zusammenkünfte wie die am Montagabend in der Rolandstadt niemand braucht. Bewacht von einem großen Polizeiaufgebot steht da ein Häufchen Elend, das von sich behauptet, das Volk zu sein und sich dumpfe Hasstiraden und Parolen von der NPD nahestehenden Redner anhört, die leider auch durch das tapfere Gebimmel der Dom- und anderer Kirchenglocken nicht übertönt werden können.
Sicherlich ist Deutschland heute in einer schwierigen Situation und von den nicht abreißenden Flüchtlingsströmen aus den arabischen Kriegsgebieten extrem beansprucht. Doch gerade deshalb wäre es wichtig, sich konstruktiv an einer Bewältigung der Aufgaben zu beteiligen, Toleranz gegenüber den Fremden zu üben und sie mit unserer Kultur und Lebensweise vertraut zu machen. Es gilt, die Ursachen für Vertreibung und Flucht zu bekämpfen und den Kriegstreibern der Welt endlich Einhalt zu gebieten.
Dafür lohnt es sich, auf die Straße zu gehen und die Bundesregierung an ihre Verantwortung für das Wohl ihres eigenen und aller anderen Völker zu erinnern. Wie machtvoll das Volk sein kann, hat erst kürzlich eindrücklich die Demonstration gegen das so genannte Freihandelsabkommen TTIP in Berlin gezeigt.
Olaf Schulze
Autor: nnzAn einem 9. November brannten 1938 die Synagogen in Deutschland, Nordhausen machte da keine Ausnahme. Am 9. November beginnt in Berlin 1918 die Novemberrevolution, 1923 scheitert der Hitler-Ludendorf-Putsch in München. An einem 9. November stammelt Günter Schabowski 1989 sein Also hier steht unverzüglich in die Kameras der Weltpresse und bringt damit die Berliner Mauer zu Fall. 1848 wurde in Wien der linksliberale Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum nach einer missglückten Rebellion am 9. November standrechtlich erschossen.
Aber auch die (damals noch heftig umstrittene) Vorratsdatenspeicherung beschließt der Deutsche Bundestag 2007 am 9. November.
Wie begeht man einen solchen Tag heute? Ist es angemessen, eine fremdenfeindliche Demonstration vor dem Stadttheater abzuhalten, während vorm Rathaus ein junger Mann steht und die Namen der verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürger vorliest, die den faschistischen Barbaren zum Opfer fielen?
Wir leben jetzt in einer Demokratie. Leute wie Robert Blum und viele andere nach ihm haben mit ihrem Leben das Recht auf Versammlungsfreiheit auch für Andersdenkende erkämpft. Ein hohes Gut, das es zu bewahren gilt, auch wenn Zusammenkünfte wie die am Montagabend in der Rolandstadt niemand braucht. Bewacht von einem großen Polizeiaufgebot steht da ein Häufchen Elend, das von sich behauptet, das Volk zu sein und sich dumpfe Hasstiraden und Parolen von der NPD nahestehenden Redner anhört, die leider auch durch das tapfere Gebimmel der Dom- und anderer Kirchenglocken nicht übertönt werden können.
Sicherlich ist Deutschland heute in einer schwierigen Situation und von den nicht abreißenden Flüchtlingsströmen aus den arabischen Kriegsgebieten extrem beansprucht. Doch gerade deshalb wäre es wichtig, sich konstruktiv an einer Bewältigung der Aufgaben zu beteiligen, Toleranz gegenüber den Fremden zu üben und sie mit unserer Kultur und Lebensweise vertraut zu machen. Es gilt, die Ursachen für Vertreibung und Flucht zu bekämpfen und den Kriegstreibern der Welt endlich Einhalt zu gebieten.
Dafür lohnt es sich, auf die Straße zu gehen und die Bundesregierung an ihre Verantwortung für das Wohl ihres eigenen und aller anderen Völker zu erinnern. Wie machtvoll das Volk sein kann, hat erst kürzlich eindrücklich die Demonstration gegen das so genannte Freihandelsabkommen TTIP in Berlin gezeigt.
Olaf Schulze
