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Zweite Pecha Kucha Nacht

Wildes Gebrabbel No. 2

Mittwoch, 04. November 2015, 14:50 Uhr
Im vergangenen Jahr war die "Pecha Kucha" Nacht ein Überaschungserfolg für den Tabakspeicher. Eine ganze Menge Leute waren gekommen, um sich das ungewöhnliche Vortragsformat anzusehen. Gestern fand die zweite Auflage des "wilden Gebrabbels" statt und die nnz war nicht nur mit Kamera und Notizblock dabei...

Zweite Nordhäuser Pecha Kucha Nacht im Tabakspeicher (Foto: Angelo Glashagel) Zweite Nordhäuser Pecha Kucha Nacht im Tabakspeicher (Foto: Angelo Glashagel)

Pecha Kucha, ausgesprochen in etwa "Ptscha Ktscha", kommt ursprünglich aus Japan und wurde dort eher aus der Not heraus geboren. Das berichtete Sabine Schröder, die schon den ersten Abend im vergangenen Jahr zusammen mit dem Museum Tabakspeicher organisiert hatte. Die Idee stammt von zwei Architekten, erzählte Frau Schröder eingangs, die es leid waren bei Projektbewerbungen mit viel Konkurrenz Stunden mit einer Präsentation nach der anderen zu verbringen.

Ihre Lösung: jeder bekommt die gleichen Voraussetzungen: 20 Folien, die jeweils 20 Sekunden zu sehen sind, danach ist Schluss. Macht pro Vortrag 6:40 Minuten. Die selben Regeln galten gestern auch wieder im Tabakspeicher, nur das es um viel mehr ging als allein um Architektur. Die nnz war selbst vor Ort und hat sich die Vorträge angesehen:

Volkssport Golf

Den Anfang machte Frank Lindner, Präsident des Golfparks Neustadt. Er sprach über seinen Sport und seinen Verein. Wie man erfahren konnte hatte der Sport seinen Ursprung in Holland, und wurde ursprünglich von Soldaten gespielt. Das Spiel war so beliebt, das es zunächst verboten wurde, erzählte Lindner. Bis zum Golfsport ist die Wiedervereinigung noch nicht duchgedrungen: rund 700 Golfplätzen im Westen des Landes stehen magere 61 in den Neuen Bundesländern gegenüber. Einen davon gibt es in Neustadt.

Dabei sei Golf gar nicht mehr der Sport der Reichen, sondern eigne sich zum Volkssport. Für ein ordentliches Fahrrad kann man heute mehere tausend Euro ausgeben, dagegen sei Golf geradezu erschwinglich. "Wir sind ein ganz normaler Sportverein", sagte der Präsident des Neustädter Grüns.

Was Kai Knack nicht gefällt

Vortrag Nummer zwei übernahmen Nordhausens Hüter von Recht und Ordnung - die Polizeiinspektion. Angekündigt hatte sich Reiner Stranz von der polizeilichen Beratungsstelle, um darüber zu sprechen, wie die eigenen vier Wände Einbruchssicher gemacht werden können. Herr Stranz musste leider wegen Krankheit absagen, der Kollege Soszynski sollte übernehmen.

"Kai Knack" alias Polizeisprecher Thomas Soszynski erklärte was dem Einbrecher gefällt (Foto: Angelo Glashagel) "Kai Knack" alias Polizeisprecher Thomas Soszynski erklärte was dem Einbrecher gefällt (Foto: Angelo Glashagel) Vor dem Publikum stand dann aber "Kai Knack" mit dem Brecheisen in der Hand und plauderte aus, was dem Einbrecher gefällt und was er gar nicht leiden kann. Mannshohe Hecken rund ums Haus, die sieht der Einbrecher gern und angekippte Fenster sind eigentlich offene Fenster. Bandseitensicherung, ordentliche Fenstergitter, Licht mit Bewegungsmeldern oder einen festgeschraubten Safe sehen er und seine Kollegen aber gar nicht gern, erzählte "Knack", der natürlich niemand anderes war als Polizeisprecher Soszynski. Das Gemeinste, was man einem Einbrecher antun könnte, seien Alarmanlagen. Da gebe es inzwischen ganz fiese, die einen stillen Alarm ans Handy senden und plötzlich die Polizei vor der Tür steht.

Nützliche kleine Tierchen

Diplomingenieurin Anja Susann Illiger sprach im Anschluss über "Effektive Mikroorganismen". Gemeint sind nützliche Bakterien, wie man sie seit Alters her zur Herstellung von Wein, Bier, Käse oder auch Sauerkraut verwendet. Und es gibt viele davon. Allein hinter dem linken Ohr finden sich über 2300 verschiedene Arten von Bakterien, berichtete Frau Illiger.

Ihren Job als Ingenieurin hat sie an den Nagel gehängt um sich ganz den Mikroorganismen zu widmen. Denn richtig angewandt könne man mit denen noch viel mehr machen als nur Lebensmittel herstellen. Auch in der Landwirtschaft, der Gewässer- oder Auqariumspflege und sogar der Herstellung von Farben liesen sich die "EM", die effektiven Mikroorganismen einsetzen. Wer mehr wissen will, der findet Frau Illiger heute auch auf dem ersten Naturgesundheisttag, der in der Bibliothek stattfindet.

Geschichte von Herodot bis Hegel

Wie war das mit dem "Ende der Geschichte", was hat Hegels Philosophie mit der Wissenschaft von heute zu tun, für wen schrieb Tacitus eigentlich seine "Germania" und warum sollte Nordhausen von einem Oströmischen Kaiser gegründet worden sein? - Angelo Glashagel, dem Leser dieser Zeitung vielleicht ein Begriff und auch Autor dieser Zeilen, nahm das Publikum mit auf eine rasend schnelle Reise. Von den antiken Anfängen bis in die Moderne ging es durch die Geschichte der Geschichtsschreibung und ihrer vielfachen Auslegungsvarianten. Fazit nach rund sechs Minuten: "Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.“ (Kurt Tucholsky)

Altes Handwerk mit neuem Leben

Vor ein paar Jahren musste Heike Pfeng noch bangen, ob sie mit ihrem Beruf ihre Familie noch würde ernähren können. Heute geht die kleine Werkstatt der Buchbinderin ganz gut. Die Nachfrage nach handgearbeiteten Büchern ist gestiegen und in den großen Firmen gibt es kaum noch Personal, die sich mit Buchschnitt und Zeichenband auskennen, berichtete Frau Pfeng. Ein Sprungrückenbuch mit Holzdeckel und Furnier, Metallapplikationen am Jubiläumsbuch der Firma, ein handgezeichneter Foliant als Requisite oder auch das Gästebuch aus dem Stoff des Brautkleides - die Buchbinderin zeigte neben den Alltagsaufgaben des Handwerks auch die Kuriositäten des Geschäfts.

Über die Regenbogenbrücke

Thorsten Käferstein ist Tierbestatter und hat in bald 2,5 Jahren bereits über 400 Tiere aus Thüringen und den umliegenden Bundesländern eine würdevolle letzte Ruhe ermöglicht. Die Arbeit funktioniert wie bei einem normalen Bestatter mit diskretem 24h Dienst und einer breiten Auswahl an individualisierbaren Urnen. Tierbestattungen sind indes nichts Neues, viele alte Kulturen kennen Riten rund um das Nachleben des Tieres. Mitgebracht hatte Thorsten Käferstein deswegen auch die Geschichte von der "Regenbogenbrücke", über welche die Tiere in ihr Paradies übergehen.

Porentief rein

Anja Kohls hatte wieder ein ganz anderers Thema mitgebracht: Kosmetik. Die Anti-Aging Expertin erklärte was Aquabration, Mesoporation und Elektroporation sind oder wie man Ultraschall in der Hautpflege einsetzt. Und auch die Damen, die nicht ständig vor dem Spiegel stehen wollen, hatte Frau Kohls noch was im petto: permanent Make-up das zwei bis fünf Jahre hält.

Siegen durch Nachgeben

Thomas Köhler stellte im vollen Dress die Nordhäuser Sport- und Kampfkunstakademie vor. Hier kann man Judo und Jiu Jitsu lernen. Dafür muss man keine Sportskanone sein, die Kampfsportler bieten auch Kurse für Kinder, Senioren und Frauen an, erklärte Köhler, "bis jetzt sind noch alle am Leben". Der Verein führt sein Können auch regelmäßig bei Festen und an Schulen vor. Und man nimmt natürlich an Wettbewerben teil. In Holland hatte man etwa bei Internationalen Wettkämpfen zwischen 1500 Kampfsportlern Platz 3 in der Mannschaftswertung erlangt.

Für die Schockmomente des Abends sorgte der Vortrag der Podologin Petra  Bösenberg (Foto: Angelo Glashagel) Für die Schockmomente des Abends sorgte der Vortrag der Podologin Petra Bösenberg (Foto: Angelo Glashagel)

Per Pedes

Für den Schockfaktor des Abends sorgte Podologin Petra Bösenberg. Reich bebildert berichtete die Expertin für Fuß- und Nagelerkrankungen von Fehlstellungen, eingewachsenen oder eingerollten Nägeln, Pilzbefall und den Möglichkeiten der Behandlung. Deformierungen wie Krallen- oder Hammerzeh treten laut der Podologin vor allem dann auf, wenn die Schuhe nicht richtig passen.

AltstadtINSEL - unHEIMlich SCHÖN

Die Architektinnen Kathrin Rembe und Pia Wienrich wagten ein kleines Experiment. Sie teilten sich ihre Präsentation und sprangen zwischen der Realität und der Metapher, zwischen der Rolle der Altstadt und den Schönheiten des Meeres, hin und her. Eine Altstadt brauche Leben und Dichte und dürfe nicht nur monofunktional sein, also etwa nur Wohnraum bieten. Eine Altstadt sei kein Museum sondern eher ein Labor für die Zukunft, der Kern der Stadt von dem der Rest der Gemeinde lernen könne.

Die Comic für den letzten Vortrag des Abends zeichnete Claudia Hagenfeld selbst (Foto: Angelo Glashagel) Die Comic für den letzten Vortrag des Abends zeichnete Claudia Hagenfeld selbst (Foto: Angelo Glashagel)

Nichtraucher und glücklich dabei

Claudia Hagenfeld ist Heilpraktikerin und Psychotherapeutin. Im letzten Vortrag des Abends trat sie an um eingefleischten Rauchern zu zeigen, wie man die lästige Sucht endlich los werden kann. Wichtigste Vorraussetzung dabei: man muss es auch wollen. Größtes Problem dabei sei nicht so sehr die Nikotinabhängigkeit, um die abzubauen braucht der Körper kaum drei Tage. Schwerer wiege das "Gedankenfeuer" das auf den angehenden Ex-Raucher einprasselt - ich will nicht dick werden, ich will nicht jähzornig sein, ich will nicht gestresst werden und so weiter.

Wer mit dem Rauchen aufhören wolle müsste erst einmal ergründen was die Zigarette für ihn oder sie bedeutet und danach kann man daran gehen mit Coaching und Hypnose ein Gegennarrativ zum "Gedankenfeuer" aufzubauen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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