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SWG baut Wohnungen im Zuckerweg um

Mehr Wohnraum, nicht nur für Senioren

Montag, 26. Oktober 2015, 16:18 Uhr
Aus zwei mach eins - die SWG arbeitet am Zuckerweg daran, mehr seniorengerechten Wohnraum zu schaffen. Welche Maßnahmen das Leben der älteren Mitbürger angenehmer machen sollen, konnten Interessierte zum Tag der offenen Tür in Erfahrung bringen. Allgemein geht der Trend zu mehr Wohnraum, wie die SWG in einer Umfrage ermittelte...


Annett Kreipl zeigt auf eine Tafel mit Wohnungsgrundrissen. „Das ist eine unserer neuen Zwei-Raum-Wohnungen“, erläutert Kreipl, Mitarbeiterin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG), der älteren Dame mit dem weißen Haar. Christa Kirchhoff lebt über 30 Jahre in Nordhausen. Doch mit 81 Jahren denkt sie nun darüber nach, aus ihrer Zwei-Raum-Wohnung aus und in das betreute Wohnen in den Zuckerweg 3 zu ziehen. Wie viele andere Ältere auch, nutzte die Seniorin den Tag der offenen Tür am 23. Oktober, um sich ein Bild von den Wohnungen zu machen, die die SWG in dem Wohnblock im Zuckerweg in Salza vermietet.

Jetzt werden die Wohnungen seniorengerecht umgebaut und zum Teil vergrößert. Rund 1,5 Mio Euro investiert das städtische Wohnungsunternehmen in den achtgeschossigen Wohnblock. „Wir entfernen alle Stolperfallen, so dass sich die älteren Mieter in ihren Wohnungen mit Stock oder Gehhilfe ohne Probleme bewegen können“, erläuterte SWG-Geschäftsführerin Inge Klaan.

Gleiches gilt für die Balkontüren. Hier hat man sich für zwei verschiedene Varianten entschieden: Entweder eine ebenerdige seniorengerechte Balkontür oder aber eine ebenerdige und rollstuhlgerechte Tür. Letztere ist breiter und erfordert den Einbau einer komplett neuen Fensterfront. Mieterin Ingeborg Piper ist mit ihrem neuen ebenerdigen Zugang zum Balkon sehr zufrieden. Denn jetzt kann die 86-Jährige auch mit ihrem Rolllator problemlos aus dem Wohnzimmer ins Freie fahren. „Vorher gab es drin und draußen jeweils eine Stufe“, berichtet die Seniorin. Der Gang auf den Balkon war so höchsten mit dem Gehstock möglich.

Im neuen Jahr soll der Wohnblock außerdem optisch aufgewertet werden. Die alten Balkone an der Hausrückseite werden ab- und neue in Brüstungshöhe angebaut.


Doch es passiert noch mehr in dem Achtgeschosser: „Gut ein Drittel der ursprünglichen 210 Ein-Raum-Wohnungen legen wir zu Zwei-Raum-Wohnungen zusammen“, erläutert Inge Klaan. Mit dem Umbau der Wohnungen kommt die SWG nun dem vermehrten Kundenwunsch nach größeren Wohnungen nach.

Die neu geschaffenen Zwei-Raum-Wohnungen stoßen vor allem bei älteren Ehepaaren auf Interesse. Familie Gottweiß beispielsweise ist aus dem Landkreis Apolda nach Nordhausen gezogen. „Wir haben auf dem Dorf gewohnt, doch da gibt es nichts mehr. Hier haben wir alles in der Nähe“, sagt die 75 Jahre alte Rosmarie Gottweiß und ergänzt: „Ärzte, Apotheke, Bank und Supermarkt gibt es hier in unmittelbarer Nähe.“ Und weil auch der Sohn in Nordhausen lebt, war die Entscheidung für einen Umzug in die Rolandstadt recht bald gefallen.

Die Wohnungen im Zuckerweg 3 variieren zwischen 25 und 53 Quadratmetern, die Warmmieten belaufen sich für die Ein-Raum-Wohnung im Schnitt auf etwa 240 Euro, für die Zwei-Raum-Wohnungen auf 450 Euro. In der Warmmiete inbegriffen sind auch die Grundleistungen des betreuten Wohnens, das die Volkssolidarität anbietet. Dazu zählen unter anderem eine Hausdame, Freizeitangebote und bestimmte Unterstützung für Mieter im Krankheitsfall. Weitere Leistungen wie ein Hausnotrufsystem, Einkaufs- oder Begleitservice können hinzugebucht werden.
Die angebotene Hilfe kann, muss aber nicht in Anspruch genommen werden. Deshalb steht der Wohnblock grundsätzlich allen Mietern offen. „Die Ein-Raum-Wohnungen können genauso gut auch für Mieter mit kleinem Geldbeutel interessant sein“, sagt SWG-Chefin Inge Klaan.

Große Mieterzufriedenheit in Nordhausen

Der Großteil der Mieter des Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG) ist mit der aktuellen Wohnsituation zufrieden. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die SWG kürzlich beim Erfurter Insa-Institut für Meinungs- und Sozialforschung in Auftrag gegeben hatte.

Dieses hatte Ende September insgesamt 501 Nordhäuser und Landkreisbewohner telefonisch nach deren aktueller Wohnsituation befragt. 90 Prozent der Befragten gaben an, sie seien zufrieden. Ein Fakt, den SWG-Chefin Inge Klaan freut. Klaan: „Wir wollten mit der Umfrage allerdings auch in Erfahrung bringen, was potenzielle neue Mieter von uns als Wohnungsunternehmen erwarten.“

Demnach würde mehr als der Hälfte aller Befragten eine Wohnung mit drei Zimmern und einer Größe zwischen 60 und 80 Quadratmetern favorisieren. „In den letzten Jahren geht der Trend tatsächlich zu mehr Wohnfläche pro Person. Also zu größeren Wohnungen mit zwei Schlafräumen, wovon einer dann entweder als Kinder- oder aber als Arbeitszimmer genutzt wird“, berichtet Inge Klaan und ergänzt: „Im Hinblick auf diese Entwicklung ist die SWG mit ihrem Wohnungsbestand gut aufgestellt.“ Aktuell hat das städtische Wohnungsunternehmen 4.913 Wohnungen in seinem Bestand.

Die Erfahrung zeigt außerdem: Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen sind meist nur noch für Mieter interessant, die entweder vorübergehend in Nordhausen leben oder aber deren Einkommensverhältnisse eine größere Wohnung nicht ermöglichen. Noch in den 1990er Jahren wurden vor allem Zwei-Raum-Wohnungen von den meisten Mietern nachgefragt.

Vor allem die Generation der über 50-Jährigen kann sich einen Umzug in die Stadt Nordhausen vorstellen. Für Klaan ist dieser Fakt weniger überraschend: „Wenn man in seiner Mobilität eingeschränkt ist, dann ist es in der Stadt mit einer guten Infrastruktur einfacher“, sagt Klaan. Dass die SWG in Zukunft weiter in den Ausbau von barrierefreiem Wohnraum investieren wird, sei deshalb nur folgerichtig. „Es muss uns gelingen, dass unsere älteren Mieter so lange wie nur möglich in ihrem vertrauten Zuhause bleiben können“, ist Klaan überzeugt.

Wenn schon ein Umzug vom Land in die Stadt, dann müsse die Wohnung in der Ober- oder in der Innenstadt liegen, so das Ergebnis der Umfrage. Für jüngere Befragte sind dabei vor allem die Infrastruktur und eine Innenstadtlage wichtig. Über 50-Jährige wollen lieber eine Wohnung in der Oberstadt und eine ruhige Lage. „Man kann in Nordhausen aber nicht nur in der Oberstadt oder der Innenstadt gut leben. Das ist ein Mythos“, sagt Klaan. Genauso gut seien die Wohnquartiere in Salza. Hier sei die Nachfrage bei Nordhäusern von jeher groß. Ortsfremde würden jedoch eher eine Wohnung in der Kernstadt suchen.
Autor: red

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