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Konzert in der Stützpunktschule

Wir lernen alle gerade laufen

Sonntag, 25. Oktober 2015, 13:32 Uhr
Es war ein kleines, feines Konzert das man gestern im Atrium der Petersbergschule organisiert hatte. Als Beitrag zur Willkommenskultur waren nicht nur Flüchtlinge eingeladen worden, man wollte ein Konzert für alle Menschen spielen. Wie die Arbeit an der Stützpunktschule läuft, war am Rande der Veranstaltung auch zu erfahren...

Die Idee zu dem kleinen Auftritt hatte Daniela Heise, Leiterin der jungen Musikergruppe "con fermezza", die am Abend im Atrium aufspielten. Das Nordhäuser Gitarrenensemble gibt es schon seit 1996 und vereint junge Musikerinnen und Musiker, die sich dank der gemeinsamen Leidenschaft für das musizieren und dem Erfolg bei diversen Orchesterwettbewerben auch über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht haben.

In der Petersbergschule zeigten sie ihre Repertoire, das von klassischen Klängen bis Pop reicht. Zu Gast waren einige der Neuankömmlinge, darunter auch zahlreiche Kinder, sowie einige Einheimische. Viele waren es allerdings nicht, die Veranstaltung die in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung organisiert wurde, war kaum beworben worden.

Den Ort hatte man indes wohl bewusst gewählt: seit Anfang September ist die Petersbergschule die erste "Stützpunktschule" im Landkreis, in der zentral eine spezielle Sprachlernklasse für Kinder mit Migrationshintergrund eingerichtet wurde. Diese sollen auf den normalen Unterricht im geregelten Klassenverband der Schule vorbereiten. Inzwischen ist auch die Ellricher Regelschule "Stützpunkt", weitere Schulen könnten in Zukunft folgen.

Konzert in der Petersbergschule (Foto: Angelo Glashagel) Konzert in der Petersbergschule (Foto: Angelo Glashagel)

Ganz neu ist die Situation für die Petersbergschule nicht. Für Nordhausen war der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund an der Petersbergschule schon lange größer als anderswo, ein Umstand der unter anderem den Ausschlag dafür gegeben hatte, dass sich das Kollegium der Schule ausdrücklich als Stützpunkt angeboten hatte.

Neu sind daher vor allem die Sprachlernklassen, mit denen bisher noch niemand Erfahrungen sammeln konnte. "Wir lernen gerade alle laufen", sagte Rüdiger Neitzke, Schulsozialarbeiter der Petersbergschule der nnz am Rande des Konzerts. "Die Lehrer haben da keine geregelte Klasse vor sich, sondern erst einmal einen Raum voller Einzelschicksale", erläuterte Neitzke, "das können zum Beispiel Jugendliche dabei sein, die noch keinen Tag ihres Lebens in der Schule waren und auf der anderen Seite Kinder, die schon nahezu perfekt Englisch sprechen."

Wegen der hohen Bandbreite hat man jetzt noch einmal Unterstützung von außerhalb bekommen. Acht Ehrenamtliche aus dem Integrationslotsenprojekt des Verein Schrankenlos werden die Lehrer hin und wieder punktuell entlasten, etwa wenn es um praktische Unterrichtselemente wie die Hauswirtschaft oder die Arbeit im Computerkabinett geht. Den Lehrern bleibt so mehr Zeit für die gezielte Sprachförderung.

Die Erfahrung zeige, das es im Schnitt etwa ein Jahr brauche, bis die Kinder am normalen Unterricht teilnehmen könnten, sagte Rüdiger Neitzke. "Wichtig ist, das wir angefangen haben." Langfristig wären die Klassen auch ohne Flüchtlingskrise vonnöten gewesen, erklärte der Sozialarbeiter. Auch heute nehmen nicht nur Flüchtlinge sondern auch Kinder von Russlanddeutschen und aus Polen an den Sprachklassen teil.
Angelo Glashagel
Autor: red

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