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Tag der Thüringer Bibliotheken in Nordhausen

Orte der Begegnung

Mittwoch, 21. Oktober 2015, 14:00 Uhr
Der 21. Thüringer Bibliothekstag findet heute in Nordhausen statt. Zu großen Versammlung der Thüringer Bibliothekare sprach auch Kulturminister Hoff. Zu Sprache kam dabei nicht nur das liebe Geld, sondern auch die Flüchtlingsproblematik...

Bibliotheken sind heute nicht mehr nur Orte, an denen Bücher aufgehoben und für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, sondern Orte der Begegnung und des Gesprächs - das war der Tenor des 21. Thüringer Bibliothekstages. Unter dem Wahlspruch "Bibliotheken neu denken" ging es in Vorträgen und Dikussionen um die Entwicklung der Bibliothekslandschaft in den letzten 25 Jahren, die aktuellen Planungen und um neue Perspektiven der altehrwürdigen Institutionen.

Begrüßt wurden die Gäste durch Oberbürgermeister Klaus Zeh, der in der Nordhäuser Bibliothek naturgemäß eine Erfolgsgeschichte sieht. Den vielen Vorbehalten im Vorfeld der Eröffnung zum trotz könne man heute sagen, so Zeh, das dass Konzept aufgegangen sei. Das Ambiente des Hauses ziehe Kinder, Senioren, Stundenten und Schüler an.

Die Biblitothek von heute habe sich im Vergleich zu den Häusern seiner Kindheit verändert, meinte auch Thüringens Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff. Bibliotheken sind laut Hoff heute keine Orte mehr, an denen einfach Bücher aufbewahrt werden, sondern eher wie "Wohnzimmer", die zum Verweilen und zu Austausch und Dialog einladen.

Doch es ging heute nicht nur um kulturpolitische Ideale, sondern auch um die harte Realität. Zu der kam auch Hoff recht schnell nach seinem lockeren Einstieg. Der erste Punkt war, nicht anders war es zu erwarten, das Geld. 1,9 Milliarden Euro fließen über den kommunalen Lastenausgleich vom Freistaat an die Kommunen, so Hoff, und aus anderen Töpfen kommt noch mehr Geld hinzu. Rund 9 Millionen kommen etwa aus dem Topf des Kulturlastenausgleichs, der für Gemeinden mit Einrichtungen von überregionaler Bedeutung gedacht ist, also auch für Nordhausen. Genug Geld für all das, was der Kulturbereich gerne machen würde, werde es aber nie geben.

Zum 21. Thüringer Bibliothekstag sprach auch Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff (Foto: Angelo Glashagel) Zum 21. Thüringer Bibliothekstag sprach auch Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff (Foto: Angelo Glashagel)

Als Herausforderung für die Zukunft sieht Hoff in diesem Sinne vor allem strukturelle Probleme. Die vorhandenen Mittel könnten nach der Gebietsreform etwa besser eingesetzt werden, warb der Minister. Auch einzelne Projekte und Programme wie zum Beispiel die Kulturagenten müsse man stärker mit den etablierten Insitutionen vernetzen.

Der zweite Punkt war, wie eigentlich über all dieser Tage, die Flüchtlingsproblematik. Hier holte Hoff weit aus, sprach über die vom Bürger gefühlte Diskrepanz zwischen dem was man privat und was man öffentlich sagt und der Suche der Landesregierung nach dem richtigen "Kompass". Der sei zur Zeit vor allem in einer Richtung klar und das sei die Notwendigkeit mit der gegebenen Situation umzugehen.

Biblitohek neu denken - so das Motto des 21. Thüringer Bibliothekstages (Foto: Angelo Glashagel) Biblitohek neu denken - so das Motto des 21. Thüringer Bibliothekstages (Foto: Angelo Glashagel)
25 Jahre lang habe man sich in Thüringen vor allem mit Schrumpfung befassen müssen, so Hoff weiter, nun sollte man versuchen die Herausforderungen der Flüchtlingssituation auch mit Wachstumspotentialen zu verbinden. Auch mitten in der Krise stehe Thüringen noch gut da, der Arbeitsmarkt sei weiterhin stabil, die Steuereinnahmen höher als erwartet. Das Geld, was man jetzt für die Bewältigung der Flüchtlingskrise ausgeben müsse, wirke zudem wie ein Konjunkturprogramm, die Kosten seien Ausgaben mit ökonomischer Wirkung.

Es würde Veränderungen geben, nicht nur für die Kommunen sondern auch für die Flüchtlinge. Für viele gebe es keine Bleibeperspektive. Und mit der Personalaufstockung im Berliner Migrationsministerium werden wohl demnächst auch liegengebliebene Fälle bearbeitet werden. Auch das bedeute eine Herausforderung
für die Regierung, erklärte der Minister, bei der man Maß und Kompass behalten müsse.

Zur Zeit werden pro Monat rund 3000 Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt, so Hoff. Diejenigen, die bleiben können, werden Veränderung mit sich bringen. In Zukunft sollte deswegen auch vermehrt über Integration gesprochen werden. Für Hoff sind die Hauptpfeiler hier: Sprache, Schule, Arbeit. Integration entsteht durch Begegnung und die kann dort stattfinden, wo die Flüchtlinge sind - in den Kommunen. Und hier kommen dann auch die Bibliotheken wieder als Orte der Begegnung wieder ins Spiel. Welche Ideen es dazu in Thüringens Bücherhäusern gibt, auch darüber wird heute wohl noch gesprochen werden.
Angelo Glashagel
Autor: red

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