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Dichter in der Dicherstätte

Wahre Geschichten um vier Dichter

Mittwoch, 21. Oktober 2015, 08:48 Uhr
Am Samstag wird in der „Dichterstätte“ in Limlingerode eine Begebenheit im Mittelpunkt stehen, die sich 25. März 1781 in Ellrich zutrug. Mit ihr verbunden sind gleich vier Dichter, deren Worte in der Dichterstätte dann auch wieder Gehör finden werden...

Der damals dort als Kanzleisekretär arbeitende Dichter Leopold Friedrich Günther Goeckingk wollte an diesem Tag für den am 15. Februar in Braunschweig mit erst 52 Jahren verstorbenen hochverehrten Dichter und Freund Gotthold Ephraim Lessing eine Gedenkfeier abhalten.

Es wird eine der wenigen sein, die es in Deutschland damals gab. Der Ort der Würdigung ist eine Scheune hinter dem Wohnhaus Goeckingks im Harzstädtchen, díe er zu einem Komödienhaus ausgebaut hatte, „hübsch mit gelber Erde und Kienruß“ angestrichen. Dort wurde vor allem mit Laien Theater gespielt. Nun kommt der Fabeldichter, Lyriker und Domsekretär Johann Wilhelm Ludwig Gleim in Halberstadt ins Spiel, wie Goeckingk ein Dichter der Aufklärung. Man kannte sich sehr gut, stand in beständigem Briefaustausch.

In dessen Haus unweit des Domes schuf der rührige, für Menschen offene Mann einen „Freundschaftstempel“, der seines gleichen suchte. Er hatte im Laufe der Zeit auf Gemälden seine Dichterfreunde und andere bekannte Zeitgenossen der Kunst und Geisteswissenschaften um sich versammelt und besaß eine der großen Bibliotheken. Bei seinem Tod hatte er ca. 120 Gemälde angeschafft - auch ein Goeckingk-Porträt ist darunter - und hinterließ eine umfängliche Brief- und Autografensammlung, zu der man noch heute im Gleimhaus in Halberstadt Zugang hat.

Die Geschichte beginnt mit Leopold Friedrich Günther Goeckingk (Foto: Heidelore Kneffel) Die Geschichte beginnt mit Leopold Friedrich Günther Goeckingk (Foto: Heidelore Kneffel) Für den Ellricher war 1781 also ein Gemälde von Lessing aus der Sammlung wichtig, er wollte es unbedingt bei der Gedenkfeier dabei haben. Wie der Wunsch in Erfüllung ging und auf welche Weise die Feier ablief, das kommt am 24.10. in Limlingerode zur Sprache.

Um dieses Lessingporträt dreht sich auch eine Geschichte mit Johann Wolfgang Goethe, der mit seinem Freund Friedrich August Wolf, dem Sprachengenie, aus hiesiger Region stammend, anlässlich seiner Harzreise 1805 auch bei Gleim vorbeischaute, der allerdings 1803 verstorben war. Der Nachlassverwalter Körte führte sie. Goethe möchte daraufhin Lessing in Weimar zeigen. Körte schreibt am 29. September 1805 an den Dichter: „Hier ist Lessings Bild, und ich habe noch nicht leicht einen Wunsch mit solcher Freude erfüllt.“ 1806 wurde das Bild in Weimar ausgestellt. Goethe säumte ziemlich lange, ehe er das Gemälde zurückbringen ließ.

Es ist klar, dass die genannten vier Poeten auch mit ihren Werken in der „Dichterstätte“ zu Wort kommen.
Autor: red

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