Gegen die kollektive Depression
Gästebuch Zu_Flucht in Nordhausen
Dienstag, 27. Oktober 2015, 10:32 Uhr
Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht und einige haben es auch bis nach Nordhausen geschafft. Welche Geschichten und Schicksale sich hinter den anonymen Zahlen verstecken, will jetzt das "Gästebuch Zu_Flucht" erkunden, ein Projekt bei dem es darum geht, mit den Flüchtlingen zu reden, anstatt über sie...
800.000 oder eine Million für Deutschland, 830 für den Landkreis, 60 Millionen Menschen weltweit, 40 Millionen Inlandsflüchtlinge - in der Flüchtlingskatastrophe wird man vor allem mit Zahlen konfrontiert. Hinter der Statistik aber stehen einzelne Schicksale, Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, von denen jeder und jede ihre oder seine eigene Geschichte, eigene Vorstellungen, Hoffnungen und Sorgen hat.
Angesichts des Ausmaßes der Flüchtlingsströme ist eine Verengung auf die Zahlen verständlich, die Masse ist zu groß, die Einzelheiten gehen in ihr unter. Auch in Nordhausen, wo man es bisher lediglich mit ein paar hundert Flüchtlingen zu tun hat. Damit aus Zahlen wieder Menschen werden, ist man zur Zeit dabei, einige der Neuankömmlinge aber auch Alteingesessene Mitbürger mit fremden Wurzeln zum Interview zu bitten.
Im "Gästebuch" suchen die Macher das Gespräch mit Menschen aus verschiedenen Nationen, die es auf dem einen oder anderen Weg alle nach Nordhausen verschlagen hat. In einem je drei Seiten umfassenden Porträt wird darüber gesprochen, woher sie kommen, wie das Leben in der alten Heimat ausgesehen hat, warum man geflohen ist und wieso man gerade hierher gekommen ist. Dabei werden nicht nur einzelne Erwachsene befragt, sondern auch Familien, Leute die erst jüngst nach Nordhausen gelangt sind und auch solche, die schon seit Jahren in der Stadt leben.
"Uns geht es auch darum, als Gesellschaft nicht in eine kollektive Depression zu verfallen. Wir wollen Erfolge zeigen, und den Begriff als solches in einem anderen Licht sehen, zeigen, das es schon als Erfolg gewertet werden kann, es bis nach Deutschland geschafft zu haben", sagte Alexander Scharff, Politiker der Linken und Gewerkschafter der IG Metall, der das Projekt der Gewerkschaft zusammen mit Susan Wille betreut. Die gebürtige Nordhäuserin lebt heute in Leipzig und arbeitet als Lektorin und Übersetzerin, was angesichts der Sprachbarriere eine mehr als nützliche Ergänzung darstellt.
Die Interviews werden seit einigen Tagen geführt. Mit einer Veröffentlichung des "Gästebuches" wird Anfang Dezember gerechnet.
Angelo Glashagel
Autor: red800.000 oder eine Million für Deutschland, 830 für den Landkreis, 60 Millionen Menschen weltweit, 40 Millionen Inlandsflüchtlinge - in der Flüchtlingskatastrophe wird man vor allem mit Zahlen konfrontiert. Hinter der Statistik aber stehen einzelne Schicksale, Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, von denen jeder und jede ihre oder seine eigene Geschichte, eigene Vorstellungen, Hoffnungen und Sorgen hat.
Angesichts des Ausmaßes der Flüchtlingsströme ist eine Verengung auf die Zahlen verständlich, die Masse ist zu groß, die Einzelheiten gehen in ihr unter. Auch in Nordhausen, wo man es bisher lediglich mit ein paar hundert Flüchtlingen zu tun hat. Damit aus Zahlen wieder Menschen werden, ist man zur Zeit dabei, einige der Neuankömmlinge aber auch Alteingesessene Mitbürger mit fremden Wurzeln zum Interview zu bitten.
Im "Gästebuch" suchen die Macher das Gespräch mit Menschen aus verschiedenen Nationen, die es auf dem einen oder anderen Weg alle nach Nordhausen verschlagen hat. In einem je drei Seiten umfassenden Porträt wird darüber gesprochen, woher sie kommen, wie das Leben in der alten Heimat ausgesehen hat, warum man geflohen ist und wieso man gerade hierher gekommen ist. Dabei werden nicht nur einzelne Erwachsene befragt, sondern auch Familien, Leute die erst jüngst nach Nordhausen gelangt sind und auch solche, die schon seit Jahren in der Stadt leben.
"Uns geht es auch darum, als Gesellschaft nicht in eine kollektive Depression zu verfallen. Wir wollen Erfolge zeigen, und den Begriff als solches in einem anderen Licht sehen, zeigen, das es schon als Erfolg gewertet werden kann, es bis nach Deutschland geschafft zu haben", sagte Alexander Scharff, Politiker der Linken und Gewerkschafter der IG Metall, der das Projekt der Gewerkschaft zusammen mit Susan Wille betreut. Die gebürtige Nordhäuserin lebt heute in Leipzig und arbeitet als Lektorin und Übersetzerin, was angesichts der Sprachbarriere eine mehr als nützliche Ergänzung darstellt.
Die Interviews werden seit einigen Tagen geführt. Mit einer Veröffentlichung des "Gästebuches" wird Anfang Dezember gerechnet.
Angelo Glashagel
