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Erinnert und gedacht

Wanderung durch den Südharz

Mittwoch, 07. Oktober 2015, 07:51 Uhr
Am 3. Oktober trafen sich 29 wanderfreudige Christen aus Wernigerode, dem Umfeld und aus Leipzig zu ihrem traditionellen Wandertag am Vogelherd in Blankenburg. Manfred Kappler war mit dabei und berichtet...


Die geplante 10 KIlometer lange Wanderung war eine leichte aber sehr interessante und geschichtsträchtige Tour mit einem Höhenunterschied von 170 Meter.

Wem ist es schon bewusst, dass Blankenburg eine trockene Stadt ist? Kein Bach oder Fluss führt in diese Stadt und trotzdem wurde diese Burg auf den „Blanken Stein“ gebaut und die Stadt unterhalb dieses Berges.

Es erscheint wie eine paradoxe Geschichte, denn Blankenburg hatte einmal 13 Mühlen ohne die Mühlen des Klosters Michaelstein. Gehen wir der Sache mal auf den Grund, denn der Schlossteich und die Mühlen mussten ja mit Wasser versorgt werden. Folgen wir mal der Waldstraße bis zum Wasserbehälter und weiter, dort stoßen wir auf einen alten trockenen Graben.

Den Schlossteichgraben welcher eine Rohrunterführung durch die Straße hat. Bei näherem Hinsehen entdeckt man noch einen historischen Wasserstollen welcher in Richtung Schlossteich führt. Hier handelt es sich um ein historisches, wohldurchdachtes Graben und Wassersystem als Energielieferant aus Richtung Schöth-Tal - Brauner Sumpf. Folgen wir nun diesem Graben, so stoßen wir auf einen alten Überlauf oder eine Einleitung aus dem "Jordan", dem kleinen Bruder aus der Bibel, welcher wie sein großer Bruder aus mehreren kleinen Quellbächen entsteht. Woher dieser kleine Jordan seinen Namen hat und ob in ihm oder mit seinem Wasser Menschen zu Christen getauft wurden, darüber ist nichts bekannt. Der Jordan mündet vor Quedlinburg in die Bode.

Interessant ist, dass sich in historischen Unterlagen die Nennung, einer sogenannten „Finierhütte“ um 1766, vorhanden ist. Diese Hütte soll von 1756 – 1800 ca. 44 Jahre im Betrieb gewesen sein. Es muss sich hierbei um eine Saigerhütte gehandelt haben, in welcher das Kupfer aus Treseburg verhüttet und Silber für die Münzen gewonnen wurde. So sagen die Unterlagen der Treseburger Hütte aus. Dieses Gewerbegebiet umfasste die Hüttenanlage mit über 5 Gebäuden und Teichen mit einem entsprechenden Grabensystem, welches für dieses Gegend etwas Besonderes darstellt.

Hieran Ist ersichtlich wie der Mensch mit der Natur und Umwelt gemeinsam gelebt haben. Wasser ist nicht nur Leben, sondern auch ein mehrfach einsetzbarer Energielieferant. Denn nicht nur die Hüttenanlage und die ca.13 Mühlen arbeiteten mit diesem Wasser, welches im Schlossteich zwischen gespeichert wurde. Es war ein schonender Umgang mit dem was uns die Schöpfung unsere Natur liefert.

Unsere Wanderung geht durch einen wunderbaren Laubmischwald mit sehr interessanten Baum und Stammbildungen von Buchen und sehr alten Eichen. Besonders hier in der Nähe des Silberhüttenteiches an welchem wir inzwischen angekommen sind. Es geht weiter durch diesen schönen Wald zum Sägemühlenteich und weiter bis zu einem Damm an der Sumpfwiese „Brauner Sumpf“. Hier könnte sich ein weiterer Stauteich oder Stausumpf befunden haben. Als Besonderheit ist das hier wachsende Indische-Riesen-Springkraut.

Ob der Hüttenröder Bergbau am Braunen Sumpf hier das ehemalig stärker fließende Wasser abgegraben oder abgeleitet hat kann an dieser Stelle nicht bestätigt werden.

Hier verlassen wir die Waldstraße und steigen rechts etwas Steil zum Bielsteinfelsen auf. Im Harz gibt es ca. 10 Bielsteinklippen, wie unter anderem in Wernigerode, Rübeland, Altenbrak und auch bei Ilfeld-Wiegersdorf. Diese Bielsteine sind altgermanische Kultstätten des Waldgottes Biel welcher an 3. Stelle der Götterrkollektion zu finden ist. Er war der Gott des Waldes und des Wachstums. Diese Stellen befinden sich in der Regel immer über einem Kerbtal mit einem Berg oder Höhenzug im Osten bzw. Südosten. Somit sind es sonnige Ausflugsziele mit meist einer schönen Aussicht.

Unsere Wanderung geht weiter durch abwechslungsreichen Laubmischwald, vorbei an blühenden Heideflächen über den Herzogsweg zu Luisenburg, welche eigentlich keine Burg war sondern ein Lustschloss zugehörig zum Blankenburger Schloss ist. Von hier haben wir eine sehr schöne Aussicht. Dieses Lustschloss wurde vom Blankenburger Herzog für seine Frau Luise 1728 erbaut, heute nur noch einige Fundamente mit einem überdachten Aussichtspunkt und einer Stempelstelle Nr:77 der Harzer Wandernadel. Unter uns liegt Cattenstedt und links neben der Teufelsmauer Timmenrode.

Wir wandern bergab zum Blankenburger Schlossmit einem Blick auf die Stadt. Nach einem Besuch im Schlosshof geht unser Weg durch die Barocken Schlossgärten, weiter zum kleinen Schloss mit einer Kopie des Braunschweiger Löwen. Die Blankenburger Schlossgärten gehören zu den „Gartenträumen- Gärten und Parks“ in Sachsen Anhalt. Sie bestehen aus dem Terrassengarten, dem Berggarten, Fasanengarten, dem Schlosspark und dem Tiergarten mit Teilen der historischen Stadtmauer.

Ein wunderbarer Wandertag geht langsam zu Ende, ein Grund Danke zu sagen für die Schöpfung mit dieser einmaligen Natur und Landschaft und Allem was diese uns liefert. Ein Grund darum zu beten das uns dieses noch lange erhalten bleibt und nicht durch den Menschen und deren Einflüsse zerstört wird. Denn der Mensch ist auf dem besten Wege dabei sich seinen Lebensraum zu zerstören. Danke für alles was die Natur uns gibt und was wir erleben und zum Leben bekommen.

In der Gaststätte „Vogelherd“ ließen wir diesen schönen Wandertag mit einem frischen Glas Bier oder einem Kaffee zu Ende gehen.
Manfred Kappler
Autor: red

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