Insolvenzverwalter als Hauptsponsor
Freitag, 22. Juni 2001, 13:02 Uhr
Nordhausen (nnz). Wacker Nordhausen wird als Verein fortbestehen. Das beschlossen gestern 36 Mitglieder des Traditionsvereins. Zuvor hatte Insolvenzverwalter Olaf Kupke die Mitglieder über den aktuellen Stand des Insolvenzverfahrens informiert.
Mit dem gestrigen Beschluß kann das Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. Der Verein ist jedoch in den zurückliegenden Monaten so geschwächt worden, daß es eine lange Zeit dauern wird, ehe wieder gefestigte Strukturen zu erkennen sind, so das Fazit von Kupke. Als Beispiel dafür nannte Kupke eine unzureichende Vereinsführung oder eine am Boden liegende Buchhaltung. So seien zum Beispiel fällige Beiträge an die Krankenkassen nicht überwiesen worden, obwohl das notwendige Geld auf den entsprechenden Konten lagerte. Auch seien keine vierteljährlichen Steuererklärungen abgegeben worden. Kupke wiederum outete sich als Hauptsponsor des Vereins. Er hat nach eigenen Angaben seine Vergütung als Insolvenzverwalter in Höhe von 23.000 Mark an den Verein überwiesen.
Als neuer Herr über die Finanzen wurde den Mitgliedern Hans-Peter Kell vorgestellt. Der Unternehmensberater mag impulsiv sein, was er bei seiner Vorstellung von sich gab, zeigte deutlich auf, was auf den Verein zukommen wird. Mindestens 300.000 Mark müssen für den Spielbetrieb in der kommenden Saison aufgebracht werden. Hier bedürfe es eines großen Engagements der Mitglieder, der alten und neuen Sponsoren aber auch der kommunalen Politik. Kell beklagte zum Beispiel, daß kein Vertreter der Stadtverwaltung den Weg - trotz Einladung - an den Albert-Kuntz-Sportpark gefunden hatte.
In seinem Bericht zog Vereinspräsident Wolfgang Lutze denn auch eine verheerende Bilanz der zurückliegenden Saison. Es sei die schärzeste Serie im Vereinsleben gewesen. Die Ursachen liegen aber auch in der Arbeit des vorangegangenen Präsidiums begründet, so Lutze. In deren Verantwortung sei zugelassen worden, daß insgesamt 30 Spieler den Verein verlassen hätten, vier Mannschaften abgestiegen sind. Derzeit laufen die Verhandlungen mit den Spielern der ersten Mannschaft. Lutze geht gegenüber nnz davon aus, daß weitere Spieler den Verein verlassen werden. Die Rede ist von Frank Schneider und Maik Rüdiger. Letzterer habe ein Angebot von Wacker erhalten, aufstocken werde man auf keinen Fall. Momentan sind 13 Spieler unter Vertrag, in der kommenden Woche werde es sicherlich noch drei bis vier Schnellschüsse geben müssen, heute soll ein Vertrag mit einem Spieler aus Niedersachswerfen unterschrieben werden.
Beschlossen wurde in der außerordentlichen Mitgliederversammlung auch die künftige Konsolidierung. Der Grundtenor lautet: Wir geben nur das aus, was wir einnehmen! Neue Sponsoren müssen gefunden werden, es wird auch keine Wacker-Marketing GmbH mehr geben. Ein neuer Nachwuchsleiter wird gesucht, die Geschäftsstellenarbeit muß verbessert werden. Unverständlich sei für Lutze das Engagement der Stadt Nordhausen. Während für Jugend- und Sportbereich nur knapp 700.000 Mark ausgegeben werden, stellt die Stadt für das Theater jedes Jahr mehr als vier Millionen Mark zur Verfügung. Salopp bemerkte er: In Nordhausen laufen viel zu viele dicke Kinder herum und die gehen nicht mal ins Theater!
Als der neue Wacker-Schatzmeister Kell die Sprache auf die Wacker-Marketing GmbH brachte, schien die Luft im Hotel am Stadtpark zu kochen. Sofort sprangen Ex-Präsident Seidenstücker und der von ihm installierte Geschäftsführer Schmidt hoch. Wir haben keine Geheimnisse, erst Herr Schmidt hätte Ordnung in die Buchhaltung gebracht, so Seidenstücker. Kell allerdings behauptete, daß seitens der Wacker-GmbH kein Geld an den Verein geflossen sei. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Nordhäuser an die hochtrabenden Ansprüche der GmbH. Da sollte sogar der Deutschen Post Konkurrenz gemacht werden. TaTü TaTA - die Wacker-Post ist da titelte einst die BILD-Zeitung.
Viele Sponsoren haben ihre Verträge mit der Gesellschaft angeschlossen und auch eingezahlt, letztlich hätten sie doch nur deren Geschäftsführer bezahlt, war am Rande der Versammlung zu hören. Ab 1. Juli wird der Verein die Verträge mit den Sponsoren selbst abschließen. Jede Sponsorenmark soll dann auch dem Verein zufließen. Wenn die Saison dann im Laufen ist, dann werde der Verein den Geschäftsverkehr der Marketing GmbH prüfen lassen. Sehr sorgfältig, kündigte Wolfgang Lutze gegenüber nnz an.
Autor: nnzMit dem gestrigen Beschluß kann das Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. Der Verein ist jedoch in den zurückliegenden Monaten so geschwächt worden, daß es eine lange Zeit dauern wird, ehe wieder gefestigte Strukturen zu erkennen sind, so das Fazit von Kupke. Als Beispiel dafür nannte Kupke eine unzureichende Vereinsführung oder eine am Boden liegende Buchhaltung. So seien zum Beispiel fällige Beiträge an die Krankenkassen nicht überwiesen worden, obwohl das notwendige Geld auf den entsprechenden Konten lagerte. Auch seien keine vierteljährlichen Steuererklärungen abgegeben worden. Kupke wiederum outete sich als Hauptsponsor des Vereins. Er hat nach eigenen Angaben seine Vergütung als Insolvenzverwalter in Höhe von 23.000 Mark an den Verein überwiesen.
Als neuer Herr über die Finanzen wurde den Mitgliedern Hans-Peter Kell vorgestellt. Der Unternehmensberater mag impulsiv sein, was er bei seiner Vorstellung von sich gab, zeigte deutlich auf, was auf den Verein zukommen wird. Mindestens 300.000 Mark müssen für den Spielbetrieb in der kommenden Saison aufgebracht werden. Hier bedürfe es eines großen Engagements der Mitglieder, der alten und neuen Sponsoren aber auch der kommunalen Politik. Kell beklagte zum Beispiel, daß kein Vertreter der Stadtverwaltung den Weg - trotz Einladung - an den Albert-Kuntz-Sportpark gefunden hatte.
In seinem Bericht zog Vereinspräsident Wolfgang Lutze denn auch eine verheerende Bilanz der zurückliegenden Saison. Es sei die schärzeste Serie im Vereinsleben gewesen. Die Ursachen liegen aber auch in der Arbeit des vorangegangenen Präsidiums begründet, so Lutze. In deren Verantwortung sei zugelassen worden, daß insgesamt 30 Spieler den Verein verlassen hätten, vier Mannschaften abgestiegen sind. Derzeit laufen die Verhandlungen mit den Spielern der ersten Mannschaft. Lutze geht gegenüber nnz davon aus, daß weitere Spieler den Verein verlassen werden. Die Rede ist von Frank Schneider und Maik Rüdiger. Letzterer habe ein Angebot von Wacker erhalten, aufstocken werde man auf keinen Fall. Momentan sind 13 Spieler unter Vertrag, in der kommenden Woche werde es sicherlich noch drei bis vier Schnellschüsse geben müssen, heute soll ein Vertrag mit einem Spieler aus Niedersachswerfen unterschrieben werden.
Beschlossen wurde in der außerordentlichen Mitgliederversammlung auch die künftige Konsolidierung. Der Grundtenor lautet: Wir geben nur das aus, was wir einnehmen! Neue Sponsoren müssen gefunden werden, es wird auch keine Wacker-Marketing GmbH mehr geben. Ein neuer Nachwuchsleiter wird gesucht, die Geschäftsstellenarbeit muß verbessert werden. Unverständlich sei für Lutze das Engagement der Stadt Nordhausen. Während für Jugend- und Sportbereich nur knapp 700.000 Mark ausgegeben werden, stellt die Stadt für das Theater jedes Jahr mehr als vier Millionen Mark zur Verfügung. Salopp bemerkte er: In Nordhausen laufen viel zu viele dicke Kinder herum und die gehen nicht mal ins Theater!
Als der neue Wacker-Schatzmeister Kell die Sprache auf die Wacker-Marketing GmbH brachte, schien die Luft im Hotel am Stadtpark zu kochen. Sofort sprangen Ex-Präsident Seidenstücker und der von ihm installierte Geschäftsführer Schmidt hoch. Wir haben keine Geheimnisse, erst Herr Schmidt hätte Ordnung in die Buchhaltung gebracht, so Seidenstücker. Kell allerdings behauptete, daß seitens der Wacker-GmbH kein Geld an den Verein geflossen sei. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Nordhäuser an die hochtrabenden Ansprüche der GmbH. Da sollte sogar der Deutschen Post Konkurrenz gemacht werden. TaTü TaTA - die Wacker-Post ist da titelte einst die BILD-Zeitung.
Viele Sponsoren haben ihre Verträge mit der Gesellschaft angeschlossen und auch eingezahlt, letztlich hätten sie doch nur deren Geschäftsführer bezahlt, war am Rande der Versammlung zu hören. Ab 1. Juli wird der Verein die Verträge mit den Sponsoren selbst abschließen. Jede Sponsorenmark soll dann auch dem Verein zufließen. Wenn die Saison dann im Laufen ist, dann werde der Verein den Geschäftsverkehr der Marketing GmbH prüfen lassen. Sehr sorgfältig, kündigte Wolfgang Lutze gegenüber nnz an.
