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Neuer Intendant, neues Team

Das Rad wird nicht neu erfunden

Freitag, 25. September 2015, 14:06 Uhr
Mit dem Weggang von Lars Tietje endet am Nordhäuser Theater eine Ära. Jedem Ende wohnt aber auch ein neuer Anfang inne: heute stellte der designierte Theaterintendant Daniel Klajner sich und sein neues Team der Öffentlichkeit vor. Mit dem Neustart wird sich zwangsläufig einiges ändern, vor allem wolle man aber auf Kontinuität setzen...

Neues Team für Theater und Loh-Orchester (v.l.:) Intendant Daniel Klajner, Christian Georg Fuchs, Anette Leistenschneider, Markus L. Frank und Ivan Alboresi (Foto: Angelo Glashagel) Neues Team für Theater und Loh-Orchester (v.l.:) Intendant Daniel Klajner, Christian Georg Fuchs, Anette Leistenschneider, Markus L. Frank und Ivan Alboresi (Foto: Angelo Glashagel)

Man werde sich dem Haus mit "Demut und Respekt" nähern, erklärte heute der neue Intendant des Nordhäuser Theaters, Daniel Klajner anlässlich der Vorstellung der neuen künstlerischen Leitung des Verbundes aus Theater Nordhausen und Loh-Orchester Sondershausen. Es seien große Fußstapfen, die sein Vorgänger Lars Tietje hinterlassen habe, so Klajner weiter, entsprechend feinfühlig werde man vorgehen, "Wir werden das Rad nicht neu erfinden", versicherte der designierte Intendant.

Mit neuen Personen werde es im Spielbetrieb auch "neue Farben" geben, so der gebürtige Schweizer und gelernte Dirigent, man wolle aber "nicht zu modernistisch" werden und "feinfühlig" auf das Publikum eingehen. Eine Revolution steht der Nordhäuser Bühne trotz neuer kreativer Kräfte also nicht bevor, Klajner betont das es ihm um Kontinuität gehe, er wolle im Sinne des Theaters und seines Publikums arbeiten. Das wird er nicht alleine tun, der neue Leiter kommt mit einem frischen Team in den Südharz.

Zu den neuen Köpfe hinter den Kulissen gehört Anette Leistenschneider, die als Operndirektorin anfangen wird. Die Liebe zum Theater und zur Oper habe sie mit 15 Jahren entdeckt, erzählt die Saarländerin. Eine Anstellung in der Garderobe hatte es ihr ermöglicht viele Stücke zu sehen, der Faust habe sie schließlich "in die Seele getroffen". Sie habe sich in das Musiktheater verliebt, erzählt Leistenschneider, und ihr Weg führte sie seitdem durch so ziemlich jede Station, die eine Theaterkarriere bieten kann: von der Garderobe zur Bühne, bis in die Requisite und zur eigenen Inszenierung. Seit 1996 arbeitet sie als freischaffende Regisseurin, vor allem in Deutschland aber auch in der Schweiz und Österreich, in Polen, Bulgarien und den Niederlanden. Jetzt freue sie sich darauf, wieder fest an einem Haus zu arbeiten. Ihre Vorliebe gelte der Oper und der Operette, aber auch das Musical sei ihr nicht fremd, erzählte die zukünfitge Operndirektorin. Ihre Inszenierungen mag sie "eher üppig-opulent und auch fröhlich und bunt, wenn es zum Stück passt".

Neues Team für Theater und Loh-Orchester (v.l.:) Intendant Daniel Klajner, Christian Georg Fuchs, Anette Leistenschneider, Markus L. Frank und Ivan Alboresi (Foto: Angelo Glashagel) Neues Team für Theater und Loh-Orchester (v.l.:) Intendant Daniel Klajner, Christian Georg Fuchs, Anette Leistenschneider, Markus L. Frank und Ivan Alboresi (Foto: Angelo Glashagel)

Die Ballettsparte übernimmt der Italiener Ivan Alboresi. Einst selbst professioneller Tänzer bringt er ein breit gefächertes Repertoire mit, das nicht allein zeitgenösischen Tanz und Ballett, sondern auch Musicalerfahrung umfasse. Seine Ausbildung absolvierte Alboresi in Turin und sein weiterer Weg führte ihn unter anderem nach Ulm, St. Gallen und Würzburg, wo er 13 Jahre lang tanzte. Hier fing er auch an selber zu choreographieren. Seinen eigenen Stil beschreibt er als eine Mischung aus Contemporary und modernem Tanz gepaart mit klassischen Ballettelementen. Ihm gehe es darum, das Publikum mitzunehmen und verschiedene Stile zu zeigen.

Das junge Theater wird fortan von Christian Georg Fuchs übernommen. Der "gebürtige Rheinländer und professionelle Thüringer" lebt in Weimar und erfuhr von seinem Glück erst vor zwei Tagen. Das Kinder- und Jugendtheater sei unter seiner Vorgängerin Bianca Sue-Henne zu einer erfolgreichen Sparte geworden die er mit Kontinuität fortführen wolle, so Fuchs. Das Netzwerk der Jugendtheater kennt er über seine bisherige Arbeit in Weimar und Erfurt sehr gut.

Schließlich gibt es in der neuen Riege auch jemanden, der das Haus schon kennt: Markus L. Frank bleibt als Generalmusikdirketor am Haus. Er sei froh über die Entwicklung, die Orchester, Sänger und Chor genommen hätten und die positive Resonanz aus dem Publikum zeige, das es so weitergehen könne. Das sein neuer Chef von Haus aus selber Dirigent ist stört Frank nicht, es werde da keine Konkurrenz geben.

Auch Klajner betont, dass er als Intendant, nicht als Dirigent komme. Gerüchten sein künstlerischer Hintergrund habe etwas mit geplanten Strukturveränderungen oder Einflüssen aus der Erfurter Politik zu tun, wies Klajner deutlich zurück. Er werde sich für ein funktionierendes Theater einsetzen, mit der Politik "konstruktiv zusammenarbeiten" und sich dort einbringen, wo es gewünscht werde, erklärte der zukünftige Intendant.

Klajner kommt als Außenseiter nach Nordhausen, der noch nicht zu einhundert Prozent mit dem Haus und seinem Umfeld vertraut ist. Das merkt man seinen Antworten an und das gibt er auch selbst unumwunden zu. Er kenne die "maßgeblichen Personen" bisher noch nicht, wisse aber um die Situation der Hinterbühne und der Werkstätten. Über das "heikle Thema" werde man sprechen müssen.

Das neue Team wird mindestens für die kommenden drei Jahre die Geschicke von Theater und Loh-Orchester leiten, also auch während des Jubläumsjahres 2017. Außer das man den Spielplan dann dementsprechend ausrichten werde war zum künftigen Programm und auch zu anderen Personalfragen vom neuen Intendanten erst einmal noch viel zu erfahren. Größere Verschiebungen wird es in der Ballettsparte geben, soviel ist klar. Die bisherige Leiterin Jutta Ebnother verlässt Nordhausen Richtung Schwerin und einige der Künstler werden ihr folgen, andere ihre aktive Zeit beenden.

Obwohl "Kontinuität" zum Pressegespräch immer wieder betont wurde, kann man also davon ausgehen das es am Theater noch einige Verschiebungen geben wird. Oder mit den Worten von Christian Georg Fuchs: ein Neuanfang mit frischem Team bedeute immer auch "ein bisschen tabula rasa".
Angelo Glashagel
Autor: red

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