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War das eine Stadtratssitzung?

Donnerstag, 10. September 2015, 07:52 Uhr
Die nnz hatte gestern bereits ausführlich in einem Live-Ticker über den Verlauf der Stadtratssitzung berichtet. Einige Momente bedürfen allerdings einer zusätzlichen Betrachtung...


Beginnen wir mit den Zahlen, die zum Bürgerhaus vorgestellt wurden. Hannelore Haase, die zuständige Dezernentin, hatte auf Anfrage "ihrer" Fraktion natürlich alle notwendigen Zahlen parat. Kurz zusammengefasst: Einnahmen von 21.000 Euro stehen jährliche Betriebskosten von 700.000 Euro gegenüber.

Dieser betriebswirtschaftliche Schwachsinn muss nicht näher kommentiert werden. Selbst in diesem Jahrtausend sind Kommunen für das Verbrennen von Steuergelder geradezu prädestiniert. Schon merkwürdiger mutet jedoch die Zahl der Besucher an.

Die werden elektronisch gezählt. 70.000 sollen es in einem Jahr gewesen sein. Mal angenommen: drei Mitarbeiter der Stadtverwaltung gehen pro Tag fünfmal durch die Zählschranke, dann sind das bei 210 Arbeitstagen im Jahr 3.150 Besucher. Hinzu kommen die Stadträte, die zu Sitzungen, zu Ausschüssen oder Klausuren in das Haus kommen. Oder die Kids und Jugendlichen, die einfach mal nur surfen. Also: Die 70.000 sagen überhaupt nichts aus über die neue Qualität des Hauses.

Wir geben bekannt

Nahezu geräuschlos hat der Nordhäuser Stadtrat am Abend die Änderung der Bekanntmachungen und damit seiner Hauptsatzung beschlossen. Statt die notwendigen Informationen für eigentlich alle Bürger in einer Tageszeitung zu veröffentlichen, die nur ein Drittel aller Haushalte noch erreicht, wird jetzt in einem Anzeigenblatt bekannt gemacht. Das wird vermutlich preiswerter sein.

Für eine Verwaltung ein durchaus mutiger Schritt, doch der reicht nicht. Nach dem Vermitteln von Informationen per Rauchzeichen, Steintafeln, Papyrusrollen oder handgeschriebenen Urkunden sollte im Rathaus auch an die "Minderheit" gedacht werden, die mit Buchstaben bedrucktes Papier nicht mehr als notwendig zur Informationsbeschaffung erachtet. Da gibt es so ein "Ding", das nennt sich Internet. Darin, so sollte man auch im Rathaus gehört haben, können Informationen verschickt werden. Und die kommen mittlerweile fast überall hin, wie BitCom-Statistiken erklären. Vermutlich aber wird man in der Stadtverwaltung noch einige Jahresdekaden abwarten, ehe man sich das "Teufelszeug Internet" zunutze macht.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Wer hätte das gedacht, dass sich die Nordhäuser Sozialdemokratie so marktorientiert zeigt. Statt eines Weihnachtsmarktes, der in Nordhausen Adventsmarkt heißt, soll es in diesem Jahr zwei Weihnachtsmärkte geben. Einen privat betriebenen auf dem Theaterplatz und einen durch Vereine betriebenen auf dem Blasiikirchplatz. Das forderte am Abend allen Ernstes der weihnachtsmartkpolitische Sprecher der Fraktion, Dominik Rieger.

Die SPD-Fraktion scheint ein Herz für die Schausteller und Standbetreiber zu haben. Die hatten bei einer Ausschreibung das Nachsehen in punkto Ausgestaltung des Adventsmarktes und malten den vorweihnachtlichen Teufel an die Wand des Bürgersaals. Sollte es nun eine Konkurrenzsituation in Nordhausen geben, wäre das eine Einmaligkeit, denn laut SPD sollen die Besucher entscheiden, welcher Weihnachts/Adventsmarkt der bessere sei. Bleibt zum Schluss noch die Frage: Gibt es in dieser Stadt wirklich nicht Wichtigeres zu klären und hat dieser Antrag der SPD vielleicht einen anderen Hintergrund?
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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