nnz-online
nnz-Betrachtung

Was oder wer bin ich?

Montag, 07. September 2015, 08:05 Uhr
Es ist das Thema. Nicht nur dieser Tage, dieser Wochen oder dieser Monate. Es ist das Thema dieses und der kommenden Jahre. Dazu einige persönliche Anmerkungen...

Hier soll nach Informationen der nnz die Nordhäuser Erstaufnahmeeinrichtung für 1.000 Plätze entstehen (Foto: nnz) Hier soll nach Informationen der nnz die Nordhäuser Erstaufnahmeeinrichtung für 1.000 Plätze entstehen (Foto: nnz) Hier könnte eine Erstaufnahmeeinrichtung entstehen

800.000 Menschen wird Deutschland in diesem Jahr aufnehmen müssen. Das sind die offiziellen Zahlen. Die der Politik, von ganz oben bis ganz unten. Dieses ewige Daherbeten dieser Zahlen sind aber auch das Ergebnis einer Ohnmacht, denn diejenigen, die nah an dem Thema dran sind, die wissen: Es werden am Jahresende wohl um die 1,2 Millionen Menschen sein, die Deutschland aufnehmen muss. Das ist Fakt, ist Tatsache, mit der man umgehen muss.

Wie es in den nächsten Jahren aussehen wird, wie sich der Zuzug von Familien der anerkannten Asylbewerber auf dieses unser Gemeinwesen auswirken wird, darüber wird nicht debattiert. Zumindest nicht öffentlich.

Die Stimmung in diesem Land ist nicht die, wie uns in den Bildern erzählt wird. Wir sind nicht 80 Millionen Menschen, die sich über den Zuzug von Millionen anderen Menschen freuen. Oder: Sind es wirklich 80 Millionen Menschen, die da rufen: "Jeder Mensch ist uns willkommen."?

Eine andere Meinung zu publizieren, wird von Tag zu Tag, von Woche zu Woche komplizierter. Die sogenannten Leitmedien übertreffen sich in Sondersendungen, täglichen Brennpunkten und Sonderseiten, die einzig einem Ziel dienen. Sie sollen uns erziehen, damit wir alle sagen: Das ist toll, wenigstens aber: es ist nicht so schlimm.

Ich erlaube mir trotzdem den Mut um Fragen zu stellen. Ich stelle sie in den Raum, nicht an die Politik deren Antworten im Vornherein bekannt sind. Die Politik hat dazu eine Antwort, die immer und immer wieder repetiert wird: "Ja, das ist eine Herausforderung, aber wir sind nicht überfordert!" Wann aber, so frage ich, schlägt die Bewältigung dieser Herausforderung in Überforderung um? Was geschieht dann? Hat die Politik auch dann wieder diese plakativen Antworten? Wie wird sich unser Gemeinwesen verändern? Wie viele "neue Menschen", meist aus anderen Kultur- und Religionskreisen verkraften wir? Zwei Millionen, fünf Millionen, zehn Millionen?

Hier könnte die Erstaufnahmeeinrichtung entstehen (Foto: Google Maps) Hier könnte die Erstaufnahmeeinrichtung entstehen (Foto: Google Maps) Hier soll nach Informationen der nnz die Nordhäuser Erstaufnahmeeinrichtung für 1.000 Plätze entstehen

Diese Fragen müssen erlaubt sein. Antworten wird es von der kommunalen Politik nicht geben, deren Vertreter sind mit dem Vollzug der Unterbringung völlig ausgelastet. Und Antworten gibt es von den Regierenden dieses Landes und des Bundes überhaupt nicht. Das sehen viele Menschen so wie ich. Nur: viele derjenigen, mit denen ich privaten oder dienstlichen Umgang pflege, die sprechen in einer gewissen Schizophrenie. Dienstlich positiv, privat haben die meisten bereits aufgegeben.

Es ist nicht mehr modern, persönliche Ansichten und Meinungen auszusprechen, man könnte unter Generalverdacht fallen, ein Hetzer zu sein. Vielleicht gehört man dem Mob dann an. Oder dem Pack? Wer will schon in diese Ecke gestellt werden? Wer will schon ein Hetzer oder Demagoge sein? Also wird geschwiegen. Bin ich Mob oder Pack?

Das macht mir Angst, denn das Hineinstellen in eine gruselige Ecke - das hatten wir in diesem Land schon zweimal innerhalb weniger Jahrzehnte. Ich dachte immer, dass eine Demokratie auch das kritische Hinterfragen aushalten muss. Es ist schon eigenartig, wenn man im Forum dieser Zeitung und wenn man im Gespräch mit anderen als ersten Satz hört: "Ich bin gewiss kein Nazi, aber...." Für viele Politiker ist man da schon ein Brauner.

Diese Intoleranz ist für mich nicht akzeptabel, weil ich immer wieder hinterfrage. Zum Beispiel diese propagierte ungeheure Chance der Integration der jetzt, morgen und übermorgen ankommenden Frauen, Männer und Kinder. Und ich werde aufmerksam, wenn an einem Tag gleich mehrere überregionale Tageszeitungen ihre Leser darüber aufklären wollen, warum die männlichen Flüchtlinge fast alle mit einem Smartphone ausgerüstet sind? Ist das schon Propaganda?

Politiker verweisen in diversen Talkrunden auf die Erfolge der Integration von Menschen, die dem islamischen Religionskreis angehören. Berlin Neukölln ist dafür ein Beispiel. Dessen Mitte April zurückgetretener Bezirksbürgermeister zog in einem Hauptstadtbrief seine ganz persönliche Bilanz. Das Lesen dieser Zeilen weckt bei mir nicht nur Freude und Begeisterung.

Was ich damit sagen will: ich habe eine unterschwellige Angst. Nicht um mich persönlich mit meinen statistischen 17 Lebensjahren, die mir noch bleiben. Nein, ich habe Angst um das Gemeinwesen, das seine ethnischen, sozialen, kulturellen, geschichtlichen, wirtschaftlichen Wurzeln eben nun Mal in diesem Teil der runden Welt hat, den wir Deutschland nennen, das sich mit seinem Grundgesetzt eine der besten Verfassungen dieses Kontinents gegeben hat.

Noch mehr Angst macht mir jedoch die augenscheinliche Unfähigkeit der deutschen Politik, die von der Flüchtlingsproblematik scheinbar ebenso unvorbereitet getroffen wurde, wie wir Normalos. Ich spüre eine Politik, die nicht agiert, die nur noch reagiert und die viel Vertrauen verloren hat und die damit Platz für eine andere Politik schaffen könnte.

Eine Revolution habe ich dienstlich und privat schon einmal miterleben dürfen, eine zweite brauche ich nicht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de