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Gastfreundschaft zurückgeben

26 neue Flüchtlingspaten

Samstag, 29. August 2015, 17:15 Uhr
Für Angelika Roschka aus Rudolstadt ist klar: „Die Gastfreundschaft, die ich in der Welt erlebt habe, möchte ich jetzt wieder zurückgeben.“ Die Rudolstädterin engagiert sich deshalb in der Flüchtlingsarbeit, hilft den Menschen, die hier in Thüringen Schutz und Hilfe suchen, beim Start in ein neues Leben...


Und damit ihr das noch besser gelingt, ist sie jetzt ausgebildete Flüchtlingspatin. 26 Thüringerinnen und Thüringer haben sich in den vergangenen Wochen dieser Weiterbildung gestellt. Am Sonnabend Nachmittag erhielten sie aus den Händen von Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) ihre Zertifikate.

Lauinger hob dabei die Notwendigkeit ehrenamtlichen Engagements hervor. „Das Land und die Kommunen können nur den äußeren Rahmen organisieren. Der kann aber niemals die menschlichen Begegnungen ersetzen“, erklärte er bei der Zertifikatsübergabe.

Manuela Kaul ist eine der jetzt zertifizierten Flüchtlingspaten. Sie ist in Eisenach in der Flüchtlingsarbeit aktiv und gehört zum dortigen Freundeskreis Asyl. Sie fühlt sich nach dem Kurs, in dem es unter anderem auch um die rechtlichen Grundlagen der Asylpolitik in Deutschland ging, wesentlich besser gewappnet für die Aufgaben, die in der nächsten Zeit auf sie zukommen werden. „Man hat eine ganz andere Sicherheit“, sagt sie, nachdem sie aus den Händen von Lauinger ihr Zertifikat erhalten hat. Der Flüchtlingskreis ist in Eisenach bei der Betreuung der Flüchtlinge und Asylsuchenden aktiv, organisiert Hausaufgabenhilfen und Integrationskurse. Viele helfen dort mit.

Katy Pastohr vom Evangelischen Kirchenkreis Erfurt hilft ganz konkret einer syrischen Familie beim Start in Erfurt. Zunächst hatte es mit Hausaufgabenhilfe angefangen, dann wurden die persönlichen Kontakte zwischen den Familien immer enger. „Der direkte Kontakt bringt die Menschen zusammen“, ist sie überzeugt. Deshalb auch ihr Engagement in Flüchtlingsfragen. Der Kurs hat für sie viel gebracht, weil ihr Wissen vermittelt wurde, das über die normalen Kenntnisse hinausgeht.

Ernst-Martin Stüllein schließlich ist als Geschäftsführer des Vereins L’amitié in Gotha schon lange in Sachen Flüchtlingsarbeit unterwegs. Er hat in dem Kurs seine Kenntnisse vertieft, sich andererseits aber auch in vielem bestätigt gefühlt, was in Gotha bereits geleistet wird. „Vor allem für die Ehrenamtlichen war es aber auch wichtig, mehr über die rechtlichen Grundlagen der Flüchtlingsarbeit zu erfahren“, ist er überzeugt.
Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger, dessen Haus die Fortbildung zu den Flüchtlingspaten unterstützt hat, wies auf die großen Herausforderungen hin, die auf Thüringen noch zukommen. „Zehntausende sind noch auf dem Weg“, sagte er.

Er lobte das große Engagement vieler Thüringerinnen und Thüringer, die den Flüchtlingen helfen wollen. Das zeige die Bereitschaft, sich zu Flüchtlingspaten ausbilden zu lassen. Er erzählte auch von einem Lehrer aus dem Nachbarland Hessen, der seine Ferien opfere und in Mühlhausen Deutsch für Flüchtlinge unterrichte. „Vorurteile kann man nur durch Kontakt abbauen“, sagte Lauinger und verwies auf die vielfältigen Initiativen von Sport, Kultur und Kirche in Thüringen hin.

Er warb um Verständnis für die oft schwierige Situation der Flüchtlinge, die Angehörige in Kriegsgebieten zurücklassen mussten, die teilweise traumatische Erlebnisse auf ihren Fluchtrouten erlebt hätten. Und er dankte den neu ausgebildeten Flüchtlingspaten für ihr Engagement. Sie stünden stellvertretend für die vielen Thüringerinnen und Thüringer, die sich um Hilfe für die Flüchtlinge kümmerten. „Viele Menschen wollen mit ganzem Herzen bei der Flüchtlingshilfe dabei sein“, ist sich auch Stefan Werner sicher, der stellvertretende Direktor der PARITÄTISCHEN BuntStiftung, der Flüchtlingspaten und Minister im Haus der PARITÄT in Neudietendorf begrüßte. „Dieses Engagement vieler Menschen stimmt uns alle hoffnungsfroh“, unterstrich Werner.

In drei Modulen haben die Flüchtlingspaten beispielsweise ihre Kenntnisse über die Arbeit von Jobcentern, Ausländerbehörden oder auch Asylverfahren erweitert und vertieft. Sie wurden über Völkerrecht und internationalen Flüchtlingsschutz aufgeklärt und auch darüber, wie Asylverfahren in Deutschland laufen und an welchen Schnittstellen Hilfe und Unterstützung für Flüchtlinge und Asylbewerber besonders dringend ist. Sie erhielten auch praktische Tipps für ihre Arbeit mit Flüchtlingen

Unterstützt wird die Weiterbildung, gemeinsam organisiert von der PARITÄTISCHEN BuntStiftung, dem PARITÄTISCHEN Bildungswerk und der PARITÄTISCHEN Akademie, vom Thüringer Migrationsministerium. Im Oktober beginnt ein neuer Kurs zur Ausbildung von Flüchtlingspaten. Auch dafür liegen schon zahlreiche Anmeldungen vor.
Autor: red

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