Briefe aus Bad Füssing (2)
Donnerstag, 03. Juni 2004, 10:14 Uhr
Nordhausen (nnz). Knapp 600 Kilometer Straße liegen zwischen Bad Füssing und Nordhausen. Der Großteil davon sind Autobahnen. An denen hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Wie wird es an der A 38 werden?
Die Autobahn 38 trägt die Nummer 13 bei den Verkehrsprojekten der Deutschen Einheit. Seit mehr als zehn Jahren knüpfen sich an diese fast 200 Kilometer lange Trasse die Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen und der kommunalen Politiker. Alles wird nicht nur gut, sondern alles wird besser, wenn die Strecke erst einmal von Göttingen nach Halle oder Leipzig durchgehend befahrbar ist.
Vor allem die Hoffnung auf Arbeitsplätze verbindet sich mit dem Betonband. Rechts und links werden Gewerbegebiete aus dem Boden sprießen, hieß es in den 90er Jahren. Nun kann man seit einigen Jahren schon richtig schön um Nordhausen herum fahren – auf der Autobahn, doch gesprossen sind die Gewerbegebiete trotzdem nicht. Zwar wird bei einigen Ansiedlungen kleineren Formats auch immer wieder versichert, dass die Nähe zu einer Autobahn ausschlaggebend gewesen sei, doch so richtig überzeugend war das nicht. Es müssen neben dem vorhandenen oder fast fertigen Betonband auch andere Kriterien ins Spiel gebracht werden, die eine Ansiedlung von Unternehmen lukrativ machen. Mal abgesehen von den geringer werdenden Investitionsfördermöglichkeiten der Gemeinschaftsaufgabe Ost, sind das ideale Flächen.
Und mal ehrlich: Was hat das kleine Kölleda, was Nordhausen nicht hat? Von den weichen Standortfaktoren, die Wirtschaftsförderer in den verschiedensten Verwaltungen immer wieder ins Spiel bringen, mal ganz abgesehen – in Kölleda gab es eine Fläche, auf der jetzt Motoren gebaut werden. Und genau um so eine Fläche wird jetzt in Nordhausen gestritten.
Jetzt ist gut gesagt – die Planungen zum künftigen Industriegebiet in der Goldenen Aue gehen schon seit 1998. Das sind mittlerweile sechs Jahre. 72 Monate werden Pläne ausgearbeitet, Verbände gegründet, Satzungen beschlossen, Pläne verworfen, neue Pläne erarbeitet, Änderungen der Satzungen beschlossen, werden Stellungnahmen erarbeitet und Hamster entdeckt. Mit der Folge: Es gibt noch kein Industriegebiet in der Goldenen Aue. Die Leute, die sich nicht nur in Nordhausen mit so was auskennen, die schütteln den Kopf. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) ist schon seit längerem stocksauer, dass es in seiner Heimatstadt nicht vorwärtsgeht. Als ehemaliger LEG-Chef ist er zwar auch nicht nur Erfolge gewöhnt, musste bei Ansiedlungen Rückschläge verkraften, doch derartige Stockfehler, wie in Nordhausen, die sind den Landesentwicklern vermutlich recht selten unter die Akten gekommen.
Da beschäftigen sich Rechtsabteilungen in Verwaltungen tagein, tagaus mit Vorschriften, Verordnungen, Veröffentlichungen und Widersprüchen – doch dass bei Veröffentlichungen des Planungsverbandes Fehler gemacht wurden, das ist angeblich niemandem aufgefallen. Das ist mittlerweile so peinlich, dass nun hilferingend das Landesverwaltungsamt angerufen wurde. Die Weimarer Behörde wird’s schon richten. Die Goldene Aue sei dort sogar zur Chefsache erklärt worden.
Derweil kann die Bürgerinitiative, die sich dem Erhalt von Ackerflächen verschrieben hat, nur lachen. Immer rein in die Planungswunde, sagt man sich in Urbach. Eigentlich müssen die drei oder vier BI-Gewaltigen nur abwarten, die Fehler haben bislang die anderen gemacht. Wenn es nicht so wäre, dann hätten wir ja vielleicht schon einen Satzungsbeschluß. Erinnern wir uns: Es war der vorletzte Kreistag des vergangenen Jahres, da erklärte Landrat Joachim Claus (CDU) alle Schwierigkeiten bei der Genehmigung in seinem Haus für erledigt. Das gleiche noch einmal im ersten Kreistag dieses Kalenderjahres. Die Stellungnahmen der Behörden seien auf dem Weg, dem Industriegebiet stehe nichts mehr im Wege.
Ob es vielleicht noch in diesem Jahr zum Baurecht zwischen Nordhausen und Urbach kommen kann, das sei dahingestellt. Das Baurecht verbrieft zwar noch lange keinen Investor mit Ansiedlungswillen im Landkreis Nordhausen. Aber die Verantwortlichen für das Industriegebiet müssen sich von 10.000 Arbeitslosen im Landkreis Nordhausen nicht den Vorwurf gefallen lassen, sie hätten nicht die Voraussetzungen für Investitionen geschaffen. Nicht mehr muß die Politik leisten...
Übrigens: Das dritte Jahr in Folge geht es über A 4, A 9 und A 3 von Nordhausen nach Bad Füssing. Und in jedem Jahr gibt es neue Ansiedlungen entlang dieser Trassen zu bestaunen. Die meisten davon kann man in den neuen Bundesländern registrieren. Wenigstens diese Tatsache lässt auch für Nordhausen hoffen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzDie Autobahn 38 trägt die Nummer 13 bei den Verkehrsprojekten der Deutschen Einheit. Seit mehr als zehn Jahren knüpfen sich an diese fast 200 Kilometer lange Trasse die Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen und der kommunalen Politiker. Alles wird nicht nur gut, sondern alles wird besser, wenn die Strecke erst einmal von Göttingen nach Halle oder Leipzig durchgehend befahrbar ist.
Vor allem die Hoffnung auf Arbeitsplätze verbindet sich mit dem Betonband. Rechts und links werden Gewerbegebiete aus dem Boden sprießen, hieß es in den 90er Jahren. Nun kann man seit einigen Jahren schon richtig schön um Nordhausen herum fahren – auf der Autobahn, doch gesprossen sind die Gewerbegebiete trotzdem nicht. Zwar wird bei einigen Ansiedlungen kleineren Formats auch immer wieder versichert, dass die Nähe zu einer Autobahn ausschlaggebend gewesen sei, doch so richtig überzeugend war das nicht. Es müssen neben dem vorhandenen oder fast fertigen Betonband auch andere Kriterien ins Spiel gebracht werden, die eine Ansiedlung von Unternehmen lukrativ machen. Mal abgesehen von den geringer werdenden Investitionsfördermöglichkeiten der Gemeinschaftsaufgabe Ost, sind das ideale Flächen.
Und mal ehrlich: Was hat das kleine Kölleda, was Nordhausen nicht hat? Von den weichen Standortfaktoren, die Wirtschaftsförderer in den verschiedensten Verwaltungen immer wieder ins Spiel bringen, mal ganz abgesehen – in Kölleda gab es eine Fläche, auf der jetzt Motoren gebaut werden. Und genau um so eine Fläche wird jetzt in Nordhausen gestritten.
Jetzt ist gut gesagt – die Planungen zum künftigen Industriegebiet in der Goldenen Aue gehen schon seit 1998. Das sind mittlerweile sechs Jahre. 72 Monate werden Pläne ausgearbeitet, Verbände gegründet, Satzungen beschlossen, Pläne verworfen, neue Pläne erarbeitet, Änderungen der Satzungen beschlossen, werden Stellungnahmen erarbeitet und Hamster entdeckt. Mit der Folge: Es gibt noch kein Industriegebiet in der Goldenen Aue. Die Leute, die sich nicht nur in Nordhausen mit so was auskennen, die schütteln den Kopf. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) ist schon seit längerem stocksauer, dass es in seiner Heimatstadt nicht vorwärtsgeht. Als ehemaliger LEG-Chef ist er zwar auch nicht nur Erfolge gewöhnt, musste bei Ansiedlungen Rückschläge verkraften, doch derartige Stockfehler, wie in Nordhausen, die sind den Landesentwicklern vermutlich recht selten unter die Akten gekommen.
Da beschäftigen sich Rechtsabteilungen in Verwaltungen tagein, tagaus mit Vorschriften, Verordnungen, Veröffentlichungen und Widersprüchen – doch dass bei Veröffentlichungen des Planungsverbandes Fehler gemacht wurden, das ist angeblich niemandem aufgefallen. Das ist mittlerweile so peinlich, dass nun hilferingend das Landesverwaltungsamt angerufen wurde. Die Weimarer Behörde wird’s schon richten. Die Goldene Aue sei dort sogar zur Chefsache erklärt worden.
Derweil kann die Bürgerinitiative, die sich dem Erhalt von Ackerflächen verschrieben hat, nur lachen. Immer rein in die Planungswunde, sagt man sich in Urbach. Eigentlich müssen die drei oder vier BI-Gewaltigen nur abwarten, die Fehler haben bislang die anderen gemacht. Wenn es nicht so wäre, dann hätten wir ja vielleicht schon einen Satzungsbeschluß. Erinnern wir uns: Es war der vorletzte Kreistag des vergangenen Jahres, da erklärte Landrat Joachim Claus (CDU) alle Schwierigkeiten bei der Genehmigung in seinem Haus für erledigt. Das gleiche noch einmal im ersten Kreistag dieses Kalenderjahres. Die Stellungnahmen der Behörden seien auf dem Weg, dem Industriegebiet stehe nichts mehr im Wege.
Ob es vielleicht noch in diesem Jahr zum Baurecht zwischen Nordhausen und Urbach kommen kann, das sei dahingestellt. Das Baurecht verbrieft zwar noch lange keinen Investor mit Ansiedlungswillen im Landkreis Nordhausen. Aber die Verantwortlichen für das Industriegebiet müssen sich von 10.000 Arbeitslosen im Landkreis Nordhausen nicht den Vorwurf gefallen lassen, sie hätten nicht die Voraussetzungen für Investitionen geschaffen. Nicht mehr muß die Politik leisten...
Übrigens: Das dritte Jahr in Folge geht es über A 4, A 9 und A 3 von Nordhausen nach Bad Füssing. Und in jedem Jahr gibt es neue Ansiedlungen entlang dieser Trassen zu bestaunen. Die meisten davon kann man in den neuen Bundesländern registrieren. Wenigstens diese Tatsache lässt auch für Nordhausen hoffen.
Peter-Stefan Greiner
