Vortrag über Zichorienproduktion
Donnerstag, 03. Juni 2004, 09:07 Uhr
Nordhausen (nnz). Was sind Zichorien, wozu werden sie verwendet? Uns was hat das alles mit Nordhausen zu tun? Diesen Fragen widmet sich ein Vortrag im Vereinshaus Thomas Mann. Weitere Informationen dazu wie immer mit einem Klick auf MEHR.
Der Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein lädt am 8. Juni 2004 um 19.30 Uhr zu einem interessanten Vortrag in das Vereinshaus Thomas Mann ein. Prof. Dr. Albrecht Pfeiffer wird über die Zichorienproduktion in Nordhausen sprechen.
Napoleon ordnete am 21. November 1806 von Berlin aus die Absperrung Großbritanniens vom europäischen Markt an. Jeglicher Handel mit Großbritannien wurde untersagt und den britischen Schiffen verboten, Häfen des Kontinents anzulaufen. Die Kontinentalsperre war ein Versuch der ökonomischen Unterwerfung Europas durch Frankreich und gegen die Interessen der europäischen Staaten gerichtet. Sie wurde nach der Niederlage Napoleons in Russland 1812 aufgehoben.
Während der Kontinentalsperre wurde ein umfangreicher Schmuggel getrieben, die Korruption blühte, andererseits war Sperre Anlass zur Gründung und Entwicklung bedeutender kontinentaler Industriezweige. So verhalf sie u.a. zum einen der Fabrikation von Zichorien als Kaffee-Ersatz zum anderen auch dem Rübenzucker gegenüber dem Rohrzucker zum Durchbruch. Denn als es gelang aus der Ruckelrübe mit 4,5 % Zuckergehalt die Zuckerrübe mit 15 bis 20 % Zuckergehalt zu ziehen, hatte die Zuckerrübe den Kontinent endgültig erobert.
Die Kontinentalsperre hatte auch den Kaffeeabsatz weitestgehend zum Erliegen gebracht. Die Preise für Kaffee stiegen ins Unermessliche und waren kaum noch zu bezahlen. Der Ruf nach Zichorie im ganzen Land wurde lauter. Diese Marktlücke machte sich in Wernigerode Gottlieb Schreiber zu nutze. Der 25-jährige Kaufmann entschloss sich 1807, ins Zichoriengeschäft einzusteigen. Begünstigend wirkte sich auf diese Entscheidung aus, dass sein Handlungsgeschäft nicht genug abwarf, um die Zinsen für seine Schulden begleichen zu können.
Durch seine Handelsbeziehungen nach Nordhausen wusste er, dass in der ehemaligen freien Reichsstadt großer Bedarf an Zichorie bestand. Durch die Erbschaft von seinem 1816 verstorbenen Vater Franz Wilhelm Schreiber und seinen Verdienst hatte er es auf einen bescheidenen Wohlstand gebracht. Kurzerhand siedelte er 1820 mit seiner Familie in die Stadt am Südharz über und gründete in der aufstrebenden Rolandsstadt eine neue Existenz.
Prof. Pfeiffer wird sich in seinem Vortrag nicht auf die Schreibersche Zichorienfabrikation beschränken. Auch wird es, so versprach der Wissenschaftler, für die Anwesenden eine kleine Zichorien-Kostprobe geben.
Autor: rhDer Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein lädt am 8. Juni 2004 um 19.30 Uhr zu einem interessanten Vortrag in das Vereinshaus Thomas Mann ein. Prof. Dr. Albrecht Pfeiffer wird über die Zichorienproduktion in Nordhausen sprechen.
Napoleon ordnete am 21. November 1806 von Berlin aus die Absperrung Großbritanniens vom europäischen Markt an. Jeglicher Handel mit Großbritannien wurde untersagt und den britischen Schiffen verboten, Häfen des Kontinents anzulaufen. Die Kontinentalsperre war ein Versuch der ökonomischen Unterwerfung Europas durch Frankreich und gegen die Interessen der europäischen Staaten gerichtet. Sie wurde nach der Niederlage Napoleons in Russland 1812 aufgehoben.
Während der Kontinentalsperre wurde ein umfangreicher Schmuggel getrieben, die Korruption blühte, andererseits war Sperre Anlass zur Gründung und Entwicklung bedeutender kontinentaler Industriezweige. So verhalf sie u.a. zum einen der Fabrikation von Zichorien als Kaffee-Ersatz zum anderen auch dem Rübenzucker gegenüber dem Rohrzucker zum Durchbruch. Denn als es gelang aus der Ruckelrübe mit 4,5 % Zuckergehalt die Zuckerrübe mit 15 bis 20 % Zuckergehalt zu ziehen, hatte die Zuckerrübe den Kontinent endgültig erobert.
Die Kontinentalsperre hatte auch den Kaffeeabsatz weitestgehend zum Erliegen gebracht. Die Preise für Kaffee stiegen ins Unermessliche und waren kaum noch zu bezahlen. Der Ruf nach Zichorie im ganzen Land wurde lauter. Diese Marktlücke machte sich in Wernigerode Gottlieb Schreiber zu nutze. Der 25-jährige Kaufmann entschloss sich 1807, ins Zichoriengeschäft einzusteigen. Begünstigend wirkte sich auf diese Entscheidung aus, dass sein Handlungsgeschäft nicht genug abwarf, um die Zinsen für seine Schulden begleichen zu können.
Durch seine Handelsbeziehungen nach Nordhausen wusste er, dass in der ehemaligen freien Reichsstadt großer Bedarf an Zichorie bestand. Durch die Erbschaft von seinem 1816 verstorbenen Vater Franz Wilhelm Schreiber und seinen Verdienst hatte er es auf einen bescheidenen Wohlstand gebracht. Kurzerhand siedelte er 1820 mit seiner Familie in die Stadt am Südharz über und gründete in der aufstrebenden Rolandsstadt eine neue Existenz.
Prof. Pfeiffer wird sich in seinem Vortrag nicht auf die Schreibersche Zichorienfabrikation beschränken. Auch wird es, so versprach der Wissenschaftler, für die Anwesenden eine kleine Zichorien-Kostprobe geben.
