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Camp-Tagebuch: Tag 6

Leipzig: 9. Oktober 1989

Samstag, 01. August 2015, 08:06 Uhr
Spannende Tage für über 100 Kinder aus der Nordhäuser Region im Camp Hoheneiche. In diesem Tagebuch berichtet Rüdiger Neitzke über das Leben im Camp, bei dem sich in diesem Jahr alles um eine Zeit dreht, die etwas mehr als 25 Jahre vorbei ist...


Das gestrige Theaterstück im Handwerkercamp in Hoheneiche stellte die Ereignisse zum Friedensgebet am 9. Oktober 1989 in Leipzig in der Nikolaikirche dar. Pfarrer Christian Führer mahnt zur Gewaltfreiheit.

Der Aufruf sechs prominenter Leipziger um Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, Theologe Peter Zimmermann und anderer wird verlesen. Neben dem großen Zelt ist die Stasizentrale aufgebaut. Der Demonstrationszug aus allen Campkindern und fast allen Mitarbeitern setzt sich langsam und besonnen in Bewegung. Mit brennenden Kerzen bewegt sich die Demonstration über das gesamte Campgelände. Sprechchöre rufen „Keine Gewalt“ und „Wir sind das Volk!“ Vor der Stasizentrale werden die brennenden Kerzen abgestellt.

Diese Theaterszene ist besonders für die Campmitarbeiter, die diese Ereignisse vor 25 Jahren in Leipzig selbst miterlebt haben, sehr bewegend. Die Perspektive ist eine andere, damals trugen wir Kerzen, dieses Mal stellen uns Kinder Kerzen zu Füßen.

Dass der Funke der Gewaltfreiheit auch auf Kinder übergesprungen ist, zeigt sich deutlich nach dem Theater. Kinder bleiben immer wieder vor den Kerzen stehen, stellen neue dazu und zünden die, die vom Wind ausgeblasen worden, wieder an.

Dass die Notwendigkeit der Friedengebete auch nach 1990 besteht, wird im heutigen Theaterstück thematisiert. Der Afghanistan – Krieg, der Irak – Krieg, der Krieg auf dem Balkan, in Eritrea, in Syrien, ….
Die Friedensgebete gehen weiter. Auch in unserem Land wachsen Gewaltbereitschaft und Gewalt. Gewalt innerhalb eines Landes.

Wir sollten uns daran erinnern, dass Gewaltfreiheit die Möglichkeit ist, um auf Gewalt zu antworten. Wenn sich heute Menschen gewaltbereit zeigen, sollten wir diesen Menschen gewaltfrei, friedlich und auch wieder mit brennenden Kerzen begegnen.

„Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ 2. Korinther 12,9
Autor: red

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