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Mittelalterfest auf dem Hinterhof

Wein, Weib und Gesang

Samstag, 25. Juli 2015, 22:16 Uhr
Das man nicht unbedingt alte Gemäuer und großes Tamtam braucht um ein feines Mittelalterfest zu feiern konnte man heute in Görsbach erleben. Mit den richtigen Leuten und jeder Menge Leidenschaft reicht auch ein rustikaler Hinterhof um die nötige Atmosphäre für ein Feldlager voller Recken, Raubeine und holder Damen zu schaffen...

Mittelaltermarkt in Görsbach (Foto: Angelo Glashagel) Mittelaltermarkt in Görsbach (Foto: Angelo Glashagel)

Der vierte Mittelaltermarkt in Görsbach war nicht leicht zu finden. Gut versteckt in dem verwinkelten Dörfchen wurde man mit selbstgebastelten Schildern durch die Gassen geleitet. Der Markt selbst verbarg sich dann noch einmal hinter Mauer und Tor. Hatte man die aber einmal passiert bot sich ein schönes Spektakel in bester Mittelalterfest-Manier.

Auf der Bühne spielen Feuerdorn beste "Räubermucke" mit reichlich treibenden Trommel- und Dudelsackklängen oder der "Laersche Haufen" zeigt in voller Rüstung wie damals gekämpft wurde. Dahinter herrscht geschäftiges Treiben, es wird gegessen, getrunken und getobt. Im Garten verteilen sich alte Handwerke: Schreiner, Schmied, Weberin, Bogenbauer und Salzsiedler.

Letzere kommen aus dem fernen Bayern und haben eigens Sole aus den Bad Reichenhallern Salzminen mitgebracht und zeigen wie unsere Vorfahren um 600 v. Chr. an das kostbare Salz, das weiße Gold der Antike, herankamen. Die Sole wird dabei weiter mit Wasser vermischt und in Tongefäßen zum kochen gebracht bis die Flüssigkeit verdunstet ist. Nach dem abkühlen wird das Ergebnis zerstoßen und gemahlen. Heraus kommt ein feines Salz, das etwas anders schmeckt als das übliche Küchensalz.

Das liegt daran, erklärt Salzsieder Harald Licht, das dem modernen Salz erst einmal alle Mineralien entzogen werden bevor wieder Fluor und Jod beigemischt werden, die Lebensmittelsicherheit will das so. Ihre eigenen kleinen Mengen Sole können im Labor geprüft, bevor sie ans Werk gehen können, erklärt Licht, deswegen ist das handgemachte Salz gehaltvoller.

Harald Licht weiß wie die Kelten im heutigen Bayern schon um 600 v. Chr. das weiße Gold gewannen (Foto: Angelo Glashagel) Harald Licht weiß wie die Kelten im heutigen Bayern schon um 600 v. Chr. das weiße Gold gewannen (Foto: Angelo Glashagel) Licht gehört zur Truppe "Touta Nanto En" aus dem Inntal. Gemeinsam stellt man eine keltisch-rätische Sippe von Handwerkern und Händlern dar. Bis in den Südharz haben es die alten Kelten zwar wohl nicht geschafft, ihre modernen Nachahmer allerdings schon. Die Organisatoren des kleinen Festes Jens Feuerstein und Susanne Piskorski sind zusammen mit ihrer Tochter seit neun Jahren selbst als keltische Familie in der Mittelalterszene unterwegs. Als "Glaghaile-Sippe" stellen sie eine Keltenfamilie dar, die um 450 v. Chr. auf der Suche nach Kupfer- und Eisenvorkommen ist. Die Rolle als eisenzeitlicher Prospektor lag nahe, Jens Feuerstein ist selber gelernter Bergmann, seine Lebensgefährtin Susanne verkauft auf dem eigenen Fest Mineralien und Fossilien.

Hinter ihnen steht kein großer und auch kein kleiner Verein. Bereits zum vierten Mal organisierte das Paar ihren Mittelaltermarkt. "Wir wollten selber etwas auf die Beine stellen", sagte Jens Feuerstein, "den Hof beleben und den Kindern das alte Handwerk zeigen".

Wo andere Großveranstaltungen scheitern, scheinen die Hobby-Kelten Erfolg zu haben. Trotz der versteckten Lage ist das Fest gut besucht, der Eintritt mit zwei Euro pro Erwachsenem mehr als moderat. "Wir halten die Kosten gering", erklärte Herr Feuerstein, "es gibt keine Riesenbühne mit viel Technik und Plakatwerbung brauchen wir auch nicht". Stattdessen setzt man auf Mundpropaganda, das Internet, ein paar Flyer und natürlich gute Kontakte in die Szene. Einige der Händler und Darsteller kommen aus der Region, andere von weiter her, aus Northeim, Magdeburg oder eben Bayern.

Feuerdorn sorgten mit Trommel, Dudelsack und Flöte für ordentlich Stimmung (Foto: Angelo Glashagel) Feuerdorn sorgten mit Trommel, Dudelsack und Flöte für ordentlich Stimmung (Foto: Angelo Glashagel)

Das Ergebniss ist ein sehr angenehmes, kleines Fest ohne großes Tamtam aber trotzdem mit allem, was man von einem Mittelaltermarkt erwarten darf. Wer gekommen war, ließ sich auch von ein bisschen Wind und Regen nicht beeindrucken, schließlich war der Tag noch jung und die Nacht mit Musik und Feuershow noch weit. Auf Jahr und Tag genau will die "Glaghaile - Sippe" ihr Fest erneut feiern. Nordhäuser Mittelalterfans, die das Fest in diesem Jahr verpasst haben, werden das 2016 zur selben Zeit, am selben Ort nachholen können.
Angelo Glashagel
Autor: red

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