Kompetenzcheck für zukünftige Azubis
Montag, 22. Juni 2015, 11:52 Uhr
Wie soll es nach der Schule weitergehen? Gerade wer sich für eine Ausbildung entscheidet hat heute viel Auswahl. Um sich selbst besser einschätzen zu können und um den Firmen einen ersten Eindruck der Bewerber vermitteln zu können hat die Industrie- und Handelskammer einen Test entwickelt der in Niedersachswerfen heute erstmals ausprobiert wurde...
An der Realschule wurde der neue Kompetenzcheck der IHK heute erstmals getestet (Foto: Angelo Glashagel)
Mit 16 Jahren macht man sich über vieles Gedanken nur nicht unbedingt über den zukünftigen Beruf, möchte man meinen. Wer die Realschule in Niedersachswerfen besucht, kann einen anderen Eindruck bekommen. Die Schule wendet viel Zeit auf, damit ihre Jugendlichen den passenden Ausbildungsplatz finden. Unterstützung bekommen Schule und Schüler dabei auch von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die organisiert seit bald zehn Jahren ein Programm, von dem sowohl die Azubis in spe wie auch die Unternehmen profitieren sollen.
Im "Kompetenzcheck" können die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Wissenstand testen. In zwei Bereichen, Allgemeinbildung und einem berufsspezifischer Teil, sind jeweils 20 Fragen zu beantworten. Erreicht man in beiden Bereichen mindestens 50%, erhält man ein Zeritfikat, das sich gut in den ersten Bewerbungsunterlagen macht.
Der Kompetenzcheck kann die Kenntnisse der Jugendlichen anders abbilden, als es das Zeugnis kann, erklärte Nicole Bufe, die für die IHK am Projekt "Passgenaue Besetzung" arbeitet.
Heute unterzog sie der Neuauflage des Programms an der Regelschule Niedersachswerfen einem ersten Feldversuch. Der Ort ist gut gewählt, die Schule gibt sich große Mühe ihre Abschlussjahrgänge bei der Berufsfindung zu unterstützen. Einen Tag in der Woche widmet man sich ganz der beruflichen Zukunft. Man geht in die Betriebe, holt die Chefs oder junge Menschen, die schon eine Ausbildung begonnen haben, in die Schule, schreibt Bewerbungen und spricht über Ausbildungsverträge. Erste Testbewerbungen kann man an Partnerunternehmen wie Maximator senden, die sich mit einer Einschätzung auch zurück melden. "Das wird ganz anders aufgenommen als wenn wir als Lehrer Hinweise geben", Christina Macke, BVU Lehrerin und Klassenleiterin der 9a, die heute den Kompetenzcheck ausprobierte.
Der "BVU", der Berufsvorbereitende Unterricht, ist dabei nicht Teil des Lehrplans, sondern wurde von Seiten der Lehrerschaft ins Leben gerufen. Jeder Fachbereich macht dafür Abstriche im wöchentlichen Stundenplan, damit genug Zeit bleibt für den BVU.
Der neue Kompetenzcheck kommt auch ohne die Anwesenheit der IHK Mitarbeiter aus, eine E-Mail Anfrage der Schule reicht (Foto: Angelo Glashagel)
Der Erfolg kann sich sehen lassen: 90% der Schüler können nach dem Abschluss vermittelt werden, schätzt Frau Macke, in der jetzigen zehnten Klasse habe man nur noch eine Person, die bisher nichts gefunden habe.
Beliebt seien vor allem die Bereiche Gesundheit und Pflege, die Metallbranche oder Verwaltungsberufe, sagte die Lehrerin. Weniger Anklang finden handwerkliche Tätigkeiten und die Ausbildung zum Erzieher. Im großen und ganzen hätten die Jugendlichen aber schon recht konkrete Vorstellungen, sagte Frau Macke. Das kann auch Nicole Bufe bestätigen, ihrer Einschätzung nach sind vor allem der IT Bereich und die Kaufmännsichen Berufe. Schlecht sehe es derzeit hingegen in der Gastronomie und der Logistik aus.
Beim Test des neuen Kompetenzcheck zeigte sich die Etnschlussfreudigkeit der Jugendlichen nicht so ganz. Für den zweiten Testbereich können die Schüler neben dem Allgemeinbildungsteil aus verschiedenen Ausbildungsbereichen wählen, die von der IHK angeboten werden. Da werden dann zum Beispiel Kenntnisse abgefragt, die für den IT-Bereich wichtig sein können, für die Metall- oder Elektrobranche, für die Gastronomie, die kaufmännischen Berufe, Handel- und Logistik oder das Hotel- und Gaststättengewerbe. Wer sich in diesen Bereichen nicht wiederfindet, wählt "sonstiges" und muss noch mehr Fragen zur Allgemeinbildung beantworten.
Der größte Teil der Probanden wählte heute eben den Bereich "sonstiges" oder beantwortet Fragen zur Metallbranche. Welche der abgebildeten Seilwinden bringt die höchste Kraft auf, wer war der erste Bundeskanzler, welches ist die richtige Schreibweise des Wortes "Synonym" - beantwortet werden müssen mathematische Aufgaben, Fragen zur Bundesrepublik oder zu mechanischen Kenntnissen und vieles mehr. Eine Schulstunde, also etwa 40 Minuten, haben die Schülerinnen und Schüler Zeit, die Fragen zu beantworten, die meisten sind früher fertig.
Mit dem Test, der zusammen mit der Universität Erfurt erarbeitet wurde und fortlaufend aktualisiert wird, sollen die Schüler auch dazu angeregt werden, ihr Wissen im Wunschberuf je nach Leistung noch zu erweitern, erklärte Frau Bufe. Bisher musste sie und ihre Kollegen immer vor Ort sein, wenn eine Schule den Test anbieten wollte, mit dem neuen System reicht eine E-Mail an die IHK und die Schule bekommt Nutzernamen und Passwörter für den Online-Test zugesandt.
Das mache die Planung für die Schulen wesentlich einfacher, sagte Bufe. Die eigene Leistung wird als Prozentangabe direkt nach dem Abschluss des Tests angezeigt und auch die Fehler, die man gemacht hat, können noch einmal eingesehen werden.
In den kommenden Tagen und Wochen soll der Test an möglichst vielen Schulen des Einzugsbereiches der Thüringer IHK angeboten werden. Wie es mit dem BVU an der Niedersachswerfener Realschule weitergeht ist indes unklar. Das ambitionierte Projekt leidet unter dem generellen Lehrermangel und auch die Bereitschaft des Schulamtes die Realschule hier auch im kommenden Jahr ihren Weg gehen zu lassen, steht noch aus.
Für die Schülerinnen und Schüler der 9a dürfte das aber kaum noch ins Gewicht fallen denn die Unternehmen der Region suchen zum Teil händeringend nach neuen Auszubildenden. Die richtigen Leistungen vorausgesetzt können sich heute die Azubis ihren Lehrbetrieb aussuchen und nicht mehr umgekehrt.
Angelo Glashagel
Autor: red
An der Realschule wurde der neue Kompetenzcheck der IHK heute erstmals getestet (Foto: Angelo Glashagel)
Mit 16 Jahren macht man sich über vieles Gedanken nur nicht unbedingt über den zukünftigen Beruf, möchte man meinen. Wer die Realschule in Niedersachswerfen besucht, kann einen anderen Eindruck bekommen. Die Schule wendet viel Zeit auf, damit ihre Jugendlichen den passenden Ausbildungsplatz finden. Unterstützung bekommen Schule und Schüler dabei auch von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die organisiert seit bald zehn Jahren ein Programm, von dem sowohl die Azubis in spe wie auch die Unternehmen profitieren sollen.
Im "Kompetenzcheck" können die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Wissenstand testen. In zwei Bereichen, Allgemeinbildung und einem berufsspezifischer Teil, sind jeweils 20 Fragen zu beantworten. Erreicht man in beiden Bereichen mindestens 50%, erhält man ein Zeritfikat, das sich gut in den ersten Bewerbungsunterlagen macht.
Der Kompetenzcheck kann die Kenntnisse der Jugendlichen anders abbilden, als es das Zeugnis kann, erklärte Nicole Bufe, die für die IHK am Projekt "Passgenaue Besetzung" arbeitet.
Heute unterzog sie der Neuauflage des Programms an der Regelschule Niedersachswerfen einem ersten Feldversuch. Der Ort ist gut gewählt, die Schule gibt sich große Mühe ihre Abschlussjahrgänge bei der Berufsfindung zu unterstützen. Einen Tag in der Woche widmet man sich ganz der beruflichen Zukunft. Man geht in die Betriebe, holt die Chefs oder junge Menschen, die schon eine Ausbildung begonnen haben, in die Schule, schreibt Bewerbungen und spricht über Ausbildungsverträge. Erste Testbewerbungen kann man an Partnerunternehmen wie Maximator senden, die sich mit einer Einschätzung auch zurück melden. "Das wird ganz anders aufgenommen als wenn wir als Lehrer Hinweise geben", Christina Macke, BVU Lehrerin und Klassenleiterin der 9a, die heute den Kompetenzcheck ausprobierte.
Der "BVU", der Berufsvorbereitende Unterricht, ist dabei nicht Teil des Lehrplans, sondern wurde von Seiten der Lehrerschaft ins Leben gerufen. Jeder Fachbereich macht dafür Abstriche im wöchentlichen Stundenplan, damit genug Zeit bleibt für den BVU.
Der neue Kompetenzcheck kommt auch ohne die Anwesenheit der IHK Mitarbeiter aus, eine E-Mail Anfrage der Schule reicht (Foto: Angelo Glashagel)
Der Erfolg kann sich sehen lassen: 90% der Schüler können nach dem Abschluss vermittelt werden, schätzt Frau Macke, in der jetzigen zehnten Klasse habe man nur noch eine Person, die bisher nichts gefunden habe.
Beliebt seien vor allem die Bereiche Gesundheit und Pflege, die Metallbranche oder Verwaltungsberufe, sagte die Lehrerin. Weniger Anklang finden handwerkliche Tätigkeiten und die Ausbildung zum Erzieher. Im großen und ganzen hätten die Jugendlichen aber schon recht konkrete Vorstellungen, sagte Frau Macke. Das kann auch Nicole Bufe bestätigen, ihrer Einschätzung nach sind vor allem der IT Bereich und die Kaufmännsichen Berufe. Schlecht sehe es derzeit hingegen in der Gastronomie und der Logistik aus.
Beim Test des neuen Kompetenzcheck zeigte sich die Etnschlussfreudigkeit der Jugendlichen nicht so ganz. Für den zweiten Testbereich können die Schüler neben dem Allgemeinbildungsteil aus verschiedenen Ausbildungsbereichen wählen, die von der IHK angeboten werden. Da werden dann zum Beispiel Kenntnisse abgefragt, die für den IT-Bereich wichtig sein können, für die Metall- oder Elektrobranche, für die Gastronomie, die kaufmännischen Berufe, Handel- und Logistik oder das Hotel- und Gaststättengewerbe. Wer sich in diesen Bereichen nicht wiederfindet, wählt "sonstiges" und muss noch mehr Fragen zur Allgemeinbildung beantworten.
Der größte Teil der Probanden wählte heute eben den Bereich "sonstiges" oder beantwortet Fragen zur Metallbranche. Welche der abgebildeten Seilwinden bringt die höchste Kraft auf, wer war der erste Bundeskanzler, welches ist die richtige Schreibweise des Wortes "Synonym" - beantwortet werden müssen mathematische Aufgaben, Fragen zur Bundesrepublik oder zu mechanischen Kenntnissen und vieles mehr. Eine Schulstunde, also etwa 40 Minuten, haben die Schülerinnen und Schüler Zeit, die Fragen zu beantworten, die meisten sind früher fertig.
Mit dem Test, der zusammen mit der Universität Erfurt erarbeitet wurde und fortlaufend aktualisiert wird, sollen die Schüler auch dazu angeregt werden, ihr Wissen im Wunschberuf je nach Leistung noch zu erweitern, erklärte Frau Bufe. Bisher musste sie und ihre Kollegen immer vor Ort sein, wenn eine Schule den Test anbieten wollte, mit dem neuen System reicht eine E-Mail an die IHK und die Schule bekommt Nutzernamen und Passwörter für den Online-Test zugesandt.
Das mache die Planung für die Schulen wesentlich einfacher, sagte Bufe. Die eigene Leistung wird als Prozentangabe direkt nach dem Abschluss des Tests angezeigt und auch die Fehler, die man gemacht hat, können noch einmal eingesehen werden.
In den kommenden Tagen und Wochen soll der Test an möglichst vielen Schulen des Einzugsbereiches der Thüringer IHK angeboten werden. Wie es mit dem BVU an der Niedersachswerfener Realschule weitergeht ist indes unklar. Das ambitionierte Projekt leidet unter dem generellen Lehrermangel und auch die Bereitschaft des Schulamtes die Realschule hier auch im kommenden Jahr ihren Weg gehen zu lassen, steht noch aus.
Für die Schülerinnen und Schüler der 9a dürfte das aber kaum noch ins Gewicht fallen denn die Unternehmen der Region suchen zum Teil händeringend nach neuen Auszubildenden. Die richtigen Leistungen vorausgesetzt können sich heute die Azubis ihren Lehrbetrieb aussuchen und nicht mehr umgekehrt.
Angelo Glashagel
