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Grüne Kunstwerke in der Traditionsbrennerei

Samstag, 20. Juni 2015, 14:54 Uhr
Zur Sommerausstellung hat sich die Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei majestätische Miniaturen ins Haus geholt - kunstvolle Bonsai-Bäume schmücken heute und morgen den Hof der alten Brennerei. Um die kleinen Schmuckstücke zu erschaffen braucht es etwas mehr als nur einen grünen Daumen...

Denn wer "Bonsai" züchtet, der ist nicht nur Gärtner sondern zu einem gewissen Grad auch Künstler. Die "Bäume in Schale", das bedeutet der Begriff Bonsai, folgen einer ganz eigenen stilistischen und ästethischen Tradition. Alt sollen sie aussehen und vor allem natürlich, unberührt von Menschenhand.

Dabei machen die Miniaturen viel Arbeit, weiß Bonsaienthusiast Klaus Leiding vom Bonsaiklub Wesstthüringen. 300 Pflanzen nennt der Senior sein eigen, und sie beschäftigen ihn den ganzen Tag, erzählt Leiding.

Denn es handelt sich um richtige Bäume. Würde man sie im Garten einpflanzen und natürlich wachsen lassen, könnten sie auch wieder ihre eigentliche Größe erreichen, 30, 40 oder 100 Meter, je nach Baum, erklärt Leiding. Damit das nicht passiert reduziert man die Wasser- und Nährstoffzufuhr und nutzt diverse Schnitttechniken.

Fernöstliche Kunst in Grün - Bonsai-Ausstellung in der Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei (Foto: Angelo Glashagel) Fernöstliche Kunst in Grün - Bonsai-Ausstellung in der Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei (Foto: Angelo Glashagel)

Das ist aber nur der eine Teil der Aufgabe. Folgt man den ästethischen Standards der alten fernöstlichen Tradition achtet man auch auf die Dynamik von Ästen, Stamm und dem "Nebari", dem Wurzelwerk. Dafür werden Drähte genutzt, um der Pflanze den richtigen Weg zu weisen. Damit das ganze auch alt aussieht, kommen auch Bleichmittel und Totholz zum Einsatz.

Und einige der Bäume sind sehr alt. Leiding berichtet von Bonsai aus Japan, die von Generation zu Generation weitergegeben und gepflegt wurden. Seit mehr als 600 Jahren. Erstmals belegt sei die Kunst in China, vor mehr als tausend Jahren.

Flexibler ist man hingegen bei der Herkunft der Bäume. Sie müssen nicht unbedingt aus Asien stammen. Heute nutzt man auch heimische Gewächse. Das hat praktische Gründe: die Eiheimischen haben weniger Probleme, wenn der Winter kommt.

Wem das alles zu kompliziert ist, der findet in der Traditionsbrennerei auch Pflanzen, die weniger Pflege benötigen. Die Gärtnerei Sauer aus Ellrich wartet mit Buchen, japanischem Fliederahorn, Etagenprimeln und Purpurglöckchen auf, alle aus eigener Zucht. Wer sich mit diesen Pflanzen umgeben will, der muss neben dem Gießen vor allem auf den richtigen Standort achten, erklärte Gärtner Müller-John. Und auch die Fuchsien, die im vergangenen Jahr die Sommerausstellung dominiert hatten, fehlen dieses Jahr nicht.

Klaus Leiding nennt über 300 Bonsai sein eigen, ein paar hat er mitgebracht (Foto: Angelo Glashagel) Klaus Leiding nennt über 300 Bonsai sein eigen, ein paar hat er mitgebracht (Foto: Angelo Glashagel)

Trotz eher mäßigen Wetters hatten sich einige Besucher in der Traditionsbrennerei eingefunden und genossen neben den vielen Pflanzen auch Kaffee und Kuchen die der Förderverein des Parks Hohenrode anbot. Und auch morgen wird man sich die majestätischen Miniaturen noch einmal ansehen können, die Ausstellung ist dann noch einmal von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Angelo Glashagel
Autor: red

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