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Tango und Mamba im Kunsthaus

Freitag, 19. Juni 2015, 14:59 Uhr
Wer die Ankündigung zu einem Kammerkonzert liest, der denkt gewöhnlich an ein Streichquartett, ein Flötenkonzert, an Holzbläser und eben an klassische Musik. Im Kunsthaus durfte man etwas ganz anderes erleben...

Dass dem nicht so ist, beweist wieder einmal die Reihe „Kammerkonzert im Kunsthaus “, die gemeinsam vom Kunsthaus Meyenburg Förderverein und dem Kunsthaus Meyenburg mit Unterstützung des Theaters Nordhausen veranstaltet wird. Anfangs vor den Konzerten sehr kritisch, oft als gewagt bezeichnete Konzertvorhaben erwiesen sich durchgängig als Abende, die das Publikum begeisterten.

Ob ein Kammerkonzert für drei Kontrabässe, eines für Schlagzeug solo – immer faszinierten die Künstler die Gäste und entließen diese begeistert und mit Eindrücken nachklingend in den Heimweg. Auch das 6. Konzert dieser Reihe bestätigte, dass Kammermusik mehr sein kann als oft dargebrachte Quartette, mehr als das Übliche, das Erwartete. Am Donnerstagabend brachten sechs Cellisten mit dem allerdings etwas lang gefassten Namen „Die Auftritts-Cellisten des Loh-Orchesters“ vor ausverkauftem Haus das Publikum zu Begeisterungsstürmen.

Cellisten im Nordhäuser Kunsthaus (Foto: Dr. Wolfgang R. Pientka) Cellisten im Nordhäuser Kunsthaus (Foto: Dr. Wolfgang R. Pientka) Und hier sind nicht nur die erklatschten zwei Zugaben am Ende des Konzertes gemeint, sondern bereits der lang anhaltende Applaus schon nach dem zweiten Stück und das rhythmische Klatschen vor der Pause, die traditionell mit einem Glas Wein und einer Bildbetrachtung überleitet zum zweiten Teil des Abends. Auch musikalisch ging die Reise durch mehr als drei Jahrhunderte – von Joseph Haydn über Richard Wagner, von Max Bruch bis Charles Gounod – und endete zur Verblüffung aller mit einer Bearbeitung des Metallica-Titels „Nothing Else Matters“ für sechs Violoncelli.

Die Verwunderung nahm zu, als in der Moderation – gekonnt und kurz eingestreut von Matthias Weicker – dem Publikum, falls Lust und Laune vorhanden wären, freigestellt wurde auch mit einem Tänzchen sich auf das Parkett des Kunsthauses zu wagen. Es folgte zwar niemand diesem ungewöhnlichen Angebot in einem Kammerkonzert, denn die gekonnt dargebrachten Cha-Cha-Cha, Tango und Mamba hätten schon ein gewisses Können in den latein-amerikanischen Standardtänzen vorausgesetzt.

Cellisten im Nordhäuser Kunsthaus (Foto: Dr. Wolfgang R. Pientka) Cellisten im Nordhäuser Kunsthaus (Foto: Dr. Wolfgang R. Pientka)

Man sah aber sehr deutlich, wie das Publikum den Rhythmen folgte. Da war mehr als ein übliches fast verstecktes Kopfnicken, sondern Füße und auch angedeutetes Mitklatschen zeigten, wie sehr dieser Hauch von südamerikanischer Lebenslust die Gäste auf den Stühlen ausleben und mitgehen ließ. Auch die Musiker zeigten regelrecht „Körpereinsatz“.

Sebastian Hennemann, seit dieser Spielzeit Solocellist im Loh-Orchester, zeigte wie auch in den Sinfoniekonzerten des Loh-Orchesters, dass Musik bei solchen Künstlern nicht nur von innen kommt und kommen muss, sondern auch in Gestik, Mimik und Körpersprache sich ausdrückt. Insofern harmonieren Sebastian Hennemann und Matthias Weicker, denn bei dem zweiten Stück des Abends, einer Romanze für zwei Celli, war der ihnen eigene Schalk nicht zu übersehen – sie spielten der Komposition entsprechend auf zwei Celli, nutzten aber nur einen Bogen, den sie sich mit der einem Mozart würdigenden Geste jeweils nach Notwendigkeit der Komposition übergaben.

Das Stück war zwar eine Komposition von Friedrich August Kummer, doch hatten sowohl die Musiker als auch die Konzertgäste ihre Freude an dieser Spiellust. Und wie auch sonst immer gab es als kleine Geste des Kunsthaus Meyenburg Fördervereins eine Flasche Wein, auch diese in besonderer Aufmachung – als Erinnerung und mit der Bitte um ein weiteres Konzert in dieser Reihe mit Noten gregorianischer Musik auf dem Etikett und Cello-Notenauszügen aus diesem Konzert.

Ein aus dem Sächsischen angereister Gast überreichte Rosen – welche schöne Geste zum Abschluss! Übrigens - das 7. Konzert dieser Reihe ist für den 17. September geplant. Mehr dazu wie immer in Ihrer Presse!
Dr. Wolfgang R. Pientka
Autor: red

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